Kevelaer: "Operation" am Herzen von Kevelaer

Kevelaer : "Operation" am Herzen von Kevelaer

Sehr gut besucht war die Bürgerversammlung zur Gestaltung des Kapellenplatzes und der angrenzenden Flächen. Der Abend war sehr emotional. Erneut wurde deutlich, wie wichtig vielen die Bäume in der Innenstadt sind.

Es geht um nicht mehr und nicht weniger als das Herzstück der Stadt: Die Umgestaltung des Kapellenplatzes und der angrenzenden Areale ist ein Thema, das mit vielen Emotionen verbunden ist. Für viele Bürger geht es da um eine Herzensangelegenheit, wie auch Wallfahrtsrektor Gregor Kauling meinte. Das war auch bei der Bürgerversammlung zu den Plätzen im Petrus-Canisus-Haus zu spüren. Waren bei der ersten Veranstaltung nur knapp 30 Leute gekommen, blieben diesmal kaum Stühle frei. Gut drei Stunden wurde teilweise recht emotional diskutiert.

Ein möglicher Entwurf für den Kapellenplatz. Ganz oben würden Bäume weichen, links gibt es eine Art Abgrenzung zur Busmannstraße. Foto: Latzel

Deutlich wurde, dass es irgendwie auch um die Quadratur des Kreises geht. Einigkeit besteht bei Planer, Politik, Rat, Kirche und Verwaltung offenbar darüber, dass an den Plätzen etwas getan werden muss. Doch längst sind die Bäume zum großen Thema geworden. Alle Seiten betonen inzwischen, dass ein Erhalt der Bäume ganz oben auf der Wunschliste steht. Doch das scheint dann für manche auch wieder ein Problem zu sein. Denn an den Standorten der Bäume festzuhalten, engt den Spielraum für kreative Planung erheblich ein. Keine einfache Aufgabe für Planerin Stephanie Janning, die in der Sitzung auch das ein oder andere Mal direkt angegangen wurde. Sie bat mehrfach um mehr Fairness. "Es kann nicht sein, dass Sie mir unterstellen, ich würde lügen", sagte sie.

Angeregte Diskussion: Auch Bürgermeister Dominik Pichler und Wallfahrtsrektor Gregor Kauling (r.) tauschten sich immer wieder aus. Foto: Latzel

Zwei Vorgaben hat die Verwaltung ihr mit auf den Weg gegeben: Möglichst alle Bäume zu erhalten und gleichzeitig für eine barrierefreie Situation zu sorgen. Stephanie Janning machte deutlich, dass die Verhältnisse für die Bäume nicht ideal seien, um sich zu entwickeln. Die Wurzeln liegen unter dem Pflaster, die Umgebung ist hochverdichtet. Die Planerin verglich das mit einem Baum, der in einen Blumentopf gepflanzt werde. Der werde höchstens ein Bonsai bleiben. Immer wieder wies sie darauf hin, dass wegen der Bäume eben auch ein Planen in Prozessen nötig sei. Schließlich müsse bei jedem Baum individuell geschaut werden, wie man mit ihm verfährt. "Bei jedem Eingriff gibt es ein gewisses Risiko, das ist wie bei einer Blinddarm-Operation", sagte sie.

Einige Bürger kritisierten, dass erst jetzt so vehement der Erhalt der Bäume gefordert werde. Wäre das von Anfang an so gewesen, wären viele Diskussionen vor allem in den sozialen Netzwerken gar nicht so hochgekocht, hieß es. In der Bürgerversammlung lieferte Stephanie Janning auch Zahlen zu den Bäumen. Vier müssten am Kapellenplatz weichen, ein weiterer am Luxemburger Platz. Eine Sondersituation gebe es am Johannes-Stalenus-Platz. Die Bäume seien hier teilweise krumm und schief. "Die Maßgabe ist hier, da durchaus was zu verändern, weil die Bäume außer der Platane abgängig sind", sagte Bürgermeister Dominik Pichler.

Gregor Kauling ist wichtig, dass die Plätze ihre Transparenz behalten. "Das kirchliche Zentrum soll nicht abgeriegelt wirken, die Durchlässigkeit ist wichtig", sagte er. Der Platz sei intakt, habe viel Charakter und lebe von den Blickbeziehungen. Das müsse erhalten bleiben.

Jutta Pesch vom "Goldenen Apfel" wünschte sich eine Öffnung des Kapellenplatzes. Es solle eine Möglichkeit geben, Stühle vor den Hotels aufzustellen. Ein Paar habe davor zurückgeschreckt, ein Hotel in dem Bereich zu übernehmen, weil eben keine Außenbestuhlung möglich ist. Darüber wurde im weiteren Verlauf des Abends noch weiter diskutiert. Franz Heckens von der Stadtverwaltung hatte anschließend den Eindruck, dass bei dem Thema durchaus auch eine Offenheit von Seiten der Kirche zu erkennen sei.

(zel)
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