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Kevelaer: Manchmal brauchen Helfer selbst Hilfe

Kevelaer : Manchmal brauchen Helfer selbst Hilfe

Polizei und Feuerwehr können nach emotional besonders belastenden Einsätzen psychosoziale Hilfe bekommen. Auch Notfallseelsorger kümmern sich auf Wunsch um die Kollegen und - wie in Kevelaer - um die Angehörigen von Opfern.

Nicht nur die Bürger sind schockiert - auch einigen Kevelaerer Polizeibeamten und Feuerwehrleuten dürfte diese Woche nicht so schnell aus dem Gedächtnis verschwinden: Zwei schwere Unfälle an zwei Tagen an derselben Stelle, zwei tote Frauen,weitere Verletzte. Wer jeweils in der Mittagszeit Dienst oder Rufbereitschaft hatte, düfte irgendwie beteiligt gewesen sein. Wie gehen die Einsatzkräfte mit solchen Situationen um? Wer hilft ihnen, wenn es richtig hart wird? Die RP hakte nach.

Manfred Jacobi, Pressesprecher der Kreispolizei, weiß aus langjähriger Praxis, dass es für Beamte unterschiedlich schwer ist, mit dem Tod und schlimmen Anblicken umzugehen. Ohne Frage waren die beiden Unfälle an der Wember Straße in Kevelaer solche Anlässe. Besonders der erste, der zwei niederländische Frauen das Leben kostete. Es waren Mutter und Tochter, wie inzwischen bekannt ist. Beide hinterlassen Ehemänner, die jüngere noch dazu vier Kinder im Alter von 13 bis 17 Jahren.

"Es waren vier Opferbetreuer im Einsatz, jeweils ein deutscher und ein niederländischer Kollege", erklärt Jacobi. Er weiß, dass Angehörige möglichst alles über den Unfallhergang und die Örtlichkeit, an der das Schicksal zugeschlagen hat, wissen wollen, auch vermeintliche Kleinigkeiten. So sind sie ihren Lieben noch einmal ganz nahe, bevor der Schmerz so richtig zu ihnen durchdringt. "Je besser der Beamte im Bilde ist, um so mehr Sicherheit und Stütze kann er bieten." Auf Wunsch könne auch ein Geistlicher vermittelt werden.

Helfer nach einem Unfallort irgendwo in NRW: Manchmal nimmt es die Ehrenamtler so mit, dass sie anschließend selbst Unterstützung und Beistand brauchen. Besonders dann, wenn ein fast identischer Unfall an zwei aufeinanderfolgenden Tagen passiert. Foto: Staniek

Seelische Unterstützung steht auch für die Polizisten, Feuerwehrleute und sonstigen Hilfskräfte bereit - wenn sie es denn wünschen. "Die Dienstvorsitzenden sind da sensibilisiert und erkennen, wann sie jemandem professionelle Hilfe anbieten sollten", berichtet Jacobi. Gezwungen, sie anzunehmen, werde aber niemand. Die belastenden Situationen, bei denen das Psychosoziale Unterstützungsteam (PSU) einspringe, seien übrigens nicht immer diejenigen mit Toten. "Manchmal ist es eine verwandtschaftliche Konstellation, ein gleicher Geburtstag oder ein verletztes Kind, das ans eigene erinnert - das ist individuell sehr unterschiedlich."

Auch Feuerwehrleute werden nicht mit allem, was sie sehen, direkt fertig. Oder vergessen Geglaubtes holt sie nach längerer Zeit unerwartet wieder ein. "Dann können auch wir auf die Notfallseelsorger zurückgreifen", sagt Kevelaers Wehrführer Georg Metzelaers. Es komme eher selten vor, dass die Kollegen (allesamt Ehrenamtler) danach fragten. Natürlich werde aber untereinander intensiv gesprochen. Im aktuellen Fall auch über das Warum. "Wir wollen jetzt vor allem erfahren, was an dieser Ecke los ist. Aber das herauszufinden und Maßnahmen zu entwickeln ist Sache von Polizei, Sachverständigen und Unfallkommission."

Willi Hanenberg vom Rettungsdienst des Kreises ist ebenfalls froh darüber, dass es Notfallseelsorger gibt. Und ihre Dienste ab und zu auch intern genutzt werden.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Zwei Tote bei Unfall in Twisteden

(RP)