Kevelaer: "Pegida-Pastor" Paul Spätling hält sich an Predigtverbot

Kevelaer : "Pegida-Pastor" Paul Spätling hält sich an Predigtverbot

In Kervenheim und Kleve darf der Pfarrer noch Gebetsstunden nach dem alten Ritus halten. Für "Pegida" ist Spätling kein Thema mehr.

/ Kreis Kleve Es ist ruhig geworden um den Emmericher Pfarrer Paul Spätling. Nur wenige Menschen haben ihn seit seinem Auftritt bei der "Pegida"-Demo in Duisburg gesehen. Eben die, die mit ihm beten oder dienstlich mit ihm zu tun haben. Also Propst Johannes Mecking in Kleve und Pfarrer Andreas Poorten in Kevelaer. Als Leitender Pfarrer des Seelsorgeteams St. Mariä Himmelfahrt in Kleve gehört Mecking zum kleinen Personenkreis, dermit dem zurückgezogen lebenden Pfarrer zu tun hat. Denn in der Klever Kapuzinerkirche darf Spätling trotz seines Predigtverbotes noch immer der Feier des außerordentlichen Ritus vorstehen.

Mit einer Ikone unter dem Arm und einem schwarzem Birett auf dem Kopf führte der Emmericher Pfarrer Paul Spätling vor einem Monat die islamfeindliche "Pegida"-Kundgebung in Duisburg mit an. Im Priestergewand wetterte der gebürtige Sonsbecker vor 500 Zuhörern gegen den Islam und kritisierte unter anderem die "Licht-Aus"-Aktion am Kölner Dom. Eine entsprechende Reaktion seitens des Bistums Münster ließ nicht lange auf sich warten: Bischof Dr. Felix Genn verhängte gegen ihn ein Predigtverbot.

Dass Spätling trotzdem Messen nach altem Ritus in Kleve halten darf, findet der Geistliche Johannes Mecking legitim. Jahrhundertelang sei schließlich so Gottesdienst gefeiert worden, sagt er. Da sich der Emmericher Pfarrer darüber hinaus an das verhängte Predigtverbot halte, bestünde kein Grund, Spätling zu verbieten, diesen speziellen Gebetskreis einmal wöchentlich anzubieten.

So sieht das auch Pfarrer Poorten, der sich eine der "Sühnenächte" in Kervenheim mal selbst angesehen hat. "Ich kenne einige Leute, denen es ein Bedürfnis ist, im traditionellen Ritus zu beten. Sie berufen sich zumeist auf Fatima, auf die Idee, im Gebet nach Bekehrung zu suchen. Ich kann ihnen versichern, dass das nichts mit ,braunem Gedankengut' zu tun hat." Mit ausländerfeindlichen Parolen möchten die meisten Christen nämlich nichts zu tun haben. In Kervenheim hatte sich deshalb ja sogar eine kleine Protestbewegung formiert. Poorten betont, der Bischof habe trotz des unbefristeten Predigtverbots sein Einverständnis gegeben, dass Spätling sein Angebot der Sühnenacht fortsetzen dürfe - wogegen er, Poorten, sich selbstverständlich nicht wende.

Anhänger der "Pegida"-Bewegung wurden in Kleve und Kevelaer bisher übrigens noch nicht gesichtet. Zunächst hatte sich die Bewegung über die Behandlung Spätlings empört, inzwischen ist der "Pegida"-Pastor für die Demonstranten aber wohl kein Thema mehr.

Hier geht es zur Infostrecke: Emmerich: Das sagen andere Pfarrer zum "Pegida-Pastor"

(RP)
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