Kevelaer: Unfälle am Airport: Betrügern auf der Spur

Kevelaer: Unfälle am Airport: Betrügern auf der Spur

Am Flughafen Weeze nahmen Fachleute an den "IbB-Crashtagen" teil. Sie ermittelten Mikrospuren an Testfahrzeugen. Untersucht wurden vor allem Kleinkollisionen. Klebefolie hilft, Betrugsversuche bei Unfallfluchten aufzuklären.

Das ist wohl fast jedem Autofahrer schon passiert: Man will nach dem Einkauf in seinen Wagen steigen und erkennt einen Schaden, der vorher noch nicht da war. Falls sich ein Zeuge meldet, der den Unfall beobachtet hat, könnte der Geschädigte Glück haben und die Reparatur nicht aus eigener Tasche zahlen müssen.

Dem Verursacher wiederum droht erheblicher Ärger wegen Fahrerflucht. In diesem Themenkreis bewegten sich die "IbB-Crashtage", die gestern auf dem Veranstaltungsgelände des Airport Weeze stattfanden. Gutachter und Polizei informierten sich über moderne Verfahren der Spurensicherung. Einer der Veranstalter: Jochen Lehmkuhl aus Goch. Mit seinem Sachverständigenbüro ist er Fachmann für die Unfallrekonstruktion.

Aus Deutschland, den Niederlanden und Belgien kamen die Teilnehmer an den praktischen Übungen, denen jeweils Vorträge vorausgingen. Platz dafür war in einem ehemaligen Flugzeug-Hangar, die Tests fanden natürlich draußen statt — wie im richtigen Leben. Heinz Burg von IbB Engineering, einem Zusammenschluss von Sachverständigen, hatte zunächst erklärt, worum es in der Dachorganisation geht: um Grundlagenforschung, Versuche, neue Methoden und Arbeitsmittel, den Aufbau eines Unfalldatenspeichers sowie um Weiterbildung. Ihr dienten auch die jüngsten "Crashtage".

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Dabei wurden zwar auch Unfälle mit Personenschäden untersucht, Schwerpunkt waren diesmal aber die berüchtigten "Kleinkollisionen". Die Polizei kann ein Lied von ihnen singen, so groß ist ihre Zahl. Wie Jochen Lehmkuhl erinnerte, hatte die Kreispolizei bereits 2005 eine Sonderkommission "Unfallflucht" eingerichtet, so zahlreich sind die Fälle, in denen die Polizei ermitteln muss.

Seit einigen Jahren verwendet die Kreispolizei eine Folie, die Lehmkuhl entwickelt hat: An ihrer klebrigen Oberfläche bleiben Partikel hängen, die dann unter dem Mikroskop untersucht werden können. Das ist etwa dann wichtig, wenn ein Autobesitzer einen Schaden durch einen Unfallflüchtigen anzeigt, er in Wahrheit jedoch einen Pfosten oder ähnliches gestreift hat, Beule oder Kratzer also selbst zu verantworten hat. Insbesondere Versicherungen interessieren sich für den tatsächlichen Hergang des Unfalls. Und weil die Höhe ihrer Policen vom Aufkommen der zu begleichenden Schäden abhängt, sollte es in jedermanns Interesse sein, Betrugsversuche aufzuklären.

"Früher musste man kratzen, um Farbreste sicherzustellen, und hat dabei weitere Schäden verursacht", weiß Lehmkuhl. Das tun auch Polizisten nicht gerne und wenden deshalb lieber die Haftfolie an. Auch wichtig: aussagefähige Fotos. Denn vor der Untersuchung von Mikrospuren schauen die Ermittler unbedingt erst einmal genau hin, ob Schaden und verdächtiges Fahrzeug zueinander passen.

(RP)