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Tanztheater im Kevelaerer Museum

Kultur in Kevelaer : Tänzerisch durchs Märchen

Am Sonntag wurde im Museum Kevelaer das japanische Volksmärchen „Momotaro, der Pfirsichjunge“ von dem heimischen Tanztheater „Die Bühnengestalten“ aufgeführt.

Elf junge Schauspieler im Alter von sechs bis zwölf Jahren tanzen lebhaft zu japanischer Volksmusik. Ein Theater der etwas anderen Art wurde am Sonntag im Niederrheinischen Museum für Volkskunde und Kulturgeschichte in Kevelaer aufgeführt. Doch was ist das Besondere an diesem Märchen?

Die Leiterin des Tanztheaters, Marita Billaudelle, erklärt, dass sich besonders in der Vorbereitung vieles anders abgespielt hat, als man erwarten würden. Anstatt eines festgesetzten Regieplans durften die Kinder ihre eigenen Ideen in die Geschichte einbringen. So haben sie eine individuelle Version des Stückes produziert. „Es ist wichtig, dass die Kinder kein vorgefertigtes Stück erhalten, sondern eigene Elemente erschaffen“, betont die Leiterin des Theaterstückes. Besonders am Herzen liegt ihr, dass die Kinder gleichwertig miteinbezogen werden und so ein frei entwickeltes Stück entsteht.

Inhalt des Stückes ist ein altes traditionelles japanisches Märchen. Jedes Kind in Japan kennt die Geschichte. „Es lässt sich zum Beispiel mit den Märchen von den Gebrüdern Grimm vergleichen, eine Geschichte, die immer fortläuft.“ „Momotaro, der Pfirsichjunge“ wurde über Jahrhunderte mündlich überliefert und ist durch die vielen verschiedenen Weitererzählungen in zahlreichen Varianten entstanden.

Die Mitglieder des Tanztheaters haben in ihrer eigenen Version auch das Publikum miteinbezogen. In dem etwa 45-minütigen Bühnenstück tanzten die Schauspieler freudig um die Reihen des Publikums oder stellten sich überraschend dazwischen.

Der Wechsel aus kreativem Tanz und Sprache lieferte den Zuschauern eine erlebnisreiche Abwechslung. Die Besucher wurden unter anderem dazu aufgefordert, sich hinzustellen, denn einige Szenen wurden in der Mitte auf einem Teppichboden aufgeführt. Besonders auffällig war die schöne bildliche Sprache der Erzähler.

Die Geschichte handelt von einem Bauernpaar, das dazu verdammt ist, keine Kinder bekommen zu können. Eines Tages entdeckt die schon gealterte Frau während des Wäschewaschens am Fluss, dass ihr ein riesiger roter Pfirsich entgegenschwimmt. Aus dem Pfirsich schlüpft ein Säugling – Momotaro, der Pfirsichjunge. Als dem jungen Momotaro von einer Wahrsagerin eine Zukunft als einflussreicher Mann versprochen wird, entscheidet er sich, seine Eltern und deren Existenz zum Besseren zu wenden.

In einem Traum erlebt er eine Reise zu der Insel der Oni – eine Art Ungeheuer, die zahlreiche Schätze bewachen. Siegreich kehrt er von seiner Mission zurück.

Er macht diese Vision zur wahren Geschichte und zieht zusammen mit einem Affen, einem Hund und einem Fasan in den Kampf gegen die bösen Oni. Er besiegt die Ungeheuer und tritt so sein prophezeites Schicksal als einflussreicher Mann des Dorfes an.

Jedes Kind hatte im Laufe des Stückes nicht eine, sondern gleich vier bis sechs verschiedene Rollen. So kam es vor, dass beispielweise ein Kind die Erzählerin, ein Ungeheuer, eine Reisbauerin, eine Köchin und eine Wahrsagerin spielte. Zwar waren die einzelnen Rollen relativ klein, aber trotzdem anspruchsvoll. Erzählt wurde nicht von einer Person, sondern die Kinder wechselten sich mit dem Erzählen der Geschichte ab. Erkennen konnte man die verschiedenen Rollen an Requisiten wie Eimern, Stöcken und Näh­utensilien.

Nach dem Theaterstück „Momotaro“ gibt es weitere Gelegenheiten für Kinder, bei einem solchen Tanztheater-Kursus mitzumachen. Die Kurse finden in der Museumsschule des Kevelaerer Museum statt.