Einschränkungen beim Niersexpress Bahnstrecke über Monate dicht

Niederrhein · Bereits im vergangenen Jahr mussten die Fahrgäste lange vom Niersexpress in Ersatzbusse umsteigen, weil an der Strecke gearbeitet wird. Diesmal wird zeitweise sogar der ganze Abschnitt zwischen Kleve und Krefeld gesperrt.

 Auf der Strecke wird eine ganze Zeit kein Zug fahren.

Auf der Strecke wird eine ganze Zeit kein Zug fahren.

Foto: Latzel/Latzel, Sebastian

Es war eine Geduldsprobe für Pendler im Gelderland. Im vergangenen Jahr war die Strecke zwischen Kleve und Geldern dicht. Fahrgäste mussten auf Busse umsteigen und eine lange Fahrzeit auf der Straße von Ort zu Ort in Kauf nehmen. Und in diesem Jahr werden die Nerven der Bahnkunden vermutlich noch mehr auf die Probe gestellt. Wieder wird es Sperrungen geben. Diesmal sogar noch extremer. Die wichtigsten Fragen im Überblick:

Was ist der Hintergrund? Die Strecke Kleve-Kempen soll „innerhalb kürzester Zeit digital modernisiert“ werden, so ein Bahnsprecher. Das Projekt ist Bestandteil des sogenannten Schnellläuferprogramms (SLP). In diesem Aktionsprogramm werden deutschlandweit bei sieben Projekten die vorhandene Stellwerks- und Bahnübergangssicherungstechnik durch moderne und digitale Stellwerkselemente ersetzt. Der Bund stellt dafür insgesamt 500 Millionen Euro zur Verfügung. Normalerweise werden für vergleichbare Projekte wesentlich längere Zeiträume benötigt. Um die deutliche Beschleunigung zu ermöglichen, „werden in enger Zusammenarbeit mit der Industrie Prozesse verbessert und Standards etabliert“, heißt es. Daher auch „Schnellläuferprogramm“. Es ist ein Konjunkturprogramm zur Bekämpfung der Folgen der Corona-Pandemie, um Beschäftigungen zu sichern und die Industrie zu stärken.

Was ist schon passiert? Im Frühjahr 2021 starteten die Bauarbeiten auf dem ersten Bauabschnitt zwischen Kleve und Geldern. Diese wurden am 4. Dezember abgeschlossen. „Seitdem profitieren die Fahrgäste von einer höheren Zuverlässigkeit des Schienennetzes und weniger Instandhaltungsaufwand“, heißt es. Es wurden fünf Technikmodule für die Zugsteuerung in Kleve, Bedburg-Hau, Goch, Weeze und Kevelaer errichtet. Zudem wurden 28 Bahnübergänge neu gebaut bzw. angepasst, 75 Kilometer Kabel verlegt, 60 Signale aufgestellt und 18 Weichenantriebe ausgetauscht.

Was ist 2022 geplant? „Anfang März haben wir mit den ersten kleiner Vorarbeiten den zweiten Bauabschnitt zwischen Geldern und Kempen begonnen“, so der Bahnsprecher. Es handelt sich um die gleichen Bauarbeiten wie auf dem ersten Bauabschnitt. Ab Sommer werden umfangreiche Totalsperrungen erforderlich. So wird in der Zeit vom 25. Juni bis 8. August die Strecke zwischen Kleve und Krefeld aufgrund von umfangreichen Investitionen in die Erneuerung des Oberbaus (Schienen, Schwellen,Schotter) vollständig gesperrt. Die Bahn nutzt die ohnehin notwendige Sperrung für Bauarbeiten im Rahmen der Digitalisierung der Strecke. Anschließend daran ist vom 9. August bis 27. November die Strecke dann zwischen Geldern und Krefeld aufgrund des Schnellläuferprogramms (SLP) vollständig gesperrt. Der Abschluss der Baumaßnahme für die gesamte Strecke ist nach heutigem Sachstand für Ende November vorgesehen.

Worauf müssen sich die Fahrgäste einstellen? Klar ist, dass es auf der Strecke zwischen Juni und Ende November erhebliche Einschränkungen geben wird. Es werde ein umfangreiches Ersatzkonzept geplant und die Fahrgäste rechtzeitig informiert, so eine Sprecherin der Nordwestbahn. Vom 25. Juni bis 8. August wird während der Totalsperrung ein Ersatzverkehr mit Expressbussen zwischen Kleve und Krefeld eingesetzt. Wenn anschließend die Strecke zwischen Geldern und Krefeld gesperrt wird, soll der Niersexpress zumindest zwischen Kleve und Geldern fahren, zu etwas geänderten Fahrzeiten. Zwischen Geldern und Krefeld werden Ersatzbusse eingerichtet.

Wie fällt die bisherige Bilanz der Modernisierung aus? Viel Fahrgäste stöhnen über zahlreiche Störungen und Zugausfälle, die teilweise auch mit Problemen in den neuen Stellwerken zusammenhängen. Die Bahn spricht bei den Problemen von Kinderkrankheiten, die es öfter am Anfang neuer Systeme gebe. Die Bahn sieht sich auf einem guten Weg: Die neue Technik auf der Strecke läuft zuverlässig. Durch ein Software-Update im Februar konnte die Stabilität nochmals gesteigert werden, heißt es.