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Kevelaer: Mit dem "Antanztrick" auf Diebestour

Kevelaer : Mit dem "Antanztrick" auf Diebestour

In Kevelaer und Meerbusch sind fünf Männer aus Nordafrika festgenommen worden, die Fahrgäste im Niersexpress ausgeraubt haben sollen. Untergebracht waren sie in Asylbewerberheimen in der Marienstadt.

Das Vorgehen hört sich kurios an, die Idee dahinter ist kriminell: Eine fünfköpfige Tätergruppe aus Nordafrika soll mit dem "Antanztrick" über längere Zeit im Niersexpress auf Diebestour gegangen sein und Reisende ausgeraubt haben.

Beim "Antanztrick" gehen die Täter in mehreren Schritten vor, wie Uwe Eßelborn von der Bundespolizei erläutert. Zunächst wird ein potenzielles Opfer ausgespäht. Dann geht ein Täter gut gelaunt auf diese Person zu, nimmt sie in den Arm und beginnt ein kleines spontanes Tänzchen. Was die Opfer nicht merken: Während des Tanzes stiehlt der Täter Handy oder Bargeld aus den Taschen. "Dabei wird so geschickt vorgegangen, dass die Opfer davon gar nichts merken und erst später feststellen, dass ihr Geld fehlt", erläutert Eßelborn. Als sich die Fälle von Raubzügen mit Antanztrick im Niersexpress zwischen Kleve und Düsseldorf häuften, wertete die Bundespolizei zahlreiche Videos von Überwachungskameras der Nordwestbahn aus.

Ins Visier geriet dabei eine fünfköpfige Tätergruppe aus Nordafrika. Seit Mai liefen die Ermittlungen, jetzt schlugen die Fahnder zu. Sie nahmen drei der Männer in Asylbewerberheimen in Kevelaer fest, zwei weitere in Meerbusch. Auch sie leben eigentlich in den Heimen in Kevelaer, hatten zur Zeit der Festnahme aber Bekannte in Meerbusch besucht.

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In den Unterkünften stellten die Beamten umfangreiches Beweismaterial fest. Zur genauen Schadenshöhe konnte Eßelborn noch keine Angaben machen. Zum Diebesgut gehörten zahlreiche hochwertige Handys. Die Täter seien sehr professionell vorgegangen und hätten die Aufgaben genau verteilt. Sie sollen auch schlafende Reisende im Zug ausgeraubt haben.

Gegen die fünf Männer im Alter von 17 bis 29 Jahren hat die Staatsanwaltschaft Kleve jetzt Haftbefehl erlassen. Die Ermittlungen dauern an.

Die Männer erwartet wohl eine Gerichtsverhandlung. Auf das Asylverfahren habe das keinen Einfluss und sei davon erst einmal völlig unabhängig, hieß es.

Ein solcher Fall von Kriminalität sei im Kevelaerer Asylheim die absolute Ausnahme. "Natürlich gibt es auch bei uns ab uns zu kleinere Straftaten, aber kriminelle Handlungen dieses Ausmaßes sind hier bislang nicht vorgekommen", sagt Ludger Holla von der Stadt Kevelaer. Es handle sich um einen Einzelfall. Die Gruppe sei auch vorher nicht auffällig gewesen. Als die Kommune von den Ermittlungen der Polizei erfahren habe, sei man völlig überrascht gewesen.

Mitgeholfen bei der Aufklärung haben die Aufzeichnungen der Kameras im Niersexpress. "In jedem unserer Züge gibt es Videokameras", erläutert Maik Seete, Sprecher der Nordwestbahn. Die Bänder würden aber normalerweise nach 24 Stunden gelöscht und überspielt. Ausnahmen seien Straftaten, dann fordere die Bundespolizei die entsprechenden Aufnahmen an. Das war auch in diesem Fall geschehen und hatte schließlich zur Festnahme der fünf Männer geführt.

(RP)