Musikalische Suche nach der Freiheit mit dem Theaterchor Niederrhein

Kultur in Kevelaer : Musikalische Suche nach der Freiheit

1000 Zuschauer im Konzert- und Bühnenhaus in Kevelaer waren begeistert von den zwei Auftritten des Theaterchores Niederrhein. Der hatte sich auch für die optische Präsentation der Stücke eine Menge einfallen lassen.

Mit Gedanken, Liedern und Emotionen zum Thema „Freedom – Freiheit“ hatte der Theaterchor Niederrhein ins Konzert- und Bühnenhaus eingeladen.

Mit insgesamt rund 1000 Zuhörern war die „gute Stube“ an zwei Tagen ausverkauft. „Wir müssen für unsere Freiheit kämpfen,“ meinte der musikalische Leiter Tom Löwenthal. „Gerade in der heutigen Zeit, in denen sich Diktaturen versuchen zu etablieren, wollen wir ein Zeichen setzen.“

Der über 70-köpfige Chor, die Band, Solisten und Gäste nahmen das Publikum im Konzertsaal mit auf eine Reise durch verschiedene Epochen und Stilrichtungen aus aller Welt.

Auf der Suche nach den verschiedenen Bedeutungen des Wortes „Freiheit“ wurden sie in großen Filmmelodien, Musical-Evergreens, afrikanischen Gesängen, Eisler Liedern aber auch in zeitgenössischen Pop-Songs fündig und zelebrierten „des Menschen höchstes Gut“. „Freiheit ist wie eine Melodie, die in den Köpfen schwirrt: Jeder summt sie ein wenig anders.“ Mit dem ausdrucksvollen afroamerikanischen Freiheitslied „Oh freedom“ eröffnete der Chor das bunte, fast zweistündige Programm. Das Bühnenbild zeigte die Sänger zunächst hinter imaginären Gitterstäben, die sich im Laufe des Abends öffneten. Sich nach einem harten Arbeitstag zuhause frei und geborgen zu fühlen, thematisierten schon die Beatles in ihrem legendären „A hard day’s night“.

Sich miteinander so frei zu fühlen, dass man die Kontrolle verliert und dies in „I’m so excited“ freudig beschreibt, oder in Auszügen aus dem Musical „Les Miserables“ eindrucksvoll die Forderung nach Freiheit und Selbstbestimmung zu besingen, damit überzeugte der Theaterchor mit seinen einmaligen Solisten ausdrucksstark, dynamisch, leidenschaftlich, laut, leise, begeistert und kraftvoll.

Sie holten sich den Nachwuchs mit dem Mittelstufenchor des Kardinal-von-Galen-Gymnasiums unter der Leitung von Gianna Barazutti auf die Bühne und erzählten über das Freilassen und Loslassen offen, individuell und motiviert. Dabei hatten Löwenthal und seine Mitwirkenden einen hohen künstlerischen Anspruch, der von choreografischen Raffinessen, für die Peter van Aar und Dorette Ploegmakers verantwortlich zeichneten, verstärkt wurde. „Freiheit in meiner Sprache heißt Libertà“, sang die Italienerin Milva. Die Interpretation von Solisten und Ensemble ließen Bilder der siebziger Jahre wach werden.

Das Publikum spürte die Begeisterung für den Chorgesang und die Gemeinschaft beim Singen. Dabei kosteten die Akteure die ruhigen, intimen Momente der Balladen (Wicked – Wie ich bin) ebenso feinfühlig aus, wie die artistischen Rhythmus-Eruptionen (Footloose). Sie waren teilweise gar nicht zu stoppen in ihrer Begeisterung (Don’t stop me now).

Mit den beiden Bühnenauftritten und dem enthusiastischen Applaus der Besucher waren all die Strapazen der fast einjährigen Proben vergessen und der gemeinsam mit dem Plenum gesungene „Freiheit“-Song von Marius Müller-Westernhagen begleitete alle auf dem Nachhauseweg.

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