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Schäfer vom Niederrhein kritisieren Entscheidung zum Wolf

Tier darf nicht getötet werden : Schäfer sind enttäuscht: Wolf darf nicht getötet werden

Das Tier am Niederrhein darf nicht abgeschossen werden. Halter fordern, dass es zumindest mit einem Sender ausgerüstet wird. Jetzt gibt es Hinweise darauf, dass sogar ein zweiter Wolf am Niederrhein unterwegs ist.

Die Enttäuschung von Hans-Josef Geurtz aus Weeze ist deutlich zu hören. „Wir hatten da was anderes erwartet“, kommentiert er die Entscheidung des Kreises Wesel und des Umweltministeriums, keine Entnahme der Wölfin am Niederrhein zu genehmigen. Das wäre quasi die Erlaubnis gewesen, das Tier abzuschießen. „Wir haben natürlich gewusst, dass das Land nicht Hurra schreien wird bei dem Antrag. Aber dass jetzt gar nichts passiert, finden wir nicht gut“, kritisiert der Vorsitzende der Schafzüchter und -halter im Kreis Kleve.

Wie berichtet, hatte Schäfer Kurt Opriel erst einen Antrag auf Vergrämung (Vertreibung) und dann auf Entnahme gestellt. Bei ihm waren immer wieder Schafe gerissen worden, obwohl seine Schutzzäune 1,20 Meter hoch waren, wie es das Land verlangt. Die Anträge sind aber abgelehnt worden.

Geurtz ist enttäuscht, dass noch nicht einmal der Antrag auf „Besenderung“ durchgegangen ist. In diesem Fall hätte die Wölfin einen Sender bekommen. So wüsste man immer genau, wo sich das Tier gerade aufhält. Dieses Verfahren gab es beispielsweise bei einer Wölfin, die 2017 durch die Region zog. So konnte man genau nachvollziehen, dass das Tier in Emmerich über die Rheinbrücke lief, dann bei Weeze über die Autobahn und Richtung Niederlande weiterzog.

Die Schäfer fühlen sich auch von der Ministerin alleine gelassen. Die habe bei einem Forum versichert, dass man aktiv werden würde, wenn die Wölfin noch einmal einen Zaun von 1,20 Meter Höhe überwindet. Danach habe die Wölfin diese Höhe gleich mehrfach übersprungen, passiert sei nichts.

Es gebe die unterschwellige Aufforderung, die Schafe nachts in den Stall zu bringen. Darüber können die Schäfer nur den Kopf schütteln: „Schafhaltung findet draußen statt. Wie will man Tausende Schafe in den Stall bringen. Man kann doch nicht jede paar Kilometer einen Riesenstall hinsetzen“, heißt es.

Kritik kommt auch aus der Landwirtschaft. Der Rheinische Landwirtschafts-Verband (RLV) betrachte die Situation am Niederrhein mit großer Sorge, heißt es in einer Pressemitteilung. Seit im Oktober 2018 das erste Wolfsgebiet in NRW ausgewiesen wurde, sei es immer wieder zu Nutztierrissen durch die zugewanderte Wölfin gekommen. Bei einigen Schafhaltern sogar wiederholt. Mitte November habe das Land angekündigt, das Wolfsmonitoring in der Region zu intensivieren. Vorausgegangen war ein Riss auf einer Weide, die nach erster Einschätzung auch des Ministeriums mit einem empfohlenen Herdenschutz gesichert war. „Mit der Entscheidung, dem Entnahmeantrag eines Tierhalters nicht stattzugeben, stellt sich für uns – auch im Lichte des kürzlich geänderten Bundesnaturschutzgesetzes, dem Bundestag und Bundesrat ausdrücklich zugestimmt haben – die Frage, unter welchen Bedingungen eine Entnahme überhaupt möglich sein soll“, so der RLV. Den leidgeprüften Tierhaltern vor Ort sei jedenfalls zu wünschen, dass sie möglichst bald wieder ohne Angst und Einschränkungen ihre Tiere halten können.

Peter Schütz, Sprecher des Umweltministeriums, weist darauf hin, dass Schäfer Kurt Opriel innerhalb von 14 Tagen den Bescheid zur Ablehnung von Entnahme und Vergrämung bekommt. Danach habe der Schäfer die Möglichkeit, dagegen zu klagen. Schütz weist darauf hin, dass der Bescheid nur eine Moment­aufnahme sei. „Wenn sich etwas an der Situation verändert, kann es sein, dass wir in einem Jahr anders entscheiden.“ Wölfe seien lernfähig, daher müsse die Lage ständig neu bewertet werden.