Weeze: Roboter-Schlange sucht Verschüttete

Weeze: Roboter-Schlange sucht Verschüttete

Bei einer einwöchigen Übung zum EU-Projekt "Inachus" probierten Rettungsteams moderne Technik für den Katastrophenfall aus. Gestern stand der Praxistest auf dem Gelände der Training Base in Weeze an.

Früher war alles einfacher: Da gab es den griechischen Gott Inachus, der Städte vor Angriffen und Katastrophen schützen sollte. Da heute kaum noch jemand mit der Hilfe von griechischen Göttern rechnet, sind Rettungsteams im Einsatz, die im Ernstfall ausrücken. Doch so ganz ist die Zeit von Inachus nicht vorbei. Der Gott leiht nämlich einem EU-Programm den Namen, in dem Experten aus neun Nationen technische Hilfsmittel für den Ernstfall entwickeln. Auf der Training Base in Weeze stand jetzt der Test im Außeneinsatz an.

Sensoren auf dem Geröll liefern Daten, mit denen es möglich wird, Klopfgeräusche zu orten. Foto: Evers Gottfried

Bei der EU-Übung gab es zunächst vier Tage lang Vorbereitungen am Computer und im Schulungsraum. Gestern ging es dann raus an den "Einsatzort". Dazu waren verschiedene Katastrophenhelfer nach Weeze gekommen, um die technischen Wunderwerke live auf der Anlage auszutesten.

In der Geröll- und Ruinenlandschaft der Trainings Base war es die Aufgabe, verschüttete Personen aufzuspüren. Statt Spürhunden kam hier die Roboterschlange zum Einsatz. Das kleine, kaum 20 Zentimer große High-Tech-Gerät lässt die Experten schwärmen. Denn der "Snake Robot" liefert nicht nur Bilder per Kamera und ist mit einem Radar ausgestattet, er besitzt auch eine "chemischen Nase". "Damit ist es ihm möglich, beispielsweise Blut zu riechen und dadurch verschüttete Menschen aufzuspüren", erläutert Professor Norman Kerle von der Universität Twente, der beim Projekt mitarbeitet.

Der Roboter ist auch ein gutes Beispiel dafür, wie sich die Technik im Laufe des Projekts weiterentwickelt. "Vor einigen Jahren war das Gerät noch so groß wie ein Hund", berichtet Werner Overdijk von der Firma Crisis Plan, die zu den Partnern des EU-Projekts gehört. Dank der Forschung ist der "Hund" zu einer Schlange geschrumpft und kann jetzt durch Öffnungen in eingestürzten Gebäuden schlüpfen und so auf die Suche nach Verschütteten gehen.

"Der Ansatz beim Projekt ist, im Katastrophenfall schnell Daten zu liefern, wo genau der Einsatzort ist, ob es Verschüttete gibt und wie die Helfer dort am besten hinkommen." Die groben Satellitenbilder werden mit Hilfe von Drohnenaufnahmen ergänzt, um detaillierte Informationen über den Einsatzort zu bekommen. Weitere Hilfe gibt es vom PC, in dem Computer-Modelle simulieren, wie ein Gebäude im Katastrophenfall in sich zusammenfällt. "So sehen die Helfer: Wo kann ich noch rein, was passiert, wenn wir eine Säule wegnehmen", erläutert Kerle.

Das Übungsgelände in Weeze haben die Experten auch mit 15 feinen Sensoren ausgerüstet. Die liefern Daten an ein seismisches System. Das ist so fein, dass genau zu orten ist, wenn es irgendwo Klopfgeräusche gibt. Bislang müssten in solchen Fällen immer alle Rettungsarbeiten abgebrochen werden, um in der Stille auf Klopfgeräusche zu achten.

Im November wird es zum "Inachus"-Projekt noch eine Abschlussübung geben. Dann aber nicht in Weeze. Ende des Jahres ist das vierjährige Projekt mit einem Volumen von zehn Millionen Euro dann abgeschlossen. Die Arbeit der Experten endet. Verschiedene Firmen werden daran arbeiten, die Komponenten zur Marktreife zu bringen. Wann der Schlangenroboter zum ersten Ernstfall ausrücken wird, ist noch völlig offen. Doch die Einsatzbereiche wachsen, wie Werner Overdijk erläutert. "Gerade im Bereich Terrorabwehr gäbe es eine ganze Reihe von Möglichkeiten für das Gerät."

(zel)