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Niederrhein-Wolf bislang noch nicht registriert

Auswertung der DNA : Neues vom „Niederrhein-Wolf“

Über DNA-Spuren war nachgewiesen worden, dass das Tier in Kerken zwei Schafe gerissen hat. Es war das erste Mal, dass Genmaterial im Kreis Kleve gesichert werden konnte. Einen weiteren Fall gibt es im Kreis Wesel.

Es war eine kleine Sensation gewesen. Erstmals war es gelungen, DNA-Material von einem Wolf im Kreis Kleve nachzuweisen. Wie berichtet, waren zwei Schafe in Kerken gerissen worden. Nach der DNA-Untersuchung stand bereits vor einiger Zeit fest, dass ein Wolf in das Fleisch gebissen hat. Die Proben waren aber noch weiter im zuständigen Institut untersucht worden und liefern den Experten nun weitere Erkenntnisse. „Das Senckenberg Forschungsinstitut in Gelnhausen hat festgestellt, dass der Wolf ein Männchen war“, berichtet Wilhelm Deitermann,Sprecher des zuständigen NRW-Landesamtes für Natur, Umwelt- und Verbraucherschutz (Lanuv).

An den beiden gerissenen Kamerun-Schafen sei relativ gute DNA gesichert worden. Daher bekamen die Forscher auch Hinweise auf die Herkunft des Tieres. Denn aus dem Erbmaterial seien auch Informationen auf bestimmte Familienmerkmale abzuleiten. Danach sei der Wolf „genetisch der zentraleuropäischen Flachlandpopulation zuzurechnen“, so Deitermann.

Dabei handelt es sich um Tiere, die sich von Polen aus Richtung Deutschland ausgebreitet haben. „Dieser Wolfsrüde wurde erstmalig nachgewiesen;sein Herkunftsrudel ist bisher noch nicht bekannt“, berichtet Deitermann. Daher ist der Fund für die Experten durchaus wertvoll, weil das Rudel, zu dem er gehört, offenbar noch nicht registriert ist. DNA-Spuren von Wölfen würden in NRW immer mal wieder gesichert.

Das Besondere beim Fund in Kerken sei eben, dass es noch kein Vergleichsmaterial gebe. Die DNA kommt jetzt in die Datenbank, und die Wolfsforscher hoffen darauf, dass es bei weiteren DNA-Proben dann Übereinstimmungen gibt, um die Herkunft des Tieres weiter eingrenzen zu können. Wahrscheinlich sei, dass der Wolf über den Raum Brandenburg an den Niederrhein gekommen sei.

Vor einiger Zeit ist eine weitere Speichelprobe eines Wolfes gesichert worden. Das Tier hat in Schermbeck im Kreis Wesel im April Schafe gerissen. Die DNA wurde analysiert, die Ergebnisse liegen jetzt vor. Die Untersuchung der Proben habe eindeutig bewiesen, dass auch dort ein Wolf für den Tod der Schafe verantwortlich ist.

Ob das Tier in Schermbeck mit dem Wolf im Kreis Kleve identisch ist, ist noch offen. Das sollen jetzt weitere Untersuchungen zeigen, so Deitermann. In der Region hatten sich, wie berichtet, Anfang des Jahres die Berichte über Wolfssichtungen gehäuft. Unter anderem war ein Tier in Rees am Deich fotografiert worden.

„Ob der Wolf aus Kerken auch das selbe Exemplar wie in Rees ist, ist völlig unklar“, sagt Deitermann.Von dem Tier in Rees gebe es nun einmal nur Fotos und keinerlei DNA-Material. Ganz aktuell wurden Wölfe im Raum Ostwestfalen gesichtet. Aber Sichtungen von Wölfen seien nichts Ungewöhnliches. „Es gibt etwa 200 Meldungen im Jahr, ein Prozent davon werden am Ende bestätigt“, so die Erfahrung von Deitermann.

Der DNA-Fund in Kerken war auch der erste Beweis dafür, dass ein Wolf im Kreis Kleve zwei Schafe gerissen hatte. Streng genommen beweise die DNA zwar nur, dass der Wolf ins Fleisch gebissen habe. „Aber der Schluss liegt doch sehr nahe, dass der Wolf auch für den Tod der Tiere verantwortlich sei“, sagt der Lanuv-Sprecher.

Für eine Entschädigung der Besitzer reiche aus, dass DNA eines Wolfes gefunden worden sei. Im Fall von Kerken habe der Eigentümer der beiden Kamerun-Schafe aber ohnehin auf eine Entschädigung verzichtet.