Vielseitige Kunst-Welten bei „Herbst-Art“

Kevelaer : Unterhaltsamer Wirrwarr mit Spielspaß

Zu Beginn der neuen Kultursaison gab es ein Highlight im Bühnenhaus: Das Stück „In anderen Umständen“ hatte seine Tournee-Premiere. Es präsentierte einige eigenwillige Ideen sowie viel Spielfreude der Akteure.

Für den Auftakt zur Theatersaison 2018/2019 präsentierte das Stadtmarketing am Montagabend einen ungewöhnlichen Klamauk. Denn das Stück „In anderen Umständen“ begann damit, dass Schauspieler Stefan Gebelhoff sich an das Publikum wandte, da angeblich zwei Darsteller, Petra Nadolny und Rolf Berg, noch gar nicht da seien und dass man so nicht anfangen könne. Plötzlich sprangen an dieser Stelle zwei vermeintliche Besucher auf, gespielt von eben jenen „fehlenden“ Akteuren, die als angebliche Laiendarsteller die Rollen füllen wollten. Dann begann das eigentliche Stück. Dieser Anfang zeigte bereits klar die komödiantische Ausrichtung des Abends an.

Die eigentliche Geschichte des Stückes handelt von einem Angestellten (Stefan Gebelhoff), der bei der Arbeit von einem Computer die Information erhält, dass er schwanger sei und deshalb nicht nur mehr Geld, sondern nun auch Mutterschaftsurlaub bekomme. Während der Protagonist sich mit seiner absurden Situation abfindet, sucht er Rat bei einem befreundeten Professor, und seine Hauswartsfrau kommentiert dabei das Geschehen: „Mann bleibt Vater und Frau bleibt Mutter, das hat die Natur schon richtig eingerichtet!“ Doch nicht alles läuft problemlos ab, denn eine Journalistin versucht aus dem Mutterschafts-Wirrwarr Kapital zu schlagen.

Dieser eigentlich gradlinig erscheinende Schwank wird immer wieder unterbrochen von den zu Anfang auf die Bühne geholten „Laiendarstellern“. Entweder kennen sie ihre Rolle nicht richtig, müssen über ihre Kostüme lachen, oder brechen auch einfach mal für einen weiteren Scherz aus der Handlung aus. Brechts Verfremdungseffekt wird dabei soweit gedehnt, dass manche Zuschauer schon regelrecht irritiert waren, wenn mal eine Szene ohne Unterbrechung der vierten Wand gradlinig ablief.

Die Aufführung im Bühnenhaus von „In anderen Umständen“ war auch eine kleine Premiere, denn es war das erste Mal, dass das Stück mit dieser Besetzung auf Tournee gespielt wurde. Es gab zu Beginn des Abends noch eine kleine Einführung durch Christian Seeler, den Leiter von „Nordtour Theater Medien“, der das Publikum auf die besondere Art des Schwanks vorbereitete.

Insgesamt zeigte der von Folker Bohnet und Alexander Alexy geschriebene und von Rolf Berg inszenierte Klamauk die Wandlungsfähigkeit der Akteure. Besonders Petra Nadolny und Rolf Berg wechselten spielend leicht von einem albernen Charakter zum nächsten, unterbrachen das Ganze stets durch ihre Laiendarsteller-Persona, dabei änderten sie stets ihre Gestik, Mimik und Akzente.

Die Zuschauermeinung war, aufgrund der eigenwilligen Präsentation, breit gefächert: „Mir war das einfach zu wirr und überladen“, meinte Zuschauer Georg Schmidt. Doch ein Großteil sah es wie seine Frau Käthe: „Das konnte man sich gut ansehen, es war schöne Unterhaltung und die Schauspieler fand ich wirklich gut. Wie viel die Lernen und Machen mussten, das hat meinen Respekt.“

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