Weeze: Radler fahren in Weeze bald nach Zahlen

Weeze: Radler fahren in Weeze bald nach Zahlen

Die beliebte Herrensitz-Route ist bald Geschichte. Derzeit werden die Schilder für den Radweg in der Region abgebaut. Die Touren werden auf das Knotenpunktsystem der Niederlande umgestellt, das sich dort bereits bewährt hat.

Es ist irgendwie paradox: Die Herrensitz-Route, die Radler an schmucken Schlössern und Herrenhäusern vorbeiführt, ist bei den Ausflüglern beliebt und gefragt. Trotzdem wird diese Route jetzt abgebaut und soll bald Geschichte sein. Die Internetseite der Route ist bereits abgestellt, in der analogen Welt haben die Kommunen jetzt den Abbau gestartet. "Wir sind zu Gange. Alle Schilder werden abmontiert, bald soll nichts mehr an diese Route erinnern", berichtete Khalid Raschid von der Gemeinde Weeze, die so etwas wie die Federführung bei dem Herrensitz-Projekt übernommen hat.

Foto: Latzel Screenshot

Auch Rashid weiß, dass die Tour bei Radlern sehr beliebt ist. "Aber uns geht es einfach darum, das System zu vereinheitlichen, und mit den Tafeln der Herrensitz-Route gab es in der Vergangenheit schon mal hin und wieder Kuddelmuddel", sagt der Tourismusexperte aus Weeze. Und nichts ist schlimmer auf der Radtour, als wenn plötzlich die Orientierung fehlt.

Während die Herrensitz-Route abgebaut wird, laufen gleichzeitig die Vorbereitungen, die Region auf das Knotenpunkt-System umzustellen. Dieses "Fahren nach Zahlen" stammt aus den Niederlanden und hat dort die Radtouren völlig vereinfacht. Die Radler suchen sich für ihre Tour einfach die entsprechenden Nummern aus, notieren sie auf einem Zettel und fahren die Zahlen nach und nach ab - fertig ist die Radtour. Länge und Route sind dabei völlig individuell und variabel. Viersen hat das Knotenpunktsystem bereits, die Kreise Wesel und Kleve ziehen jetzt nach. Ab Spätsommer sollen dann auch hier in der Region Touren über die Grenze anhand der Knotenpunkte möglich sein. Würde man die Herrensitz-Route beibehalten, bestünde die Gefahr, dass manche Punkte doppelt vergeben werden. "Es geht einfach darum, eine einheitliche Regelung hier im Grenzraum zu etablieren", sagt Rashid.

Unter der Federführung des Tourismusbüros der Gemeinde Weeze war 1994 die Herrensitz-Route an Maas und Niers, damals mit zwölf deutsch-niederländischen Partnerkommunen im Rahmen eines Interreg-Projektes der Euregio Rhein-Waal, als grenzüberschreitende Fahrradroute ins Leben gerufen worden.

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1998 wurde die Route um acht Partnerkommunen, fünf niederländische und drei deutsche, erweitert und mit Knotenpunkten auf deutscher und niederländischer Seite ausgestattet, um eine Erleichterung für Radfahrer bei der Orientierung entlang der 16 Rundkurse zu gewährleisten. 1998 war dieser Schritt ein Novum, denn die Route war die erste thematische Route, die Knotenpunkte nutzte. Es war eine pragmatische Entscheidung, denn die niederländischen Provinzen Limburg und Nord-Brabant hatten schon längst auf das Fahren nach Zahlen gesetzt.

Nun zehn Jahre nach Einführung der Knotenpunktrouten entlang der Herrensitz-Route wird im Kreis Kleve auf das Knotenpunktsystem, das auf niederländischer Seite so beliebt ist, komplett umgestellt.

"Die Umstellung auf Knotenpunktsystem im Kreis Kleve ist eine wichtige Errungenschaft, die den Rückbau der Herrensitz-Route rechtfertigt", so Rashid, der bei der Einrichtung der Route sogar mit dem Rad Teilstrecken der Herrensitz-Route extra gefahren ist. Khalid Rashid ist davon überzeugt, dass die Einführung und Umsetzung des Knotenpunktsystems das grenzüberschreitende Fahrradfahren verbessern und das Gesamtbild der deutsch-niederländischen Region besser prägen wird.

Diese Umstellung auf das Knotenpunktsystem im Kreis Kleve habe letztendlich auch zur Entscheidung zum Abbau der Herrensitz-Route geführt. Durch die Abbau-Entscheidung werden Kosten für die Wartung in Höhe von 3000 bis 3500 Euro im Jahr eingespart. Die Umstellung auf das Knotenpunktsystem kostet 430.000 Euro, 300.000 Euro gibt es als Zuschuss vom Land.

(zel)