1. NRW
  2. Städte
  3. Kevelaer

Schutz gegen den Wolf wird zu 100 Prozent gefördert

Natur in Weeze : 100 Prozent für den Wolfsschutz

Die Schafhalter haben es lange gefordert, jetzt ist es offiziell. Die Züchter bekommen ihre Zäune komplett gefördert. Auch wenn es um den Wolf ruhig ist, sind Experten sicher, dass er weiter in der Region ist.

Gute Nachricht für die Tierhalter in der Region. Von der EU gab es jetzt das Okay für die neue Förderrichtlinie zum Herdenschutz. Kernpunkt ist, dass Kosten für Zäune oder andere Sicherungsanlagen gegen den Wolf künftig zu 100 Prozent übernommen werden. Bislang gab es nur 80 Prozent, das hatten viele kritisiert. Die 100 Prozent bekommen damit auch alle Schafhalter im Kreis Kleve. Zwar liegt nur ein Teil im echten Wolfsgebiet, der Rest gehört aber zur so genannten Pufferzone, in dem auch die Förderrichtlinie gilt.

Offen ist derzeit noch, wie mit Anträgen umgegangen wird, die bereits im vergangenen Jahr gestellt wurden. Eigentlich dürften die Züchter nur 80 Prozent bekommen. Doch laut Aussage eines Sprechers des NRW-Umweltministeriums arbeite man an einer Lösung, dass auch diese Betroffenen eine Komplettförderung bekommen, aus Gründen der Gleichbehandlung.

In der breiten Öffentlichkeit ist es um das Thema zuletzt etwas ruhiger geworden. Denn es gab keine Meldungen über Risse von Schafen mehr. Mancher vermutet daher auch schon, dass die Wölfin, die im Raum Schermbeck/Hünxe nachgewiesen wurde, inzwischen weitergezogen ist. Im zuständigen Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv) Nordrhein-Westfalen ist man dagegen sicher, dass sich die Wölfin noch in dem Gebiet aufhält. „Wir bekommen regelmäßg Hinweise auf Sichtungen, und wenn die aus einem Gebiet kommen, in dem eine Wölfin nachgewiesen ist, haben die natürlich auch eine besondere Wertigkeit für uns“, so Lanuv-Sprecher Wilhelm Deitermann. Es gebe ausreichend Indizien dafür, dass sich das Tier noch in dem Bereich aufhält.

Die Behörde sehe die aktuelle Entwicklung positiv. Sie zeige einmal, dass der Herdenschutz effektiv sei und wirke. Zudem finde das Tier offenbar in der Natur genug Wild, um so seinen Hunger zu stillen.

Der Jägerin Sabine Baschke gelang vor einiger Zeit dieses Foto der Wölfin im Wald. Foto: dpa/Sabine Baschke

Man wolle jetzt die weitere Entwicklung abwarten. Vor allem, weil jetzt mit dem Frühjahr auch erst die Zeit kommt, wo die Züchter ihre Lämmer und Schafe wieder verstärkt nach draußen auf die Wiese bringen.

Das Aktionsbündnis Forum Natur (AFN) befürchtet allerdings, dass die Konflikte zunehmen werden. In Deutschland würden inzwischen rund 1000 Wölfe leben, mit einer Verdoppelung der Bestände sei zu rechnen. Um darauf zu reagieren, haben sie ein Managementkonzept für den Wolf erarbeiten lassen und fordern ein „aktives Eingreifen“ in die Wolfsbestände. Max von Elverfeldt aus Weeze-Kalbeck ist gerade zum neuen AFN-Vorsitzenden gewählt. Und er hat eine klare Meinung zu dem Thema. „Ein Wildtiermanagement des Wolfes bei notwendigen Entnahmen wird nur gelingen, wenn die Entnahme durch den jeweiligen Jagdausübungsberechtigten erfolgt“, sagt er. Konkret bedeutet das, dass die Tötung von so genannten Problemwölfen durch Fachleute, also Jäger, erfolgen müsse.

 Die AFN-Verbände regen ein aktives Bestandsmanagement nach dem Vorbild der skandinavischen Schutzjagd an. Basis ist die Einteilung der Gebiete in verschiedene Zonen. Im Konzeptpapier des AFN gibt es drei Kategorien. Erste Kategorie ist das Wolfsschutzareal. Hier kann sich der Wolf unbeeinflusst entwickeln – etwa in großen Waldgebieten oder auf Truppenübungsplätzen. In Wolfsmanagementarealen soll das Tier grundsätzlich toleriert sein, seine Bestände aber auf Basis der individuellen Akzeptanzgrenzen in den Ländern reduziert werden. Eine solche Zone wäre auch der Kreis Kleve. Hier würde das bedeuten, dass Problemwölfe dann auch entnommen, eben getötet werden könnten. Problemwölfe sind solche Tiere, die trotz Schutzeinrichtungen immer wieder Schafe reißen. Bei der dritten Kategorie geht es um wolfsfreie Zonen. Hier sollen Wölfe gar nicht toleriert werden. Solche Gebiete sind dicht besiedelte Städte oder Räume mit Weidetierhaltung mit großem Konfliktpotenzial.