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"Rettet die Binneheide" kritisiert Planungen für Wohnbau an der Niers in Kevelaer

Wohnungen an der Rheinstraße in Kevelaer geplant : „Rettet die Binnenheide“ kritisiert Wohnbauprojekt an der Niers

An der Rheinstraße will ein Investor sechs Gebäude errichten. Dazu müsste der Flächennutzungsplan geändert werden. Die Bürgerinitiative kritisiert das Projekt scharf.

Mit der Mehrheit von CDU und SPD wurde im Stadtentwicklungsausschuss die Änderung des Flächennutzungsplanes an der Rheinstraße angestoßen. Ein Investor möchte auf einer Fläche an der Niers sechs Gebäude mit 82 Wohnungen bauen.

Dagegen gibt es heftigen Protest der Initiative „Rettet die Binnenheide“. Der betroffene Lebensraum sei bisher im Flächennutzungsplan dem Erhalt von Natur und dem Biotopverbund gewidmet, heißt es in der Stellungnahme. „Im Regionalplan ist er Teil des Biotopverbundes und als Natura-2000-Schutzgebiet sogar auf EU-Ebene geschützt. Der Bau der OW1 wird vor allem deshalb von der oberen Naturschutzbehörde als „nicht ausgleichbar“ eingestuft, weil sie diesen wertvollen Biotopverbund gleich zweimal durchschneidet.“ Der Bereich in der Niersaue sei bereits ein Nadelöhr für den Biotopverbund und sollte keinesfalls weiter beeinträchtigt werden. Keine Ausgleichsfläche könnte diesen Verlust ausgleichen. Biotopverbunde seien wichtig für den Artenschutz. „Da dort eigentlich nicht gebaut werden dürfte, wird kurzerhand der Flächennutzungsplan geändert“, kritisiert die Initiative.

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„Dieser Naturschatz, der Biotopverbund entlang von Issumer Fleuth und Niers, wird offenbar von den verantwortlichen Politikern in seiner Bedeutung und seiner sensiblen Schutzwürdigkeit überhaupt nicht angemessen wahrgenommen“, heißt es weiter. Im Regionalplan werde er als landesbedeutsam eingestuft. Die dort formulierten Schutz- und Entwicklungsziele würden mit dieser Planung von der Kommunalpolitik auf „unverantwortliche Weise konterkariert“. Für die Entwicklung von Wohnraum gebe es in Kevelaer alternative bebaubare Freiflächen mit weniger Konfliktpotenzial.

Ganz fragwürdig seien auch die zu erwartenden Konsequenzen für die Verkehrssituation an Rheinstraße und Hoogeweg: 82 Wohneinheiten würden über 100 Pkw und damit eine enorme Zunahme an Zielverkehr bedeuten. Der Verkehrskollaps vor Ort werde von der Politik offenbar in Kauf genommen. Da helfe dann auch keine OW1 mehr, die nur 25 Prozent Entlastung bringt, da 75 Prozent des Verkehrsaufkommens Zielverkehr sei, wie die Verkehrsuntersuchung der Stadt ermittelt hat.

Die Initiative verweist darauf, dass im Jahr 2016 Teile von Kevelaer,  Sonsbeck, Kervenheim und Winnekendonk mit etwa  500 Hektar unter Wasser gestanden hätten, nach 300 Litern Regen pro Quadratmeter  in drei Tagen. „Die Gewässer brauchen Platz für effektiven Hochwasserschutz, da Starkregenereignisse im Zuge der Klimakrise zunehmen werden. Gemäß der EU-Wasserrahmenrichtlinie müssen zusätzliche Überschwemmungsgebiete geschaffen und Flussläufe und Auenbereiche renaturiert werden, nicht zuletzt um auch zusätzliche Flächen für die Regeneration unserer sinkenden Grundwasserspiegel zu schaffen“, so „Rettet die Binnenheide“. Die Niers sei im Bereich Kevelaer noch stark begradigt. Im Sinne eines effektiven Hochwasserschutzes verbiete sich eine ufernahe  Bebauung im Außenbereich, heißt es in der Stellungnahme.

Franz Heckens von der Stadt weist darauf hin, dass man erst ganz am Anfang des Verfahrens stehe. Bei dem Bereich handle es sich auch nicht um eine Niersaue. Sonst gäbe es dort ein komplettes Bauverbot.

(zel)