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Twisteden: Biber am Nierskanal hinterlässt seine Spuren

Nagetier wieder in der Region heimisch : Biber-Fieber in Twisteden

Das Nagetier wurde schon öfter am Nierskanal gesehen. Es hinterlässt seine Spuren: Abgenagte und umgefallene Bäume. Dabei gab es bis in die 90er Jahre kein einziges Tier im Kreis Kleve.

Am Nierskanal in Twisteden, direkt an der Grenze zu den Niederlanden, sind Holzspäne über den Boden verteilt, ein Baum liegt quer auf der Uferwiese. Der Stumpf einer Erle ähnelt einer Sanduhr, ist schon fast komplett abgenagt, der Stamm misst an seiner dünnsten gerade mal wenige Zentimeter. Wer hier Waldarbeiter oder gar Kunst am Baum vermutet, liegt falsch. In Twisteden ist offenbar ein Biber unterwegs.

Ein Leser, der ganz in der Nähe des Nierskanals wohnt, erzählt, dass er hier regelmäßig mit seinen Hunden spazieren geht. Bereits im vergangenen Jahr habe er auf deutscher Seite erstmals einen Biber gesehen, ein Foto sei ihm leider nicht gelungen. Aber Spuren im Gras habe er schon öfter gesehen. Er geht davon aus, dass inzwischen mehrere Biber am Nierskanal unterwegs sind, die Bissspuren an mehreren Bäumen würden darauf hinweisen.

 Der Biber ist auch im Kreis Kleve wieder heimisch – und fühlt sich an und in Fließgewässern wohl. Auch in Twisteden wurde er schon einige Male gesehen.
Der Biber ist auch im Kreis Kleve wieder heimisch – und fühlt sich an und in Fließgewässern wohl. Auch in Twisteden wurde er schon einige Male gesehen. Foto: dpa/Patrick Pleul

Dass ein Biber im Kreis Kleve auftaucht, ist keine Seltenheit. Zumindest nicht mehr. Vor fast 30 Jahren war es hingegen nahezu ausgeschlossen, das Nagetier hier anzutreffen. „Der Biber war in der Region ausgestorben“, sagt Thomas Bäumen von der Unteren Naturschutzbehörde im Kreis Kleve. Er wurde wegen seines Fells und seines Sekrets, des sogenannten „Bibergeils“, das unter anderem für Parfüms benutzt wurde, bejagt. So lange, bis kein Biber mehr übrigblieb. Im Jahr 1994 schließlich holte der Kreis einige Tiere. Sie kamen aus dem Gebiet an der Elbe, nur dort gab es in Deutschland damals noch Biber. Inzwischen kommen die Nager im gesamten Kreisgebiet vor, es gibt einige Jungtiere. Bäumen geht von über 100 Exemplaren aus. „Die Population hat sich stabilisiert“, sagt er. Die Biberansiedlung sei eine echte Erfolgsgeschichte.

 Einige Bäume hat der Niersverband durch Draht geschützt.
Einige Bäume hat der Niersverband durch Draht geschützt. Foto: Eirik Sedlmair
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Das Tier sei wichtig für das Ökosystem. „Der Biber ist quasi eine Art Landschaftsgärtner“, sagt Bäumen. Dadurch, dass er Bäume fällt, werden dunkle Wälder zu offenen Lichtungen. Seine Dämme in den Fließgewässern sorgen zudem für neue Ökosysteme. Die Fließgeschwindigkeit des Wasser verändert sich, in den toten Bäumen können Vögel einen Unterschlupf finden. „Unsere Bäume sind zum Beispiel wieder attraktiv für den Eisvogel“, sagt Bäumen.

 Eine abgenagte Rinde am Nierskanal.
Eine abgenagte Rinde am Nierskanal. Foto: Eirik Sedlmair

„Es ist schon so, dass wir durch den Biber einen erhöhten Aufwand haben“, sagt eine Sprecherin des Niersverbandes, der für den Unterhalt des Nierskanals zuständig ist. Die Verkehrssicherheit müsse aufrechterhalten werden, ab und an müsse man die Böschung sichern, dafür sorgen, dass keine Bäume am Ufer liegen. Aber ein großes Problem sei das nicht. „Das ist ein Stück Natur“, sagt die Sprecherin, „wir freuen uns, dass der Biber wieder in unserer Region zu Hause ist.“

Ein Spaziergang am Nierskanal zeigt eben nicht nur abgenagte und beschädigte Bäume. An vielen Stämmen sind auch Schutzdrähte befestigt, die verhindern, dass sich ein Biber am Baumstumpf zu schaffen macht. „Der Niersverband hat am Nierskanal Bäume zum Schutz gegen den Biber mit einer Umzäunung gesichert. Im Wesentlichen wurden bislang Neuanpflanzungen geschützt“, so die Sprecherin. Wenn bei umliegenden Bäumen ein Verbiss festgestellt werde, befestige der Verband dort gegebenenfalls weitere Schutzzäune, falls die Bäume nicht zu sehr beschädigt sind.

Thomas Bäumen sagt, man solle nicht überall Schutzdrähte anbringen. Sondern nur dort, wo es wirklich notwendig ist. So kann der Biber seiner Aufgabe als Landschaftsgärtner weiter nachgehen.