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Polizei im Kreis Wesel erklärt: Das sind die Maschen der Trickbetrüger

Polizei im Kreis Kleve erklärt : Das sind die Maschen der Trickbetrüger

Betrüger werden immer skrupelloser. Die Polizei erklärt, wie die gängigsten Tricks funktionieren – und wie sich jeder schützen kann.

Für die Kreispolizei Kleve sind Trickbetrüger ein wachsendes Problem. 2016 registrierten die Beamten 33 Fälle, 2017 waren es 112. Also viermal so viel. Detaillierte Zahlen für die Zeit danach liegen noch nicht vor, doch Corinna Saccaro, Sprecherin der Kreispolizei, berichtet, dass ein Anstieg der Straftaten gegen ältere Menschen deutlich sichtbar sei. „Das kann aber auch daran liegen, dass die Menschen aufmerksamer werden“, sagt die Sprecherin. Immer häufiger würden die Senioren die Polizei bei verdächtigen Anrufen einschalten. Das sei genau der richtige Weg. „Im Zweifel sollte man immer auflegen und uns verständigen“, rät Corinna Saccaro. Die Polizei erklärt, wie die gängigsten Maschen funktionieren – und wie sich jeder schützen kann.

Der Enkel-Trick Das Unheil kündigt sich an mit diesem einen Satz: „Rate mal, wer hier spricht“. „Wer angerufen wird und am Telefon darauf antwortet, womöglich sogar einen Namen nennt, steckt meist schon mitten drin im Schlamassel“, sagt Michael Kootz-Landers von der Kriminalpävention in Wesel. Die Betrüger am anderen Ende der Leitung geben sich als Verwandte, Enkel oder auch gute Bekannte aus und bitten kurzfristig um Bargeld. Als Grund wird ein finanzieller Engpass oder eine Notlage vorgetäuscht, die Opfer werden zur Verschwiegenheit verpflichtet. Vor einiger Zeit wurde eine 83-Jährige aus Kevelaer Opfer des Enkeltricks, sie übergab eine höhere Geldsumme an einen Boten. Ein falscher Angehöriger hatte sie telefonisch um Geld für einen angeblichen Immobilienkauf gebeten. An diesem Tag bekamen gleich sechs weitere Frauen im Alter zwischen 71 und 93 Jahren einen Anruf von den Betrügern. Sie durchschauten den Enkeltrick glücklicherweise und verständigten die Polizei.

Das Perfide beim Enkeltrick ist, dass dabei auf die Gutmütigkeit und Hilfsbereitschaft der meist älteren Menschen gesetzt wird. Oft gibt es eine echte Bereitschaft, einen Angehörigen zu unterstützen. Und bei Schwerhörigkeit oder Krankheit ist eine fremde Stimme am Telefon womöglich nicht zu erkennen.

Die Polizei rät: Nicht unter Druck setzen, lassen, auflegen und den angeblichen Angehörigen unter der bekannten Telefonnummer zurückrufen. Keine Wahlwiederholung!


Der Krankenhaus-Trick Mit einer dreisten Variante des Enkel-Tricks war im Oktober eine Diebin in einem Krankenhaus in der Region erfolgreich. Dort betrat eine junge Frau am helllichten Tag ein Patientenzimmer. Gegenüber der Zimmernachbarin gab sie sich als Enkelin einer Patientin aus, die gerade zu einer Untersuchung im Haus unterwegs war. Die Unbekannte erklärte, der „Großmutter“ Geld bringen zu wollen und öffnete den Schrank. Danach verschwand sie. Als die Patientin wieder auf ihrem Zimmer war und von dem vermeintlichen Verwandtenbesuch hörte, stellte sie den Verlust ihres Portemonnaies und ihres Handys fest.

Die Polizei rät deshalb: Größere Geldbeträge, Schmuck, Scheckkarten oder andere Wertsachen nicht im Krankenhaus aufbewahren; fremde Personen in Patientenzimmern ansprechen und jeden Diebstahl der Polizei melden.

Der „Falsche Polizisten“-Trick
Man könnte es so formulieren: Der „Falsche Polizisten“-Trick ist ein Resultat erfolgreicher Einbruchsprävention – irgendwie. Parallel zum erhöhten Bewusstsein für Einbruchsgefahren stieg in den vergangenen Jahren auch die Angst davor. Am Telefon versuchen Täter, die sich als Polizisten ausgeben, seither, Opfer zu überzeugen, dass Geld und Wertgegenstände zu Hause nicht sicher seien. In Weeze wurde Anfang Dezember ein solcher Betrugsversuch durch aufmerksame Bankmitarbeiter vereitelt. Ein 87-Jähriger hatte Anrufe von einem falschen Polizeibeamten erhalten, der ihm auftrug, sein Geld abzuheben und es von der Polizei überprüfen zu lassen. Als der Senior daraufhin zur Bank ging, reagierten die Bankangestellten skeptisch und informierten die Polizei.

Die Polizei rät: Nicht am Telefon über persönliche oder finanzielle Verhältnisse sprechen und niemals Geld oder Wertgegenstände an fremde Personen übergeben. Im Zweifel: 110 wählen.

Der Schock-Anruf Der Schock-Anruf ist wohl die perfideste Masche: Das Telefon klingelt. Der Sohn sei verunglückt, es werde dringend Geld für die teure Operation benötigt, erzählt der behandelnde Arzt. Oder: Ein Polizist meldet sich, die Nichte habe einen Unfall gebaut, das Auto sei nicht versichert gewesen. Im Kreis Wesel gab es unlängst einen Fall, bei dem einer Mutter erzählt wurde, ihr Sohn habe ein Mädchen überfahren und sitze nun in Untersuchungshaft. Theoretisch hätte das sein können, der Sohn war viel dem Auto unterwegs. 30.000 Euro wollten die Betrüger für die Kaution haben. Zum Glück hat sich die Sache aufgeklärt.