Kevelaer: "Schelm Gottes" und gute Seele Kevelaers

Kevelaer: "Schelm Gottes" und gute Seele Kevelaers

Vor 160 Jahren wurde die Brudergemeinschaft der Canisianer in der Marienstadt gegründet. Die wenigen Brüder, die im Priesterhaus leben, sind ehrenamtlich als Helfer in der Kirchengemeinde tätig – obwohl sie nicht mehr die Jüngsten sind.

Vor 160 Jahren wurde die Brudergemeinschaft der Canisianer in der Marienstadt gegründet. Die wenigen Brüder, die im Priesterhaus leben, sind ehrenamtlich als Helfer in der Kirchengemeinde tätig — obwohl sie nicht mehr die Jüngsten sind.

Seine Mitbrüder der Canisianer haben ihm den Namen "Schelm Gottes" gegeben: Bruder Klaus Pittermann, Jahrgang 1937, mag in seinem Alter nicht mehr der Agilste sein, den Schalk trägt er aber immer im Nacken. Bruder Klaus ist aus dem Leben der Kirchengemeinde Sankt Marien und damit auch aus der Stadt Kevelaer nicht wegzudenken. Und trägt damit als einer von drei verbliebenen Brüdern die Tradition der Canisianer-Bruderschaft weiter, die vor 160 Jahren in Kevelaer gegründet wurde.

Seit 1956 ist Bruder Klaus ein Teil der Canisius-Brüder und seither mit der Stadt Kevelaer verbunden. Gebürtig aus Sachsen-Anhalt, blieb der damals 19-Jährige nach seinem Besuch des Katholikentages in Köln in der Bundesrepublik und trat am 5. September 1956 in die Bruderschaft der Canisianer ein. Genau drei Jahrzehnte lang, bis 2002, war er als Sakristan in Sankt Marien tätig. Mit seinen Ordensbrüdern hat er nicht nur in dieser Funktion die Wallfahrt in Kevelaer unterstützt. "Nicht nur für die Geistlichen und Gottesdienstbesucher — für die Pilger und überhaupt alle in Kevelaer sind wir natürlich auch außerhalb der Messen immer da gewesen", ergänzt Bruder Klaus.

Damit verfolgen die Canisianer noch immer die Idee, die der Gründung ihrer Bruderschaft 1854 in Kevelaer zugrunde lag. Damals rief Bischof Johann Bernhard Brinkmann die "Weltpriester-Congregation zu Cevelaer" ins Leben. "Es sollte das Priesterhaus in Kevelaer als Oratorium wiederbelebt werden, und die Brüdergemeinschaft hatte damit den Auftrag, sich vor allem für notleidende Jugendliche einzusetzen", erklärt Bruder Helmut Zech mit Blick in die Chronik. Von Beginn an sind die Canisianer immer ein Orden von Laien gewesen, was allerdings die Aufnahme von Priestern in die Gemeinschaft nicht ausschließt. 1951 stattete Bischof Michael Keller die Canisianer mit erweiterten Rechten aus. Sie durften von nun an einen eigenen Generaloberen bestimmen. Zuvor waren sie stets örtlichen Pfarrern oder einem Weihbischof unterstellt.

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Die Eigenständigkeit tat dem Auftrag, den Menschen Gutes zu tun, keinen Abbruch. Die Brüder in Kevelaer und andernorts hatten stets die christliche Nächstenliebe im Sinn. Neben der Betreuung von Pilgern in Kevelaer haben die Canisianer ein Entwicklungshilfe-Projekt in Mexiko auf die Beine gestellt, Wohnheime für Pflegebedürftige und Menschen mit Behinderung betreut und engagieren sich damals wie heute in Armenküchen und der Obdachlosenhilfe.

Bruder Klaus widmet sich seit seiner Entlassung aus dem Dienst als Sakristan der Betreuung von alten Menschen, auch wenn er selbst nicht mehr der Jüngste ist. Die Begegnungen mit den Menschen geben ihm Kraft. "Es ist schön, wenn man sieht, dass man gebraucht wird", sagt Bruder Klaus, der immer wieder von einem "Geschenk" spricht, wenn er von seiner Arbeit spricht.

Kaum anders geht es Bruder Thomas Bischop, der unter anderem die Kollekten der Pfarrgemeinde abrechnet, oder Bruder Werner Bölsterling, der sich mit Vorliebe für Pflegebedürftige in den Heimen und in der Arbeit bei der Caritas engagiert. Wie lange die Canisianer noch in Kevelaer aktiv sein können, steht in den Sternen. Bruder Helmut Zech rechnet vor: "Wir sind rund 36 Leute, über mehrere Konvente in den Bistümern Münster und Hildesheim verteilt. Das Durchschnittsalter unserer Gemeinschaft beträgt etwa 61 Jahre. Und nicht jeden Tag steht ein weiterer Novize vor der Tür." Aber es gebe Gemeinschaften, die größere Nachwuchsprobleme hätten, versichern die Brüder.

Ohnehin sind die Brüder rastlos. Sei es, um für Hilfebedürftige einzukaufen oder die Entwicklungshilfe in Mexiko auf neue, jüngere Beine zu stellen.

(buer)
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