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Beim Parookaville Festival ​legt Miloš Vasovic als erster Klever DJ auf

Technofestival : Erster Klever DJ bei Parookaville

Er heißt Miloš Vasovic und nennt sich DJ Sternbush. Als erster Klever hat er sich einen Platz zwischen den größten Künstlern der Techno-Szene gesichert. Zumindest für drei Tage. Er darf beim Parookaville Festival auflegen.

Wo der Weg von Miloš Vasovic (25) zum Parookaville begann, ist geklärt. Doch muss man dafür weiter ausholen. Es war im Garten eines Freundes. Musik lief im Hintergrund, er drehte mit den Händen knapp über dem Holztisch hin und her. Es sah offenbar irgendwie so aus, als würde er am Turntable stehen. Ab jetzt stand zumindest sein Künstlername fest. Sein Kumpel wohnte in der Nähe des Klever Sternbusch-Freibads. Vasovic wurde DJ Sternbush. Das C sparte man sich.

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Sein Weg begann so, wie vieles beginnt, aus dem sich später etwas Bedeutendes entwickelt: zufällig. Der Mann mit dem noch unentdeckten Talent lief in einem Laden an einem Mischpult vorbei. 500 Euro, im Regal ganz unten, Einsteigermodell. „Ich wollte einfach mal testen, ob es mir was bringt“, sagt er. Gebracht hat es ihm eine Stunde auf einer Bühne des größten deutschen Technofestivals Parookaville in Weeze. Nebenan legen die Jungs auf, die um die Welt jetten.

 Training im Keller: Miloš Vasovic hinter einem Mischpult und mit reichlich Bildschirmen davor.
Training im Keller: Miloš Vasovic hinter einem Mischpult und mit reichlich Bildschirmen davor. Foto: Markus van Offern (mvo)

Die Welt von Miloš Vasovic ist Kleve. Hier wohnt er bei seiner Familie. In der Krefelder Niederlassung von Mercedes-Benz Herbrand arbeitet er. Sein Vater ist Dragan Vasovic. Ein am Niederrhein bekannter Fußballspieler. So stand er unter anderem für den damaligen Verbandsligisten SC Kleve auf dem Platz und trainierte mehrere Mannschaften.

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DJ Sternbush steht mittlerweile regelmäßig in Clubs oder Diskotheken hinter dem Pult. E-Dry Geldern, Clubs in Oberhausen… sein Gesicht hat es auf die Werbeflyer für Partys geschafft. Der Weg dorthin führte über den Partykeller seiner Eltern. Ein Raum wie aus den 70ern mit einer damals standesgemäßen Einrichtung, die beim genauen Hinsehen zu erkennen ist. Hocker, halbrunde Theke und alles aus Eiche rustikal. An der Wand ein Sofa, das die besten Tage hinter sich hat. Wenig Licht, Fernseher, viel Technik und herunterhängende Kabel gibt es hier. Wenn Miloš Vasovic den Raum betritt, sprudelt es nur so aus ihm heraus. Er zeigt auf mehrere elektronische Geräte und erklärt welche Funktion sie haben. „Hier, die zwei Pulte habe ich noch nicht lange“, sagt er. Es war ein Schnapper aus Stuttgart, den er sich während der Corona-Zeit zugelegt hat. Marke Pioneer DJ für 5500 Euro. Auf dem Markt gehört das Teil zur Königsklasse.

Der Klever zieht einen Stick aus der Tasche. Auf dem sind 5000 Lieder gespeichert. Zwei Hauben werden von den DJ-Controllern gehoben. Nahezu blind dreht er an etlichen Knöpfen, bis Musik zu hören ist und sagt: „Hier, das ist der richtige Sound.“ Die Frage ist, was ist der richtige Sound, was macht einen guten DJ aus? „Du musst Vieles können. Bekannte Lieder spielen, eigene Stücke einbauen, verschiedene Genres draufhaben und die Leute immer überraschen“, erklärt der 25-Jährige. In Clubs muss die Tanzfläche voll sein. Sonst bucht ihn keiner mehr. Hier ist DJ Sternbush auf der Suche danach, was allen gefällt. Den Gästen und ihm. Doch will er sich nicht allein auf die gängigen Klassiker verlassen. „Du musst selber Sachen produzieren. Überraschendes.“ Die Leute mit gängigen Stücken ködern, um dann eigene Stücke zu spielen. Einmal hat er vor 3000 Fans elektronischer Musik gestanden. Bislang sein Rekord. Den wird er am Sonntag, 24. Juli, zwischen 14 und 15 Uhr, vom „Penny DJ Tower“ aus toppen. „Ich war eigentlich geschockt als ich den Anruf bekam, dass ich beim Parookaville dabei bin. Ich habe gedacht, der will witzig sein“, sagt der 25-Jährige. Für ihn ist das Festival so etwas, wie für Fußballer die Champions League. Man will da mitspielen.

Der Veranstalter gibt bekannt, ab wann die Öffentlichkeit von seinem Auftritt erfahren darf. Das Porträt von DJ Sternbush war auch erst dann auf der Internetseite des Events zu sehen. Vasovic zückt sein Handy. Er scrollt mit dem Finger endlos lange Listen rauf und runter. „Nur zwei, drei Minuten später hatten mir hunderte Follower geschrieben.“ Sein Kopf steht auf der Parookaville-Homepage zwischen den Stars der Szene. Ebenso wie der von David Puentez. Er wird auch auf der „Penny DJ Tower“-Bühne auftreten. Nicht nur Technofans sagt der Name etwas. Mit seinem Song Superstar schaffte er es in die deutschen Charts.

Die Jahre vor den Corona-Absagen war Miloš Vasovic mit seinen Kollegen, wie er sie nennt, Stammgast beim Parookaville. Mit dabei hatte man eine riesige Akku-Box, die es nur schwer in den Kofferraum schaffte. Es sollte der größte mitgebrachte Lautsprecher auf dem Gelände sein. Mit Handys sorgte DJ Sternbush auf dem Zeltplatz für Stimmung. Als der Akku in die Knie ging, holte man sich bei einem Zelt Strom, in dem veganes Essen angeboten wurde. Die Security sorgte dafür, dass die Party abrupt endete. Das war 2018. 350 Leute tanzten damals vor der Box. Ein Kumpel hatte durchgezählt. Um Spaß zu haben, braucht der Klever die auf Festivals handelsüblichen Spirituosen oder andere Sachen nicht. Stilles Wasser und Red Bull Zero, eiskalt, sind seine Favoriten.

Zweimal in der Woche steht DJ Sternbush hinter seinem Pult im Keller, um herumzuexperimentieren. Die eigentliche Arbeit spielt sich jedoch am PC ab. Sie macht sich mittlerweile bezahlt. Ohne Gage legt er nicht mehr auf. Falls es an einem Wochenende nichts zu tun gibt, werden andere gute DJs beobachtet. In Weeze stehen etliche der besten rechts und links neben ihm. Sein großes Idol ist auch darunter. James Hype legt mehrere Bühnen entfernt auf und wird dort zeigen, welche Macht die Musik hat.

210.000 Feierwillige kommen an den drei Tagen. Eine Stunde davon ist hier der Sound von Miloš Vasovic zu hören. Zwei Ziele hat er. Vor seiner Bühne soll es abgehen, und er hofft auf weitere Einsatzzeiten beim Parookaville. „Aber du musst immer schön auf dem Teppich bleiben. Auch wenn es jetzt einmal geklappt hat“, sagt DJ Sternbush. Denn welcher Sound in der schnelllebigen Szene gerade gefragt ist, ist nie abzusehen. Das ist Zukunftsmusik.