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Schwimmende Solaranlage in Weeze soll Wasserstoff erzeugen

Schwimmende Anlage in Weeze und Kevelaer : Mit Solarstrom Wasserstoff erzeugen

Es ist ein ehrgeiziges Projekt in Kevelaer und Weeze: In einem Kieswerk soll auf einer riesigen schwimmenden Solaranlage Strom erzeugt werden, der zu Wasserstoff umgewandelt wird. Man könne zum „Wasserstoff-Herz der Region“ werden.

Der Kreis Kleve und hier vor allem die Gemeinde Weeze scheinen sich immer mehr zu Klimaschutz-Musterschülern der Region zu entwickeln. Am Flughafen steht bereits eine der größten Solaranlagen landesweit, auf einem Kiessee in Vorsealer schwimmt eine riesige Photovoltaikanlage und jetzt soll ein neues Projekt auch den Wasserstoff entscheidend vorantreiben.

Im Mittelpunkt steht dabei erneut eine schwimmende Solaranlage. Die soll diesmal auf dem See in Hüdderath installiert werden, der sich über 90 Hektar erstreckt. Etwa fünf Hektar der Wasserfläche sollen einmal die Solarmodule bedecken. Die Megaanlage wird mehr als sechsmal so leistungsfähig sein, wie das schwimmende Solarkraftwerk, das es bereits in Vorselaer gibt. Später sollen dort fünf Millionen Kilowattstunden erzeugt werden, das könnte theoretisch den Energiebedarf von 1000 Haushalten decken.

 So sieht das Konzept des Projekts in Kevelaer und Weeze aus.
So sieht das Konzept des Projekts in Kevelaer und Weeze aus. Foto: Mediamix

Doch das Projekt in Weeze und Kevelaer geht über die reine Stromerzeugung hinaus. Die grün erzeugte Energie soll nämlich nur zum Teil für den Betrieb des Kieswerks genutzt werden, der andere Teil soll mittels Elektrolyse zu Wasserstoff umgewandelt und dann gespeichert werden.

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Dieser Energieträger steht weiteren Unternehmen zur Verfügung. Zu den Abnehmern gehören Projektpartner Wystrach und andere Firmen wie beispielsweise Chefs Culinar. Die technische Umsetzung des Projekts wird von Omexom Smart Technologies unterstützt.

Vision der Zukunft ist, dass sogar eine Wasserstofftankstelle entsteht, an der dann später Wasserstoff-Autos den innovativen Kraftstoff tanken können.

Noch ist das Zukunftsmusik, denn das ehrgeizige Projekt, das sich „Wasserstoffimpuls Niederrhein“ nennt, steht noch ganz am Anfang. Bei WIN, wie das Projekt kurz und knackig heißt, wollen die drei niederrheinischen Unternehmen Teunesen Group, Omexom Smart Technologies und Wystrach gemeinsam grünen Wasserstoff erzeugen und vermarkten.

Weeze sei früher das Schreiner-Herz der Region gewesen, sagte Wystrach-Geschäftsführer Wolfgang Wolter. „Wir könnten jetzt das Wasserstoff-Herz werden“, sagte er. Auch die Nähe zur Niederlande sei ein wichtiger Baustein bei dem Vorhaben.

„Wir wollen mit dem Projekt einen Beitrag zur CO2-Reduzierung und damit zum Klimaschutz leisten“, betont Twan Teunesen vom Kiesunternehmen Teunesen. „Wir freuen uns, dass sich drei regional ansässige Unternehmen zusammentun, um gemeinsam ein innovatives und zukunftsweisendes Pilotprojekt zu entwickeln“, so Hans-Josef Kuypers, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Kreis Kleve.

Die Investitionssumme beläuft sich auf etwa elf Millionen Euro. Man hofft darauf, dass das Projekt gefördert wird. „Aufgrund des Pilotcharakters des Projekts haben wir entsprechende Fördermittel beantragt“, berichtet Jürgen Tarter von Teunesen. Da EU, Bund und Land solche zukunftsweisenden Projekte unterstützen, gibt es verschiedene Fördertöpfe.

Gebaut werden soll die riesige schwimmende Solaranlage auf dem Baggersee in Hüdderath, der auf den Gebieten der Kommunen Kevelaer und Weeze liegt. Wo sie später genau installiert wird, ist noch offen. Eine schwimmende Photovoltaikanlage hat den Vorteil, dass sie keine landwirtschaftlichen Flächen belegt. Zudem werden die Solarmodule und die Elektroinstallationen auf natürliche Weise gekühlt, wodurch sie leistungsfähiger werden.

Teunesen stellte auch klar, dass die schwimmende Anlage kein Hindernis darstelle, um den See später vielleicht einmal touristisch zu nutzen.

Der innovative Charakter des Projekts liegt darin, dass Photovoltaik, Elektrolyse und Speicherung auf eine neue Art und Weise zusammengeschaltet werden. Sonst gibt es oft das Problem, dass Strom zwar grün erzeugt, aber nicht gespeichert werden kann.

Da das Projekt auch Forschungspotenzial berge, streben die Projektpartner eine wissenschaftliche Begleitung an. Das Zentrum für Brennstoffzellen-Technik (ZBT) in Duisburg ist bereits im Boot und die Hochschule Osnabrück hat Interesse bekundet. Zudem laufen auch Gespräche mit der Hochschule Rhein-Waal.

Zurzeit wird der Genehmigungsantrag vorbereitet. Der soll im kommenden Jahr eingereicht werden. Läuft alles glatt, könnte 2023 die Genehmigung vorliegen und mit dem Bau der Anlage begonnen werden.

Bei der Vorstellung des Wasserstoff-Projekts zeigten sich auch die Bürgermeister der beteiligten Kommunen angetan. Er sei stolz darauf, so innovative Unternehmen vor Ort zu haben, sagte Weezes Verwaltungs-Chef Georg Koenen. Sein Amtskollege aus Kevelaer ergänzte: „Es ist schön zu sehen, dass auch von der Wirtschaft Impulse in Richtung Klimaschutz ausgehen. Das zeigt, dass das nicht nur ein Thema für die Grünen ist“, sagte Dominik Pichler.

Kreis-Wirtschaftsförderer Kuypers freut es, dass hier verschiedene Unternehmen ihre Köpfe zusammengesteckt haben. Zusammen sei es auch leichter, an Fördermittel zu kommen. Ganz optimistisch rechnet er mit bis zu 1000 Arbeitsplätzen, die in Folge des Projektes in der Region entstehen könnten. Wie sehr die Wasserstoffbranche bereits boomt, zeigt die Tatsache, dass allein bei Wytrach aktuell 36 Stellen offen wären.

Für Kuypers hat das Projekt auch noch einen weiteren Effekt. Wenn man sehe, was mit schwimmenden Solaranlagen auf Baggerseen möglich ist, mache das vielleicht auch die politische Diskussion um Auskiesungen einfacher. Denn mit solchen Projekten zeige man, was mit den Flächen nach dem Abrücken der Bagger passieren könne.