Kevelaer: Mit "Work First" schnell wieder arbeiten

Kevelaer: Mit "Work First" schnell wieder arbeiten

Hartz IV kostet die öffentlichen Kassen viel Geld. Spezielle Coaches sollen Hartz-IV-Bezieher schnell wieder fit für den Arbeitsmarkt machen. "Angeleitete Selbsthilfegruppen" gehen im Frühjahr in Kevelaer an den Start. Geld vom Bund.

Langzeitarbeitslosigkeit ist ein Riesenproblem – nicht nur für die Betroffenen, sondern auch für die öffentlichen Finanzen. Die Stadt Kevelaer will dem Thema nun mit einem Projekt begegnen, das Hartz-IV-Bezieher möglichst schnell wieder in Arbeit bringen möchte. Die Idee von "Work First" ist schon vor einigen Jahren als Modellprojekt in anderen Regionen gelaufen. Offenbar so erfolgreich, dass die Stadt Kevelaer jetzt die dazu benötigten "Coaches" einstellt. Marc Buchholz als Sozialdezernent bestätigte der RP, dass Einstellungsgespräche mit qualifizierten Bewerbern geführt würden.

"Einstellen" – das klingt teuer in Zeiten knapper Kassen. Wo Teile der Politik ohnehin über die Kosten des Sozialbereichs klagen. Doch diesmal kann Kämmerer Ralf Püplichuisen Entwarnung geben: "Für diese zusätzlichen Personalkosten gibt es ein Integrationsbudget. Der Bund weist es an, und abgerechnet wird über den Kreis Kleve." Auf die Stadt komme also keine weitere Belastung zu.

Bei "Work First" geht es um die grundsätzliche Überlegung, dass, wer arbeitsfähig ist und Transferleistungen erhält, möglichst schnell wieder sein eigenes Geld verdienen sollte. In einschlägigen Internetforen formulieren Hartz-IV-Betroffene schon ihre Bedenken. Sie fürchten einen "erzwungenen Arbeitseinsatz" und gekürzte Bezüge, wenn jemand ein Arbeitsangebot nicht annehme. Die Niederländer werden als Vorbild des Projekts angesehen – die frühere Arbeitsministerin von der Leyen hatte sich dort schon vor Jahren interessiert umgehört.

Von Arbeitszwang und Repressalien bei fehlender Mitwirkung der Hartz-IV-Bezieher will Buchholz derzeit nicht sprechen. "Wir sehen ,Work First' als ein Hilfeinstrument. Es geht nicht um Druck, sondern darum, dass die Teilnehmer einen Mehrwert darin erkennen, sich um Arbeit zu bemühen." Der Kreis Kleve als Optionskommune managt das Thema Hartz IV in Eigenregie; die einzelnen Kommunen seien näher dran an den Arbeitslosen und potenziellen Arbeitgebern, als es andere Träger wären, so die Überzeugung.

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Wie genau die Motivation der Leistungsbezieher herzustellen ist, darüber soll später informiert werden, wenn die "Coaches" ihre Arbeit aufnehmen. Das soll im April oder Mai so weit sein. "Wir haben in Kevelaer rund 800 prinzipiell arbeitsfähige Personen im SGB II", sagt Buchholz. In Gruppen von zehn bis zwölf Betroffenen sollen sie sich zusammenfinden und an ihrer Situation arbeiten. "Wir denken an eine Art angeleitete Selbsthilfegruppen."

Die Coaches – von ihrer Ausbildung Sozialarbeiter, Pädagogen oder Arbeitsvermittler – werden sich laut Buchholz etwa zwei Monate lang wöchentlich dreimal für drei Stunden mit einer Gruppe zusammensetzen und versuchen, die Probleme konkret anzugehen. Die Kandidaten sollen sich auch gegenseitig unterstützen oder zur Selbstreflexion anregen. Da könne es durchaus auch mal ums persönliche Auftreten gehen, darum, wie man so "rüber kommt".

Daneben stehen natürlich auch die eigentliche Arbeitsplatzsuche und das Bewerbungstraining auf dem Plan.

Die Jobcenter in Goch, Weeze und Uedem denken laut Buchholz ebenfalls intensiv über "Work First" nach. Torsten Matenaers, Sprecher der Stadt Goch, erklärt allerdings, man befinde sich noch "in der internen Abstimmung. Wie, wann und in welchem Umfang wir starten, steht noch nicht fest".

(RP)
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