Kevelaer: "Mein Kopf war wie in Watte verpackt"

Kevelaer: "Mein Kopf war wie in Watte verpackt"

Karl-Heinz Baaken hatte vor drei Jahren einen Schlaganfall. Ein Ereignis, das sei Leben grundlegend veränderte. Über seine Erfahrungen hat er ein Buch geschrieben, das er jetzt in Achterhoek vorstellte.

Mit einer weiteren Wohnzimmer-Lesung hat der Verein NuK "Natur und Kultur im Achterhoek" auf sich aufmerksam gemacht. Im Haus seines Bruders hat der Autor Karl-Heinz Baaken sein Buch "...und danach kommt die Angst" als persönlichen und emotionalen Erlebnisbericht über seinen erlittenen Schlaganfall und die Angst danach vorgestellt.

Amüsant begann die Einführung durch Johannes Baaken. Ehefrau Petras Adventsglöckchen hatte die Ehre, den Leseabend einzuleiten. Als einer der über 30 Freunde, Vereinsmitglieder und Gäste "Lauter!" rief, konterte er: "Hasse dein Hörgerät nicht drin?"

Johannes beschrieb die gemeinsame Kindheit nebenan augenzwinkernd: "Auch wenn das hier Hungerwolf heißt: Wir sind nicht armselig, aber bescheiden aufgewachsen." Den anwesenden Eltern machte er noch einmal deutlich, dass sie "Teilen, Pünktlichkeit und Verlässlichkeit" vermittelt haben. Die "Verbrüderung" ist gekennzeichnet durch dieselbe Blutgruppe, Schalke-Anhängerschaft und die Liebe zur plattdeutschen Sprache. Wie viele andere hat Johannes Baaken seinen Bruder im Krankenhaus mit Floskeln versucht, aufzubauen: "Halb so schlimm, Glück im Unglück, wird schon wieder werden." Aber genau diese Besuche mit coolen Sprüchen haben Karl-Heinz Baaken aufgemuntert und geholfen. Mitte Juli 2014, als der damals 55-Jährige vom Spätdienst bei der Deutschen Bundesbahn heimkam, traf ihn der Schlag. Durch das beherzte Eingreifen seiner Frau Gabi, wurde vermutlich das Schlimmste verhindert. Nach Wortfindungsstörungen, nicht mehr Rechnen können und Beeinträchtigungen der linken Hand hat sich der heutige Nichtraucher mühsam wieder zu einem gesunden Menschen mit kleinen Einschränkungen entwickelt. Ein Psychologe forderte ihn auf, seinen Entwicklungsbericht niederzuschreiben, um sich auch den Ängsten zu stellen. Aufmerksam folgten ihm die Zuhörer in die Welt der Krankenhäuser, Behandlungszimmer und in die Rehaklinik. Bildhaft schilderte Baaken seine Erlebnisse: "Mein Kopf war wie in Watte gepackt, und ich kam mir vor wie ein Neandertaler." Sein eingeschränktes Sehfeld hielt lange an und seine Gedankenachterbahn ließ sich nicht anhalten. Am Ende der authentischen Lesung verpackte der Autor mehrere Botschaften in die Aufforderung, sein Buch zu lesen: "Alleine schafft man's nicht" und "Kein Schlaganfall gleicht dem anderen". Er möchte Mut machen und zollt allen helfenden Menschen Respekt. Dankbar ist er seiner Frau Gabi, die ihn zurück ins Leben geholt hat.

Das Buch von Karl-Heinz Baaken "...und danach kommt die Angst" ist in allen Buchhandlungen unter der ISBN 978-3-744813907 für 10 Euro erhältlich.

(list)
Mehr von RP ONLINE