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Umweltbündnis demonstriert gegen Großwild-Jagdreisen

Demo gegen Greenwashing : Umwelt-Demo vor Solar-Firma

Am Freitag protestierte ein Bündnis aus Fridays For Future, Peta und Greenpeace vor einer Photovoltaik-Firma in Kevelaer, weil der Betreiber Großwild-Jagdreisen in Afrika organisiert. Die Vorwürfe der Demonstranten weist dieser allerdings vehement zurück und spricht von Nachhaltigkeit.

Mit großer Verwunderung blieben am Freitagmorgen immer wieder Fahrradfahrer und Passanten vor dem Firmengelände der „PV Service Gmbh“ stehen und blickten mit fragenden Gesichtern in Richtung Demonstranten, die sich dort seit 11 Uhr aufstellten. Insgesamt 23 Demonstranten der Fridays for Future Bewegung (FFF), der Umweltorganisation Greenpeace und der Tierrechtsorganisation Peta hatten sich vor dem Unternehmen für Solaranlagen im Industriegebiet in Kevelaer versammelt. Eine Umwelt-Demo vor einer Firma, die sich für erneuerbare Energien einsetzt? Auf dem Papier mutete das schon recht seltsam an.

„Auch wenn es irrwitzig klingt. Wir demonstrieren vor einer PV-Firma, aber natürlich nicht gegen die Technologie“, erklärte FFF-Vorstandsmitglied und Versammlungsleiter Jannik Berbalk. Vielmehr ging es ihm und den restlichen Demonstranten um eine weitere Tätigkeit, die Firmeninhaber Ulrich Schurer betreibt. Seit etwa einem Jahr vermittelt er Großwild-Jagdreisen nach Südafrika, Namibia und Mosambik. Dieses Jagdreisen und das „Greenwashing“, wie es Berbalk nennt, kritisiert der Umweltschützer scharf: „Ich finde es perfide, auf der einen Seite mit einer Firmen-Philospohie zu werben, die sich den Umweltschutz auf die Fahne schreibt, und auf der anderen Seite Jagdreisen auf bedrohte Tierarten anzubieten.“

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Polizei und Ordnungsamt blieben die gesamte Zeit vor Ort und sprachen von einer ruhigen Demonstration, bei der auch alle Hygiene- und Schutzmaßnahmen eingehalten wurden. Abstandsregeln, Maskenpflicht, Dokumentation der Teilnehmer zur Rückverfolgung der Infektionsketten. „Ich bin hier, um die Maßnahmen zu kontrollieren. Und das läuft alles gut“, meinte Heinz-Josef Theunissen vom Ordnungsamt Kevelaer.

Für die Sicherheit und ordnungsgemäße Durchführung der Demo hatte Versammlungsleiter Berbalk im Vorfeld gesorgt: kleine Kreuze aus Kreide markierten den jeweiligen Abstand auf dem Boden, über das Megaphon informierte er die Demonstranten über die Maskenpflicht und sammelte anschließend die Daten.

Zu einem direkten Aufeinandertreffen zwischen Africa-Hunting-Chef Ulrich Schurer und den Demonstranten, die sein Engagement für Solaranlagen lobten, allerdings die Einstellung seiner Jagdaktivitäten in Afrika forderten, kam es am Freitag nicht. Nach Angaben von Jannik Berbalk habe das FFF-Mitglied am Dienstag eine Mail an den Unternehmenschef geschickt und ihn über die Demonstration in Kenntnis gesetzt. „Eine Antwort habe ich nicht erhalten. Ich bin gespannt, ob er noch reagiert oder uns ignoriert.“

Auf Anfrage unserer Redaktion zeigte sich Ulrich Schurer verwundert. „Ich habe keine Mail bekommen, wurde aber von Ordnungsamt und Polizei über die angemeldete Demonstration informiert.“ In einem anderen Rahmen würde er mit den Umweltschützern über seine Aktivitäten in Afrika reden wollen, auf eine Diskussion auf der Straße wollte er sich aber nicht einlassen und blieb daher der Demo fern. „Jeder darf seine Meinung kundtun und demonstrieren, das ist ganz klar. Allerdings werden bei diesem Thema oft Meinungen und Fakten verwischt. Ich hatte das Gefühl, dass eine Auseinandersetzung auf der Straße eher unsachlich gewesen wäre“.

Auch zu den Vorwürfen, er würde Vergnügungsreisen auf Kosten bedrohter Tierarten anbieten, bezog er im Gespräch mit unserer Redaktion Stellung: „Es ist richtig, dass ich ein faszinierter Jäger bin. Aber natürlich machen wir keine Jagd auf bedrohte Tierarten in der freien Natur und rotten sie aus“, erklärt er. Stattdessen würde die Großwildjagd in dafür vorgesehenen Farmen und Parks ablaufen. „Wenn man es so angeht wie wir, dann hat das Jagen auch viel mit Nachhaltigkeit zu tun.“