Sexueller Missbrauch und Kinderpornographie: Anklage gegen Kevelaerer erhoben

Vorwurf des sexuellen Missbrauchs in 53 Fällen : Anklage gegen Sozialpädagogen aus Kevelaer erhoben

Die Staatsanwaltschaft wirft einem 50-jährigen Sozialpädagogen für die Zeit von 1989 bis 2019 insgesamt 53 Fälle von sexuellem Missbrauch von Kindern vor. Hinzu kommt der Besitz von kinderpornographischem Material.

Mehr als 1000 Seiten umfasst die dicke Anklageschrift. Ein Beleg für die große Zahl von Vorwürfen gegen einen 50-Jährigen aus Kevelaer. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm in der Zeit vom 1. Januar 1989 bis zum 11. Juli 2019 in Kevelaer und an anderen Orten insgesamt 53 Fälle von sexuellem Missbrauch von Kindern vor. In 52 Fällen geht es um sexuelle Handlungen an Personen unter 14 Jahren, elf davon wertet die Staatsanwaltschaft als schweren sexuellen Missbrauch. Hinzu kommt der Besitz von kinderpornographischem Material. Bei der Hausdurchsuchung in Kevelaer hatten die Beamten 24 Bilder auf dem Laptop gefunden, zudem befanden sich ein weiteres Foto auf einer Festplatte und zwei Bilder auf der Speicherkarte eine Fotokamera. Bei dem Material handelt es sich nicht um Videos, so Andreas Lembke, Sprecher des Landgerichts Kleve.

Wie mehrfach berichtet, hatte sich der Sozialpädagoge selbst angezeigt und sitzt seit dem 25. Juli 2019 in Untersuchungshaft. Er hatte angegeben, sich an einem Jungen aus seiner Verwandtschaft vergangen zu haben. Diese Taten bilden auch den Großteil der Vorwürfe in der Anklageschrift. Insgesamt 42 mal soll er den Jungen sexuell missbraucht haben. Er soll ihn unsittlich berührt, sich in vielen Fällen aber auch am Kind vergangen haben. Zweimal geschah der Missbrauch auch im Urlaub. Die Taten sollen sich zwischen 1998 und 2002 ereignet haben, so der Vorwurf.

Die weiteren Fälle beziehen sich vor allem auf Ferienfreizeiten und Schulprojekte, die der Angeklagte mit organisiert hatte. Es ging unter anderem um Abenteuer-Fahrradtouren. Während der Freizeiten und der pädagogischen Projekte soll sich der Kevelaerer immer wieder an Kindern zwischen neun und 13 Jahren vergangen haben. In diesen Fällen, so die Anklage, fanden die sexuellen Handlungen statt, während die Kinder schliefen oder der 50-Jährige dachte, dass sie schlafen. Wenn die Kinder erwachten, habe er von ihnen abgelassen, heißt es.

Der Fall ist spektakulär und sorgt rund um Kevelaer für so viel Aufsehen, weil der Mann über viele Jahre in Kinderprojekten tätig war. Er realisierte auch Filme, in denen es um Kinder und Schule ging. Teilweise waren die Projekte gefördert worden. Viele waren schockiert, als sie von den Vorwürfen erfuhren. Für die umfangreichen Ermittlungen waren Eltern befragt und auch die Schulen eingebunden worden.

Bislang geht die Staatsanwaltschaft davon aus, dass es sich um einen Einzeltäter handle. Der Angeklagte habe mit dem Bildmaterial nicht gehandelt, auch gebe es keinerlei Hinweise auf Verbindungen etwa zum Täterkreis aus Bergisch Gladbach. Ob auf den kinderpornografischen Bildern, die sichergestellt wurden, auch Kinder zu sehen sind, die der Angeklagte missbraucht haben soll, dazu wurde keine Angabe gemacht.

Wann der Prozess eröffnet wird, ist noch offen. Die Anklageschrift ist dem Angeklagten und seinem Verteidiger jetzt zugegangen. Sie haben drei Wochen Zeit für eine Stellungnahme. Bei einer Verurteilung muss der Sozialpädagoge mit einer mehrjährigen Haftstrafe rechnen, 15 Jahre maximal drohen ihm. Eine hohe Strafe scheint angesichts der großen Zahl an Vorwürfen durchaus denkbar. Dass der Angeklagte so lange in Untersuchungshaft sitzt, sei nichts Ungewöhnliches, so der Sprecher des Gerichts. Ein Antrag auf Haftprüfung war abgelehnt worden wegen der Schwere der Vorwürfe und der Wiederholungsgefahr, so hatte es damals der Staatsanwalt begründet.