Peter Gatzweiler von Parookaville: „Ich liebe einfach diese Wortspiele“

„Mini-Bar“ beim Parookaville-Festival : „Ich liebe einfach diese Wortspiele“

Der kleinwüchsige Künstler Peter Gatzweiler sieht seine Mini-Bar beim Parookaville-Festival auch als einen Beitrag zur Inklusion. Mit seinem Konzept ist er in ganz Europa unterwegs.

Für eine breite öffentliche Diskussion hat die „Mini-Bar“ beim Parookaville-Festival am Niederrhein gesorgt: Kleinwüchsige servieren Kurze. Der Selbsthilfeverband der Kleinwüchsigen (BKMF) hatte die Aktion heftig kritisiert. Das Ordnungsamt Weeze sah allerdings keinen Anlass, sie zu unterbinden. Der Verband akzeptierte die Entscheidung der Gemeinde, die Mini-Bar stattfinden zu lassen. „Unabhängig davon, geht es uns darum, dass hier Menschen – in diesem Fall Kleinwüchsige – auf ein körperliches Merkmal reduziert werden“, sagt Sprecher Michel Arriens. Eine solche Reduktion sei vor dem Ziel einer inklusiven Gesellschaft nicht hilfreich. Einer der Mitwirkenden der Mini-Bar, Peter Gatzweiler von der Künstlergruppe Time Bandits, weist den Vorwurf zurück, er und seine zwei Kollegen würden mit dafür sorgen, dass Kleinwüchsige vorgeführt werden.

Hat Sie die heftige Reaktion des Selbsthilfeverbandes auf Ihre Mini-Bar überrascht?

Peter Gatzweiler Es ist nicht das erste Mal, dass wir vom BKMF torpediert werden, aber hier nimmt das neue Ausmaße an. Die Reaktion ist definitiv übertrieben. Wir sehen uns als Künstler und nutzen die Provokation als Mittel, um Berührungsängste abzubauen und zum Nachdenken anzuregen. Die Arbeit des BKMF ist ebenfalls extrem wichtig, aber die Organisation bleibt in ihrem Kosmos, bleibt politisch korrekt.

Was heißt das?

Gatzweiler Da geht es einfach um die Frage, wie offensiv darf ich mit dem Thema Kleinwüchsigkeit umgehen. Der Verband möchte nicht auffallen, keine Angriffsfläche bieten. Kleinwüchsige sollen Bürojobs nehmen, bloß nicht auffallen. Aber warum soll ich kein Friseur werden nur weil ich nicht so an den Kopf herankomme? Das ist Schwachsinn. Wir wollen das offensiv angehen. Es ist auch Quatsch zu sagen, wir machen das nur, weil wir sonst keinen Job kriegen. Als Time Bandits engagieren wir uns ebenfalls. Wir haben den Verein Größenwahn e.V. gegründet. Auch hier polarisieren wir mit diesem Begriff. Uns geht es wie dem BMKF um Inklusion. Aber die Wege sind verschieden.

Aber werden durch Kleinwüchsige an der Mini-Bar nicht Klischees bedient?

Gatzweiler Natürlich bedienen wir Klischees. Hinter einer normalen Bar könnte ich gar nicht arbeiten, da sieht mich keiner. Ich liebe einfach diese Wortspiele, etwa das mit der Mini-Bar. Das gehört zu unserem Gesamtkonzept. Warum soll ich aus der Andersartigkeit nicht Kapital schlagen? Das ist ein echter Knochenjob.

Könnten sich aber nicht andere Kleinwüchsige dadurch unwohl und vorgeführt vorkommen?

Gatzweiler Wir wissen von einigen Kleinwüchsigen, die nicht gut finden, was wir machen. Das ist auch in Ordnung. Jeder kann seine Meinung frei sagen. Ich lasse mir die Arbeit nicht verbieten, das wäre ja so, als wenn ich einem Schauspieler verbiete, seinen Beruf auszuüben, nur weil ich seinen Film schlecht finde. Wir wissen selbst, dass der Grat hier sehr schmal ist. Wir nehmen auch längst nicht alle Anfragen an. Wir schauen genau, worum es bei der Sache geht. Uns vorführen lassen würden wir nie.

Ist die Mini-Bar denn ein Konzept extra für Parookaville?

Gatzweiler Nein, wir sind seit zwei Jahren mit dem Konzept in ganz Europa unterwegs. Auch Red Bull nutzt die Geschichte beispielsweise, und die würden das sicher nicht machen, wenn sie befürchten würden, dass hier Vorurteile geschürt werden.

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