Mainzer Bischof Peter Kohlgraf eröffnet die Wallfahrt 2019 in Kevelaer.

Religiöses Brauchtum : Kevelaer läutet die Wallfahrtszeit ein

Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf öffnet die Pilgerpforte der Basilika. Er appelliert an die Nächstenliebe der Menschen. Christen aus Nah und Fern pilgerten zur Marienbasilika.

Vor dem Eingang der Basilika platzierten sich zahlreiche Fahnenträger der Kolpingsfamilien aus Nah und Fern. Acht Ritter und vier Ordensdamen des päpstlichen Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem warteten vor der Sakramentskapelle zusammen mit Bürgermeister Dominik Pichler auf die Eröffnungsfeier – das Pontifikalamt – der Wallfahrtszeit in Kevelaer.

Wer sind die Ordensgäste? Einer von 1460 Ordensmitgliedern in Deutschland ist Rechtsanwalt Thomas Brüggemann aus Dinslaken. Der Orden habe im Jahr 1380 seine Ursprünge, erklärt er. Papst Pius IX. habe die Gruppierung später im 19. Jahrhundert zusammengebracht. Die Ordensmitglieder teilen nun seit Generationen einen gemeinsamen Auftrag: sich um die Christen und ihre Zukunft zu kümmern. Dass man anderen Menschen und seinen Nächsten in Stunden der Trauer und des Leids Trost spenden sollte, das war auch die zentrale Nachricht in der späteren Predigt des Mainzer Bischofs Peter Kohlgraf zur Eröffnung der Wallfahrtssaison.

 „Öffnet die Tore eures Herzens Christus, dem Erlöser.“ Mit diesen Worten auf Deutsch, Niederländisch und Lateinisch wurde von ihm das Pilgerportal der Marienbasilika geöffnet. Ein von epischer Blasmusik gefolgter Trommelwirbel ließ hunderte Besucher gespannt auf den Einzug der Kolping-Fahnenträger aus ganz NRW und des Mainzer Bischofs schauen. Nach einem Meer aus orange-weißen Fahnen schritten die Damen und Herren des päpstlichen Ritterordens in weißen beziehungsweise schwarzen Gewändern mit rotem Kreuz in Richtung Altar. Hinter ihnen folgte der Mainzer Bischof zusammen mit weiteren Gläubigen im rein-weißen Gewand mit blauen Verzierungen. Er schritt vor den Altar und verneigte sich.

Links neben dem Altar befanden sich der Chor und das Orchester der Basilika. Zusammen mit dem Münsterchor St. Vitus Mönchengladbach wurde die Eucharistiefeier unter der Leitung von Chordirektor Romano Giefer mit der „Messe solennelle“ (op. 16) von Louis Vierne musikalisch gestaltet.

Der Leitgedanke für die Wallfahrtszeit 2019 lautet: „Herr, wohin sollen wir gehen?“ (aus der Bibel, Johannesevangelium Kapitel 6 Vers 68). In der Tat steht die Kirche vor enormen strukturellen Herausforderungen. Dies hatte der Generalvikar des Bistums Münster, Klaus Winterkamp, auf der jüngsten Kreisdekanatsversammlung im Kevelaerer Priesterhaus anklingen lassen.

Der 52-jährige Bischof Kohlgraf war in jungen Jahren mit seiner Kölner Kirchengemeinde häufig zu Gast in Kevelaer. Viele Kindheits- und Jugenderinnerungen verbindet er mit der Wallfahrtsstadt.

Als er das Wort ergriff, rief er die anwesenden Christen zunächst zum gemeinsamen Beten des Schuldbekenntnisses auf. In einer anschließenden Rede sprach er von der wichtigen Fähigkeit, anderen Menschen Trost zu spenden: „Trost brauchen alle, die keine Hoffnung haben und keine Zukunft für sich sehen“, sagte er. Die Bedeutung, anderen Menschen ein offenes Ohr zu schenken, habe eine heilende Wirkung.

Dies bestätigte auch einst der Schweizer Psychiater und Begründer der analytischen Psychologie Carl Gustav Jung, informierte der Mainzer Bischof. Seine Forschungen ergaben, dass der Heilungsprozess vorangetrieben wird, wenn man betroffenen Menschen zuhört und Einfühlungsvermögen beweist.

Als trostspendendes Vorbild dient Jesus Christus. Auch er habe seinen Mitmenschen stets Aufmerksamkeit, Liebe und Zuwendung geschenkt – diese Werte der Menschlichkeit gehören für ihn zu den Tugenden eines jeden Christenmenschen.

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