Weeze: Thema Konversion in Weeze erledigt

Weeze: Thema Konversion in Weeze erledigt

Aus dem Militärflugplatz wurde ein ziviler Airport, an die Stelle der Hochhäuser, in denen Soldaten lebten, traten ländliche Wohngebiete. Die Gemeinde nutzt eine Pensionierung, um den Fachbereich Konversion aufzugeben.

Noch steht auf dem Wegweiser durchs Weezer Rathaus auch das Stichwort "Konversion" — die Mammutaufgabe wurde in den 90er Jahren mit einem eignen Fachbereich bedacht. Weil die Umwandlung des Militärflughafens zu einem zivilen Airport jedoch längst Realität ist und die Betonklötze, in denen einst britische Soldatenfamilien lebten, aus dem Ortsbild verschwunden sind, heißt das Thema jetzt nur noch "Flughafen". Bearbeitet wird es künftig von Johannes Peters, dem neuen allgemeinen Vertreter des Bürgermeister, zum anderen von Wilhelm Moll-Tönnesen, dem Fachbereichsleiter Planung. Im RP-Gespräch erinnert Heinz-Günter Schmidt-Herzog, scheidender Fachbereichsleiter Konversion, an seinem letzten Arbeitstag vor dem Ruhestand an die Umwandlung von "Laarbruch".

Der Flughafen in Weeze damals und heute: Während heute die Passagierflieger in die Urlaubsregionen und großen Städte in Europa fliegen (unten), starteten in "Laarbruch" nur Militär-Maschinen. Foto: privat/dpa

"Als ich 1985 nach Weeze kam, war die Schließung des Militärflughafens noch kein Thema. Das Gelände war damals Gebiet, für das die Gemeinde nicht zuständig war", erklärt Schmidt-Herzog. Der aus dem Westerwald stammende Verwaltungsfachmann, der in Weeze zunächst fürs Bauen zuständig war, hatte bis dahin mit Flughäfen nichts zu tun gehabt. "Ab Anfang der 90er Jahre wurden im ganzen Land Liegenschaften der Alliierten aufgegeben; wir ahnten, dass dies auch auf Weeze zukommen würde." Verkündet wurde der Beschluss 1994 — bis 1999 blieb Zeit, Ideen für ein Weeze ohne 6000 Soldaten und deren Angehörigen zu entwickeln.

Foto: privat
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In Erwartung des Abzugs war die Flughafen Niederrhein GmbH bereits 1993 gegründet worden. Ziel des Masterplans, der entwickelt wurde, war, einen zivilen Flugplatz mit möglichst vielen neuen Arbeitsplätzen zu schaffen. "Und die Hochhäuser mit den überzählig gewordenen Wohnungen sollten abgerissen werden, um Platz für nachgefragte Einfamilienhäuser zu machen." 4000 Briten hatten im Ort gelebt und fehlten jetzt als Zahler von Steuern und Abgaben, als Kunden, Schüler, Freunde. Die Wohnungen in den großen Komplexen hatten unzählige Eigentümer. "Es war ein Riesenunterfangen, sie den Besitzern abzukaufen, um sie abreißen zu können." Vereinzelt kam es sogar zu Enteignungen — eine ereignisreiche Zeit. Der Gutachterausschuss des Kreises hatte den Wert der Immobilien ermittelt. 22,6 Millionen Euro mussten aufgebracht werden, den Großteil übernahm das Land, 2,1 Millionen Euro blieben für Weeze. "Die Umstrukturierung des Gebiets Magdeburger Straße war für den Strukturwandel des Ortes ganz wesentlich", weiß Schmidt-Herzog.

Während sich der vorrangig privatwirtschaftlich betriebene Flughafen (nicht zuletzt dank Ryanair) heute sehen lassen kann, sieht der scheidende Fachbereichsleiter beim Thema "Euregionales Zentrum" noch viel unerledigte Arbeit. 16 Hektar mit sechs von der Gemeinde entwickelten Bebauungsplangebieten bieten noch viel Raum für Entwicklung. Mit Blick auf das bereits etwas vergilbte Papier an der Wand seines Büros meint Schmidt-Herzog: "Der Masterplan müsste bald mal erneuert werden."

(RP)