Kevelaer: Originelle Vision für Wohnen in der Stadt

Kevelaer: Originelle Vision für Wohnen in der Stadt

Gottfried Mülders geht mit einer ungewöhnlichen Idee an die Öffentlichkeit. Senioren sollen ihre Häuser zum halben Preis an junge Familien verkaufen, die alten Bewohner dafür günstiger in eine Seniorenwohnung ziehen.

Gottfried Mülders ist in Kevelaer kein Unbekannter. Als Verwaltungsleiter hat er viele Jahre die Geschicke von St. Marien geleitet. Außerdem hat er auch am Neubau der Zentralrendantur in der Wallfahrtsstadt mitgearbeitet. Wenn der 65-Jährige einen Vorschlag macht, hat das durchaus Gewicht. Deshalb geht Mülders jetzt mit einer Idee an die Öffentlichkeit, die er selbst auch "verrückt" nennt, die aber durchaus zum Nachdenken anregt, wenn man sich intensiver damit befasst.

Mülders beobachtet die Entwicklung in Kevelaer genau. Auch hier gebe es die Situation, dass junge Familien kein bezahlbares Eigenheim finden, während gleichzeitig Senioren in Häusern wohnen, die eigentlich inzwischen viel zu groß für sie sind, weil die Kinder ausgezogen sind.

Da die Häuser älter sind, stehen Sanierungen an, die Senioren oft scheuen, weil sie meinen, dass sich das nicht lohnt. Inzwischen gebe es die Situation, dass in manchen Wohngebieten gar keine Familien mehr wohnen. Das könne auch nicht im Sinne der Stadt sein.

Hier setzt Mülders mit seiner Idee an. Ansatz ist, dass ein Senior sein Haus für die Hälfte des Verkehrswertes an eine junge Familie verkauft. Die verpflichtet sich dazu, diese Immobilie für 25 Jahre nicht zu verkaufen. Außerdem soll vertraglich geregelt werden, dass die Familie für die Sanierung verantwortlich ist.

Im Gegenzug erwirbt der Senior eine Wohnung in einer Seniorenwohnanlage deutlich günstiger. Der Preis orientiert sich dabei am Alter des Bewohners, denn dieser "kauft" die Wohnung gar nicht wirklich, sondern erhält ein lebenslanges Wohnrecht.

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Für Mülders hat dieses Modell Vorteile für beide Seiten. "Eine junge Familie bekommt günstig ein Eigenheim, das auch noch in der Stadt liegt, die Senioren erhalten eine barrierefreie Wohnung. Sie müssen sich keine Gedanken mehr über notwendige Sanierungen machen." Zudem soll für die Wohnanlage die Zusammenarbeit mit Pflegediensten geplant sein, vielleicht auch mit Arzt und Apotheke.

So weit die Idee. Um die umzusetzen, gehört zum Konzept der Bau einer entsprechenden Seniorenwohnanlage. Die soll großzügig gestaltet sein, viel Lebensqualität bieten. Ein mögliches Grundstück habe er bereits im Auge, so Mülders. Um die Sache anzugehen, sind jetzt Investoren gefragt. Mülders hat nämlich kalkuliert, dass der Neubau eines Wohnparks mit 15 Wohnungen etwa fünf Millionen Euro kosten würde. Orientiert hat er sich dabei an den Kosten für die Zentralrendantur.

Um das Ganze zu finanzieren, sollen insgesamt 50 Anteile zu jeweils 100.000 Euro an Investoren verkauft werden. "Einige haben schon Interesse bekundet", sagt Mülders, der sich lediglich als Initiator der Idee sieht. Sollte es irgendwann konkret werden und Investoren das Projekt gezielt angehen, werde er sich zurückziehen.

Auch von Seiten der Kommune gab es Unterstützung für diese "Vision". Bürgermeister Dominik Pichler zeigt ebenfalls Interesse.

(zel)
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