Vom 3. bis 11. August wird in Keylaer ein buntes Programm geboten.

Kevelaerer Ortschaft : Keylaer feiert eine Woche lang 875 Jahre

Die St.-Hubertus-Gilde und der Arbeitskreis Heimatfreunde von Keylaer haben ein umfangreiches Festprogramm erstellt. Es wird einiges geboten. Kein Tag zwischen dem 3. und 11. August ist ohne Veranstaltung.

Fährt man auf der Bundesstraße 9 von Weeze nach Kevelaer, gibt es kurz vor der Wallfahrtsstadt hinter einem kleinen Wäldchen einen Abzweig nach rechts, der über einen Bahnübergang führt. Hält man sich dann weiterhin rechts, durchfährt man ein Wohngebiet. Es folgen freies Feld, vereinzelte Höfe. Man könnte sie zählen. In der Mitte eine Kapelle, dem Heiligen Hubertus geweiht. Dann ist man „auf Keylaer“.

Keylaer ist keine Stadt, keine Gemeinde, Keylaer ist eine Bauernschaft. Die Ansiedlung gehört heute zum größten Teil zu Kevelaer, zu einem kleineren Teil zur Gemeinde Weeze. Ihre Geschichte aber reicht weit zurück. Mindestens 875 Jahre gibt es sie schon, und diesen schönen Geburtstag wollen Einwohner und Freunde von Keylaer ab Samstag, 3. August, eine ganze Woche lang feiern.

Bereits vor 25 Jahren hatte es eine Festwoche zum 850. Jubiläum gegeben. Initiator war damals Reinhard Peters gewesen, dem in einem alten Heimatkalender eine Randnotiz aufgefallen war, die besagte, dass Keylaer in einer Schenkungsurkunde aus dem Jahre 1144 erstmalig erwähnt worden war. „Ein Anlass zum Feiern“, sagte sich Peters. „Wir wollten es wieder tun“, sagt er, der seitdem Sprecher des Arbeitskreises Heimatfreunde ist.

Zusammen mit der St.-Hubertus-Gilde Keylaer, dem traditionsreichen Schützenverein am Ort, und weit mehr als der Hälfte aller Einwohner wurde über mehrere Monate ein abwechslungsreiches Programm zusammengestellt. Ein Rückbesinnen auf die Geschichte des Ortes und das Bewusstsein für Identität in der Gegenwart sind, so Peters, die Grundgedanken des Festes.

Begonnen wird am Samstag mit der Heiligen Messe in der Hubertuskapelle, die gleichzeitig Dreh- und Angelpunkt vieler Aktionen ist. Während dieser Messe gibt es eine Kräuterweihe. Hierzu kann jeder Besucher einen eigenen Kräuterstrauß mitbringen. „Die Kräuterweihe hat damals Pastor Richard Schulte Staade angeregt, und sie ist seither sehr beliebt“, berichtet Peters. Nach der Messe findet der jährliche Liederabend mit Theo Jansen auf dem Vorplatz der Kapelle statt. „Geschichts-Café“ ist die Überschrift des Sonntags. Mittelpunkt an diesem Tag ist eine Fotoausstellung zum historischen Wandel des Landlebens. Wie wurde früher Getreide geerntet? Wie mühsam war die Kartoffelernte? Die Besucher erwartet eine interessante Dokumentation. Die Bilder stammen zum größten Teil aus privaten Fotoalben der Keylaerer. Gleichzeitig wird an diesem Tag die 160 Seiten starke Festschrift „875 Jahre Keylaer“ vorgestellt. Herausgeber ist die St.-Hubertus-Gilde. Ein Autorenteam unter der Leitung von Reinhard Peters hat auf der Grundlage der Festschrift von 1994, die bereits vergriffen ist, eine detailreiche Geschichte Keylaers vom Mittelalter bis in die Gegenwart verfasst. Die Festschrift kann an diesem und an allen Festtagen zum Preis von zwölf Euro erworben werden.

Nicht nur die Vergangenheit soll Thema der Festwoche sein. Auf dem Programm stehen auch Betriebsbesichtigungen, eine Radwanderung zu Betrieben mit Anlagen erneuerbarer Energie und ein Tag der offenen Tür am Wasserwerk. Auf einer Radwanderung werden alte Wege und Wegekreuze erkundet.

Hauptfesttag ist der Sonntag, 11. August. Wallfahrtsrektor Gregor Kauling wird den Familiengottesdienst an der Hubertuskapelle unter freiem Himmel halten (bei Regen in der Scheune des Schanzhofes). Der darauf folgende Bauern- und Handwerkermarkt auf dem Hubertusplatz wird mit einer Vielzahl von Attraktionen locken: Saftmacher, Bierbrauer und Imker zeigen ihre Fertigkeiten. Historische Drucker und Spinner sind nur einige Beispiele der präsentierten Handwerkskünste. Wie Reinhard Peters mitteilt, wird der Markt in Zusammenarbeit mit dem Museum de Locht aus dem niederländischen Melderslo gestaltet. Fördergelder für das Fest gab es von der Volksbank-Stiftung, der Stiftung „Energie für Kevelaer“ und zahlreichen ortsansässigen Unternehmen.

Mehr von RP ONLINE