Parookaville-Festival 2018: Kleinwüchsige sollen "Kurze" servieren

Festival in Weeze: Kleinwüchsige hinter der Minibar bei Parookaville

Auf dem Parookaville-Festival in Weeze sollen erstmals kleinwüchsige Menschen Getränke ausschenken und nur „Kurze“ servieren. Die Veranstalter finden das offenbar lustig. Der Bundesverband für kleinwüchsige Menschen sieht das kritisch.

Das mehrtägige Parookaville-Festival in Weeze hat sich innerhalb von drei Jahren bundesweit einen Namen gemacht. Am Freitag geht es wieder los. Diesmal wird es erstmals einen sogenannten Wacky Shack geben. Nach Aussage der Veranstalter ist das ein Club ohne Regeln, in den zeitgleich 150 Gäste passen. Zur Erfrischung in dem ehemaligen Flughafen-Bunker wird es eine Minibar geben, die von Kleinwüchsigen bedient wird. Die servieren passenderweise nur „Shots“, also Kurze.

Kritik an der als Gag gedachten Aktion weisen die Veranstalter zurück. „Uns geht es nicht darum, hier jemanden zur Schau zu stellen“, sagt Philip Christmann vom Parookaville-Presseteam. Vielmehr habe man Künstler engagiert, die kleinwüchsig seien und das ganze Jahr über bei solchen Show-Events im Einsatz seien. „Es handelt sich dabei um Menschen, die offen und offensiv mit ihrer Kleinwüchsigkeit umgehen. Sie verstecken sich nicht, sondern gehen damit nach außen, auch um  Berührungsängste abzubauen.“ Sie seien strahlende Beispiele dafür, dass man humoresk mit seiner Kleinwüchsigkeit umgehen und damit auch den ein der anderen zum Nachdenken bringen könne. „Die Leute waren von unserem Konzept begeistert, die fanden das toll. Auch weil die Bar so gestaltet wird, dass sich die Normalgroßen nach unten beugen müssen, da das Thekenbrett auf die Größe der Barkeeper abgestimmt ist.“ Für die Künstler sei es auch positiv für ihre Reputation, bei Parookaville auftreten zu dürfen. „Die Wacky Shack ist ein verrücktes Konzept, das den Horizont erweitern soll“, sagt Christmann.

So läuft die Anreise zu Parookaville 2018 in Weeze

Der Bundesverband „Kleinwüchsige Menschen und ihre Familien“ (BKMF) sieht das anders. „Wir hoffen, dass die Kleinwüchsigen in dem Fall nicht ausschließlich zur Belustigung dienen und als Kuriositäten vorgeführt werden“, sagte die Vorsitzende Patricia Carl-Innig unserer Redaktion. „Kleinwüchsige haben solche Jobs in der heutigen Zeit nicht mehr nötig. Gerade für kleinwüchsige Jugendliche, die in der Selbstfindungsphase sind, sind solche Veranstaltungen kontraproduktiv, weil sie dabei wieder sehen, wie Kleinwüchsige nur auf ihre Körpergröße reduziert werden“, sagt Carl-Innig.

Der stellvertretende Vorsitzende des BKMF, Klaus Mohnike, ist empört über den geplanten Auftritt von Kleinwüchsigen an der Minibar. „So etwas geht gar nicht und ist unterstes Niveau. Auch wenn keine böse Absicht dahinter steckt: Solche Dinge macht man einfach nicht“, sagt er. „Seit vielen Jahren versuchen wir mit unserer Arbeit, genau so etwas zu verhindern“, betont er. „Wir sind in der Vergangenheit auch schon gegen Agenturen vorgegangen, die solche Auftritte angeboten haben.“

Der Verband vertritt seit 30 Jahren die rund 100.000 von Kleinwuchs betroffenen Menschen in Deutschland. Derzeit lassen sich laut BKMF über 650 verschiedene Formen von Wachstumsstörungen unterscheiden, deren Ursachen sehr vielfältig sind. Viele der Wachstumsstörungen gehen neben einer Endgröße, die im Erwachsenenalter zwischen 70 Zentimetern und 1,50 Meter beträgt, mit gravierenden gesundheitlichen Problemen aufgrund von Skelettsystemfehlbildungen einher.

Es gibt Agenturen, die kleinwüchsige Menschen zur Unterhaltung anbieten. Die „Short People Agency“ (Agentur für kleine Leute) wirbt auf ihrer Internetseite etwa damit, dass man dort verschiedene „Liliputaner“ mieten könne. Alle hätten viel Erfahrung im Showbusiness und viel Spaß an dieser Arbeit, heißt es auf der Seite. Gemietet werden können sie als Zirkusdirektor, Clown, Zwerg, Kobold und als „Mini-Hugh Hefner“ für Veranstaltungen.

In Deutschland warben einige Diskotheken bis vor einigen Jahren regelmäßig mit Auftritten von Kleinwüchsigen. Eine Disco in Norddeutschland lockte die Gäste beispielsweise mit „Liliputaner Action“. Zur Belustigung des Publikums wurde sogar ein Kleinwüchsiger von den Gästen durch die Disco gejagt und in einen Backofen gesperrt. Diese Veranstaltungen wurden damals in der Öffentlichkeit massiv kritisiert und als menschenverachtend bezeichnet.

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