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Weeze: Mit dem Nachtwächter durchs dunkle Weeze

Weeze : Mit dem Nachtwächter durchs dunkle Weeze

Peter Hendricks führt durch Gassen und die Geschichte des Schreinerdorfes. Dazu eingeladen hatte das Familienzentrum im Franziskus-Kindergarten. Neubürger nutzen das Angebot ebenfalls.

Sein Markenzeichen sind der bodenlange Mantel, die Laterne und vor allem der große Stab. "Hellebarde", erklärt Peter Hendricks, heißt die Stange, die er in der Hand hält. Am Ende des zwei Meter langen Stocks ist ein Beil mit Haken. "Das diente dazu feindliche Reiter vom Pferd zu holen." Es sind Worte wie diese, die die Kinder auf der Tour immer wieder aufhorchen lassen. Peter Hendricks ist ehrenamtlicher Nachtwächter. Die Idee zu einer Tour bei Fackelschein, verbunden mit Erzählungen zur Geschichte Weezes, kommt vom Familienzentrum im Franziskus-Kindergarten. Mit Peter Hendricks haben sie sich den richtigen Mann dafür. "Er ist Ur-Weezer und kennt viele Döntjes", sind sich Ilse Borgmann, Leiterin, und Birgit Weinschenk-Völlings, Erzieherin des Kindergartens, einig. Außerdem bringt er eine gehörige Portion Heimatliebe mit. Die bewies er bereits 1965 mit seinem gedichteten Heimatlied. "Mein Weeze du allein, bist auf der Welt, das schönste Städtelein" lautet der Refrain.

Zurück zur Nachtwächterführung in Weeze. "Eins ist heute anders", beginnt Peter Hendricks seine Tour nach einer kleinen Vorstellung seiner Person. "Wir haben sonst immer Regen gehabt, heute ist es trocken. Danke lieber Gott dafür." Gestartet wird am Cyriakusplatz, Halt gemacht an der Figur, die dem Platz den Namen gibt. "Einer, der dem Herrn gehört", übersetzt Hendricks den Namen des Märtyrers Cyriakus. Zu dessen Füßen ist der Teufel zu sehen, in Schach gehalten durch eine Kette. Daher stamme die Redewendung "In Weeze haben sie den Teufel an der Kette", erklärt Hendricks. Bevor es weitergeht wird die erste Strophe des umgedichteten Nachtwächterlieds gesungen, begleitet vom Trompetenspiel des Enkels von Peter Hendricks. "Hört, ihr Leut', und lasst euch sagen" erklingt es über den Cyriakusplatz, dann erfolgt der Aufbruch in südliche Richtung. Taschenlampen und Martinslaternen der Kinder leuchten auf, abbiegen in die Remmetsstraße. "Benannt ist sie nach dem ehemaligen Bürgermeister August Remmet", erklärt Hendricks. Johannes und Christina Blok sind besonders fasziniert davon, dass sie eigentlich nicht mehr auf Weezer Gebiet stehen, sondern in Wissen. Zumindest bis 1928 war das so. Das Ehepaar Blok ist neu zugezogen und nutzt den Nachtwächterrundgang, um mehr über die Historie zu erfahren.

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An Daten und Fakten gibt es jede Menge an der nächsten Station, der Cyriakuskirche. 1500 schlug der Blitz in den Turm ein. "Das Brandhorn schallte wieder durch Weeze, vielleicht sogar vom Nachtwächter geblasen", sagt Hendricks und meint damit den 6. Mai 1769. Der Turm brannte, sogar die Glocken schmolzen. 1836 schlug wieder der Blitz ein, am 24. Februar 1945 wurde die Kirche von deutschen Soldaten durch einen Luftangriff in Schutt und Asche gelegt.

Weiter geht es zum alten Markt. Hendricks zählt die Riege der Nachtwächter auf, darunter ist auch ein Heinrich Hendricks. "Muss wohl ein Vorfahre sein", sagt er mit einem Schulterzucken. Das Jahresgehalt seiner Kollegen lag bei 48 Talern. In den 1920er Jahre war Albert Hoever der letzte Offizielle, der Dieben bei Nacht den Garaus machte.

Letzte Station des Abends ist die Alte Schmiede. Hendricks erzählt vom letzten Schmied Matthes Kerns und dessen Hund Rigo der in der Pause die Schüler um ihre Butterbrote anbettelte.

Er stimmt spontan das selbst geschriebene Lied "Der Hammerschmied"an und haut auf den Amboss. Applaus. "So schön war es noch nie", lautet das Fazit des Nachtwächters, bevor er in der Dunkelheit der Nacht verschwindet.

(RP)