Kevelaer: Mission Maulwurf: Bauhof unterwegs

Kevelaer : Mission Maulwurf: Bauhof unterwegs

Auf einigen Sportplätzen in Kevelaer sorgen Erdhügel für Stolpergefahr. Johannes Baaken vom Baubetriebshof kennt das saisonale Probleme. Das einzig erlaubte Mittel sind Lebendfallen.

Putzig sehen sie aus, und dennoch bringen sie gestandene Männer zum Straucheln: Maulwürfe. Beim Kevelaerer Betriebshofleiter Johannes Baaken kommen Meldungen rein von Trainern, die auf die Verletzungsgefahr, sprich Umknicken beim Stolpern über Maulwurfshügel, hinweisen. Auf Sportplätzen sind die possierlichen Tierchen nicht gerne gesehen. Die Sportanlage bei Scholten, die frei bespielbare Fläche, ist zurzeit voll davon. Mitarbeiter des Bauhofs begradigen die Fläche mit Schleppnetzen.

Jedes Jahr sei es das gleiche Phänomen, sagt der Betriebshofleiter. Kaum verabschiede sich der Winter, beginnt der Maulwurf mit seiner Arbeit. In diesem Jahr wurden bereits Lebendfallen aufgestellt, um die Bewohner unter der Erde einzufangen. "Das ist die einzig legale Methode", weiß Baaken. Denn Maulwürfe stehen unter Naturschutz. Sitzt das Tier in der Falle, kann es, ohne dass es angefasst werden muss, an anderer Stelle wieder in die Freiheit entlassen werden. In der Praxis findet der Maulwurf am Waldrand ein neues Zuhause. Tricks, wie den Maulwurf mit Radiowellen zu vertreiben, hält Baaken dagegen für unwirksam. "Maulwürfe verlassen nicht aufgrund der Musik eines bestimmten Senders ihre Stätte."

Willi Verheien, Vorsitzender vom SV Winnekendonk, ist froh, dass die schöne neue Sportstätte im Golddorf bisher verschont blieb. "Das kann am sandigen Aufbau liegen und dass der Maulwurf dort nichts zu fressen findet", vermutet Baaken. Theo Mohn vom Nabu muss die Hoffnung des Betriebshofleiters leider enttäuschen. "Maulwürfe lieben sandige Böden", sagt Mohn, "weil sich da leichter wühlen lässt." Allerdings müsse der Gärtner genau unterscheiden, ob es sich bei dem Hügelaufwerfer um einen Maulwurf oder Wühlmäuse handelt, denn auch die bilden Hügel, meistens in ganzen Kolonien. Während der Maulwurf ein reiner Insektenfresser ist und auch Schädlinge wie Engerlinge und Drahtwürmer vertilgt, fressen Wühlmäuse die Wurzeln an.

Unter Naturschutz wurden die Maulwürfe gestellt, weil sie über Jahre wegen ihres samtigen Fells gejagt wurden. "Für einen Mantel brauchte es tausend Maulwurffelle", so Mohn. Mit den fehlenden Maulwürfen hatten die Bauern aber mehr Schädlinge im Boden. So gesehen sind die Tiere nützlich. "Auf Sportplätzen sind Maulwürfe natürlich unpraktisch", gibt der Kevelaerer Naturschützer zu.

Ärgerlich finden auch viele Gartenbesitzer das Tier, wenn es den Rasen in eine Mondlandschaft verwandelt. "Die meisten wollen die loswerden", weiß Landschaftsgärtner Markus van Boom. Einen Geheimtipp gebe es aber nicht. In der Nachbereitung rät er die Löcher mit einem Sand-Erde-Gemisch auszugleichen und Rasen neu zu säen. "Es gibt außerdem Rollrasenhersteller, die schon einen Draht integriert haben", so der Experte.

Auch Johannes Baaken vom Kevelaerer Betriebshof kennt die Möglichkeit Draht-oder Kunststoffmatten etwa 60 Zentimeter unter die Erde einzulassen und zehn bis 20 Zentimeter überirdisch, um eine Barriere zu bauen. "Das wäre aber ein erheblich technischer Aufwand", sagt er mit Blick auf die Sportplätze.

(bimo)
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