Kevelaer: Timmermanns letzte Weihnachtsgala

Kevelaer : Timmermanns letzte Weihnachtsgala

Nach 16 Jahren hört der Entertainer auf mit dem Benefizkonzert. Dafür hat er ganz persönliche Gründe.

Es gab da diesen einen Moment bei der Weihnachtsgala vor sieben Jahren. Karl Timmermann stimmt gerade das wohl besinnlichste Lied an: Stille Nacht. Er kniet auf dem Boden, singt ins Publikum. Da stolpert ein Kollege über seinen Fuß und reißt ihn mit zu Boden. „Ja, einmal bin ich richtig auf die Nase gefallen“, sagt der 66-Jährige. „Ich habe dann erstmal im Liegen weiter gesungen.“ Wer sich den Sturz in einer ziemlich verwackelten Aufnahme anschauen möchte, findet ihn noch bei Youtube, rät Timmermann selbst. Zu sehen ist er aber auch am Freitagabend bei der letzten Weihnachtsgala in Kevelaer.

Nach 16 Jahren hört der Entertainer auf mit dem Benefizkonzert. Nun, wo es am schönsten ist, will er gehen. „Irgendwann ist der Zeitpunkt einfach gekommen“, sagt der Sänger. „Und ich will lieber gehen, wenn die Leute es schade finden. Nicht wenn sie denken: Zum Glück hört er endlich auf.“ Nach nur zwei Tagen war die Veranstaltung am Freitag ausverkauft. Zuerst sei ihm noch der Gedanke gekommen, ein Zusatzkonzert anzubieten. Aber die Idee hatte Timmermann schnell verworfen. „Es soll kein Abklatsch werden. Lieber einmal richtig.“

Die Entscheidung, dass dies die letzte Weihnachtsgala sein wird, sei schon im Sommer gefallen. „Es hatte mehrere Todesfälle in meinem Familien- und Freundeskreis gegeben“, sagt der Musiker. „Das macht nachdenklich.“ So ist sein Co-Texter Jürgen Rust, der etwa die Hälfte von Timmermanns Liedern geschrieben hat, Anfang dieses Jahres mit nur 67 Jahren gestorben. „Die Weihnachtsgala ist immer mit unglaublich viel Aufwand verbunden. Da muss man aufpassen.“ Schließlich ist Timmermanns Terminkalender voll: Im Dezember fährt er von einem Weihnachtsmarkt zum anderen, um dort aufzutreten. Zudem engagiert er sich für den Krippenmarkt in Kevelaer, verantwortet das Bühnenprogramm und das Krippenspiel.

Die erste Veranstaltung im Jahr 2004 hatte Karl Timmermann in nur wenigen Tagen nach der Tsunami-Katastrophe in Thailand organisiert. Allein dabei kamen mehr als 16.000 Euro zusammen. Über die Jahre sammelte der Entertainer rund 250.000 Euro für den guten Zweck. Das Geld teilen sich meist zwei Organisationen, die Hälfte soll in der Region bleiben. In diesem Jahr gehen die Spenden an die Herman-van-Veen-Stiftung, die behinderten und benachteiligten Kindern hilft, und den Förderverein für krebskranke Kinder Köln, der an dem Abend auch Veranstalter ist.

Timmermanns Rückzug bedeutet aber nicht, dass es in Kevelaer nie wieder eine Weihnachtsgala geben wird. „Die Veranstaltung ist zu einer festen Einrichtung der Stadt geworden, es wäre schön, wenn sich dafür ein Nachfolger findet“, sagt Timmermann. „Ich hätte da auch schon eine super Idee: Tom Löwenthal hätte mit dem Theaterchor das Zeug, eine Weihnachtsgala mit einem ganz neuen Konzept auf die Beine zu stellen.“ Dafür, sagt Timmermann, müsse er aber noch ein wenig Überzeugungsarbeit leisten.

Ganz abgesehen von dem Sturz gibt es aber natürlich auch andere Momente aus den vielen Jahren Weihnachtsgala, die Karl Timmermann in Erinnerung bleiben. Das sei vor allem die Zusammenarbeit mit seinen Schulkindern, sagt der pensionierte Lehrer. „Da waren viele Kinder dabei, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen“, sagt Timmermann. „Die haben dort zum ersten Mal in ihrem Leben Applaus bekommen. Das war auch für mich immer etwas Besonderes.“

Ganz zur Ruhe setzen will sich der Musiker auch ohne Weihnachtsgala nicht. Er will die Zeit nutzen, um an einem Musical zu arbeiten, das sein verstorbener Freund Jürgen Rust angestoßen hatte. „Das brennt mir nun unter den Nägeln. Es ist so etwas wie mein Lebenswerk“, sagt der 66-Jährige.

Das Musical erzählt die Geschichte von zwei Gauklern aus dem Mittelalter, die von Schweden nach Bethlehem ziehen, viele verschiedene Menschen und Religionen kennenlernen. Die ersten Tonaufnahmen seien schon eingespielt, Termine für Aufführungen gebe es aber noch nicht. „Dafür will ich mir Zeit lassen, bis es wirklich fertig ist“, sagt Timmermann. Das tragende Lied des Musicals „Frieden ist ein Lächeln“ feiert allerdings schon bald Premiere: Es wird erstmals am Freitagabend bei der letzten Weihnachtsgala mit Timmermann im Bühnenhaus zu hören sein.

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