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Tobias Velmer aus Kevelaer ist Zauberer

Zauberer aus Kevelaer : „Ich möchte Menschen zum Staunen bringen“

Tobias Velmer aus Keve­laer ist Zauberer von Beruf. Bei seinen Auftritten ist ihm der Kontakt zum Zuschauer wichtig. Zaubern ist für ihn Herzenssache.

Vier Ringe aus Metall, sie passen auf den Unterarm, wandern von Hand zu Hand. Ein Zauberhauch genügt, und sie hängen zusammen. Vor den staunenden Augen des Betrachters trennen sie sich, und wieder sind sie verbunden. Die Zauberhände, die dies bewirken, gehören Tobias Velmer, Zauberer von Beruf, Theaterpädagoge, Familienvater.

Es fing alles an im Kindesalter, natürlich mit einem Zauberkasten. Und mit Catweazle, dem schrulligen Zauberer der gleichnamigen Fernsehserie der 70er Jahre, der Sonnenlicht in einer Flasche konservierte, der den „Elektrik-Trick“ und den sprechenden Zauberknochen erfand. „Catweazle war für mich als Kind ein echter Zauberer, und ich wollte auch einer sein“, blickt Velmer zurück. Als Jugendlicher ließ er den Zauberkasten allerdings ruhen.

Die nächste Initialzündung fand in Köln statt. Dort arbeitete er nach dem Abitur in Jürgen von der Lippes „Magic store“, wurde dort ausgebildet zum Zaubergerätehändler. Durch von der Lippe entstanden Kontakte zum WDR, zum Theater Köln, zur Bühne. „Auf der Bühne ein Stück entwickeln, sprechen, sich bewegen, das lag mir, ich habe das gespürt“, erzählt er. Es folgte ein Studium der Theater-, Literatur und Medienwissenschaften an der Universität Hildesheim. Seine Arbeit zum Diplom Theater- und Kulturwissenschaftler schrieb er über die Geschichte der Zauberei am Theater.

13 Jahre arbeitete er als Theater- und Schauspielpädagoge, aber auch in dieser Zeit blieb Zaubern seine „Herzenssache“, wie er betont. So entschloss er sich vor vier Jahren, dies zu seinem Hauptberuf zu machen. Er zog mit seiner Familie wieder in seinen Geburtsort Kevelaer und begann, als professioneller Zauberer zu arbeiten. Dabei ist ihm der Kontakt mit den Zuschauern immens wichtig. „Ich zaubere mit Seilen, Ringen, Münzen und Karten, nicht mit technischen Apparaten“, erklärt er sein Gebiet – und streut einen verblüffenden Kartentrick ein. Es geht alles so schnell, dass man einfach nur staunt, ein schönes Staunen, ein erholsamer Moment im Alltag.

Genau das möchte er bewirken: „Ich möchte Menschen zum Staunen bringen, die Magie ist eine Wunderwelt, die wir auch als Erwachsene noch einmal mit Kinderaugen betrachten können“, ist er sich sicher und fügt hinzu: „Ich verstehe Zaubern nicht als Täuschung des Publikums, das Wort wäre zu negativ, vielmehr will ich verblüffen, und das im positiven Sinn.“ So zitiert er Pablo Picasso auf seiner Homepage: „Kunst wäscht den Staub des Alltags von der Seele.“ Apropos Kinder: seine eigenen, vier und acht Jahre alt, bringt er natürlich sehr gerne zum Staunen. „Mein Papa ist Zauberer“ – ein Satz, der schön klinge, aber auch an die Schattenseiten der Zauberei erinnere, denn: „Kuchen und Süßigkeiten kann ich nicht herzaubern“, sagt Velmer lächelnd.

Für Kinder macht er spezielle Programme. „Kinder akzeptieren die Welt, wie sie ist. Und sie wollen etwas Neues entdecken, wollen lachen.“ Erwachsene müsse er anders fesseln. In seiner Arbeit sind sie seine Haupt-Zielgruppe. Hier ist dann seine Ehefrau die erste Kritikerin, auch sie ist Pädagogin. Tischzauberei macht er zum Beispiel in Gasthäusern, geht von Tisch zu Tisch, zaubert mit Karten, Bechern oder ganz ohne Requisiten: mental. Und schon errät er, welche Karte sein Gegenüber im Kopf hat. „Ja, es hat was von Gedankenlesen“, sagt er schmunzelnd, mehr verrät er nicht.

In Gasthäusern ist dies für die Besucher ein unterhaltsames Zusatzprogramm. Er tritt zum Beispiel im Kevelaerer Restaurant „Herr Lehmann“ auf, im „Goldenen Löwen“ gibt es Close-up-Magie. „Close up heißt bei mir „hautnah und dicht dran“, erklärt er.

Aber auch auf Großveranstaltungen sind seine Künste gefragt. Als Gaukler oder Mystiker sieht man ihn auf Stadtfesten. Bei den Festspiele Baden-Baden begeisterte er zusammen mit Anke Engelke mit dem Programm „Der Zauberlehrling“. Auf einem Regal in seinem Probenraum liegt der Zauberwürfel. Hat er den auch im Griff? „Der liegt mir nicht so“, sagt er, dreht ein bisschen, alle Farben sind gemischt, da wirft er ihn in die Luft und fängt ihn voll geordnet wieder auf.

Zurück bleibt ein schönes Staunen in der Luft.