Kevelaer: Oschmanns intime und amüsante Show in Kevelaer

Kevelaer : Oschmanns intime und amüsante Show in Kevelaer

Leicht ergraut und mit etwas Bauchansatz stand er da. Eine kleine Bühne mit einem großartigen Künstler: Ingo Oschmann. Er entführte das Publikum in der ausverkauften Begegnungsstätte in die 80er Jahre und wieder zurück in die Zukunft. Vieles, was er präsentierte, war einem sofort vertraut. Nicht etwa, weil man sein Programm schon kannte, sondern weil Oschmann es wie kaum ein anderer versteht, ein Gefühl zu vermitteln, das einem vertraut ist wie das tägliche Zähneputzen.

Trotzdem klebte man an seinen Lippen und an seinem wirbeligen Körper. Man fühlt sich in seine Kindheit zurück versetzt, in denen man noch Sätze hörte wie "Solange Du Deine Füße unter meinen Tisch stellst." Oschmann erzählt aus seiner Kindheit, und wie er diese Zeit liebte. Der Zuspruch der Gäste war ihm sicher, denn überall sah man verständnisvolles Nicken. "Als wir Kinder waren, haben wir im Auto noch ganz andere Spiele gespielt", holte Oschmann aus, doch schon kam aus dem Publikum: "Kennzeichen raten" und "Ich sehe was, was du nicht siehst".

Begeistert ging Oschmanns amüsanter Streifzug durch die Kindheit weiter. Von Filmhelden wie Mc Gyver, Colt Seavers über Knight Rider. Wir kennen sie alle. Heute heißen die begehrten Typen Bushido oder Justin Bieber. "Bushido, das klingt wie eine Geschlechtskrankheit", witzelte der Comedian.

In punkto Musik jedoch wird er wehmütig. "Was war Ihre erste Platte, die Sie gekauft haben?" Das Publikum gibt bereitwillig Auskunft: "Tainted Love von Soft Cell". Eine Schallplatte zu hören, ist ein aktiver Vorgang, die Jugend von heute sitzt meist vor dem PC und saugt sich irgendwelche Lieder runter. Da geht doch ganz viel verloren.

Jetzt könnte man meinen, der gute Herr Oschmann ist in einer Zeitschleife der 80er Jahre hängen geblieben, im kuscheligen Polyester-Schulterpolster-Zeitalter kleben geblieben. So ist es aber nicht. Was ihn an dieser Zeit so fasziniert, ist die Einstellung zur Wertigkeit. Man musste für die Dinge kämpfen. Da gingen noch mehr Menschen zu den richtigen Demos, man ging raus, um einen Film für die Fotokamera zu kaufen. Einen Film in die Kamera einzulegen, war mitunter auch ein Kampf. Dann die Party, auf der, nicht wie heute üblich, 200 Bilder gemacht wurden. Auf eine kleinen Filmrolle passten ja nur zwölf Bilder drauf. Dann der Weg zurück zum Fotoladen, den Film entwickeln lassen, eine Woche warten. Es war aufregend.

Ja, das Lebensgefühl von damals hat man schon fast vergessen. Doch auch im Hier und Jetzt ist Ingo Oschmann bewandert. Ob Männergrippe, Frauenwünsche oder die Welt der Zauberei - alles hat er drauf. So verging der Abend wie im Flug. Und diese intime und wunderbare Show hat bei den Zuschauern viele Eindrücke hinterlassen.

(sina)