1. NRW
  2. Städte
  3. Kevelaer

Kevelaer: Überfälle mit Messer – 7,5 Jahre Haft für Weezer

Kevelaer : Überfälle mit Messer – 7,5 Jahre Haft für Weezer

Der Mann aus Weeze-Wemb hat sechs Geschäfte in Goch, Kleve, Kamp-Lintfort, Xanten und Moers ausgeraubt. Dabei erbeutete er 6000 Euro. Der Staatsanwalt plädierte auf insgesamt sieben Jahre Haft.

Am Ende fiel die Strafe noch härter aus, als von der Staatsanwaltschaft gefordert. Ein 53-jähriger Mann aus Weeze-Wemb ist vom Landgericht Kleve zu insgesamt sieben Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt worden. Staatsanwalt Roman Simonis hatte insgesamt sieben Jahre Gefängnis gefordert. Die Kammer unter dem Vorsitzenden Richter Gerhard van Gemmeren sah es als erwiesen an, dass der Angeklagte, der zuletzt in Uedem wohnte, im Zeitraum vom 23. November 2012 bis zum 18. Januar 2013 insgesamt sechs Geschäfte überfallen hat.

In Goch den Goldankauf "Goldoase" sowie das Textilgeschäft Zeeman, in Kamp-Lintfort "Matratzen Concord", in Xanten die Boutique "Marion M.", in Moers eine Kodi-Filliale und in der Klever Innenstadt das Geschäft "Hammad Handel". Etwa 6000 Euro erbeutete er dabei insgesamt.

Das Gericht urteilte, dass der 53-Jährige in vier Fällen das Geld mit Hilfe eines Messers erpresst hat. Der Mann hatte den Umfang der Taten bereits im Untersuchungsverfahren gestanden, die Verwendung eines Messers aber bis zuletzt bestritten. "Ich habe zu keiner Zeit eine Waffe mit mir geführt", sagte er. Lediglich einen gelben Hundeklicker und ein Schlüsselbund habe er in seiner Hand gehabt. Auch gedroht habe er nie mit einem Messer.

  • Fußball : B 2: Weeze und Wemb müssen liefern
  • Diese elektronenmikroskopische Aufnahme aus dem Jahr
    Affenpocken in NRW : Kein Grund zur Pocken-Panik am Niederrhein
  • Die Arbeitsgruppe Klimaschutz (v.l.): Dirtje Derksen,
    Posten endlich besetzt : Kreis stellt Klimaschutz-Managerinnen vor

Das sah Richter Gerhard van Gemmeren bedeutend anders: "Ihre Darstellung hier ergibt keinen Sinn. Wenn Sie angeblich mit nichts gedroht haben, warum sollten die Opfer Ihnen das Geld gegeben haben? Weil sie so hilflos aussehen?" Mehrere Zeugen hatten unabhängig voneinander ausgesagt, der Täter habe ein Messer mit sich geführt, es ihnen sogar an den Bauch gehalten. "Da kann es keine Verwechslung mit einem Hundepiepser oder einem Schlüssel gegeben haben", urteilte der Richter. Einzig in zwei Fällen sei dem Täter die Verwendung eines Messers nicht mit Sicherheit nachzuweisen gewesen.

Als Motiv hatte der gelernte Schriftsetzer Geldnot angegeben. "Meine finanzielle Situation war katastrophal. Ich verlor meine Lebensgefährtin, hatte meinen Sohn ein Jahr nicht gesehen, keine Arbeit mehr und dann ist auch noch meine Mutter gestorben. Da brach alles weg", erzählte der Angeklagte, der aussagte, selber nicht begreifen zu können, warum er die Taten begangen habe. "Ich hätte nie gedacht, dass ich dazu in der Lage wäre. Ich bin selber entsetzt." Massenweise Schulden habe er aber nicht gehabt, auch Alkohol oder Drogen seien nicht im Spiel gewesen.

Auch die finanzielle Situation des 53-Jährigen vor den Taten beurteilte Richter van Gemmeren anders als der Täter sie geschildert hatte: "Das war nicht so erdrückend und durchaus überschaubar. Die Schulden wären mit ehrlicher Arbeit abzuarbeiten gewesen." Darüber hinaus habe der Angeklagte auch nach seinem ersten Überfall, mit dessen Beute er die Schulden habe abbezahlen können, die Raubzüge fortgesetzt. Mit dem Geld kaufte er seiner neuen Verlobten unter anderem einen Hund.

Gefasst wurde der Täter, weil sein Überfall in Kleve misslang. Nachdem die Mitarbeiterin im Laden in Panik anfing, um Hilfe zu schreien, kam es zu einem Handgemenge, bei der das Opfer mehrfach stürzte und sich verletzte. Als Kundschaft hinzu eilte, floh er aus dem Geschäft, worauf hin ihn die Zeugen durch die Klever Innenstadt verfolgten und stellten. Später gestand er auch die weiteren Taten, die die Polizei noch nicht mit ihm in Verbindung gebracht hatte. "Ich wollte reinen Tisch machen", sagte der Räuber, der sich nochmals entschuldigte. "Ich hoffe, ich habe die Möglichkeit, es wieder gut zu machen."

(RP/rl)