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Landwirtschaftsverband besorgt über die Wölfe

Unruhe unter Züchtern wächst : Landwirtschafts-Verband besorgt über die Wölfe

Der Rheinische Landwirtschafts-Verband (RLV) zeigt sich angesichts der weiteren Ausbreitung von Wölfen in der Region äußerst besorgt. Wie berichtet, ist inzwischen in der Region ein zweiter Wolf gesichtet worden.

Mancher vermutet gar, dass es bereits Nachwuchs am Niederrhein geben könnte. Im Rhein-Sieg-Kreis sind Wolfswelpen bereits bestätigt.

„Mit jeder neuen Sichtung oder gar Rissen wächst die Sorge unserer Tierhalter“, erklärt RLV-Präsident Bernhard Conzen. Die Rückkehr eines Wildtieres nach NRW ist laut Conzen ein Zeichen dafür, dass in den vergangenen Jahren vieles richtig gemacht wurde. „Es geht nicht darum, dass wir Landwirte pauschal etwas gegen den Wolf haben – doch es ist schwer zu ertragen, dass das Wohl eines einzelnen Tieres über das vieler Weidetiere gestellt wird. Der Wolf ist kein Kuscheltier.“

Seit am Niederrhein das erste Wolfsgebiet in NRW ausgewiesen wurde, kam es immer wieder zu Nutztierrissen durch die zugewanderte Wölfin, bei einigen Schafhaltern sogar wiederholt. Unweit der deutsch-belgischen Landesgrenze wurde zudem jüngst ein Wolfsangriff auf Schafe von den belgischen Behörden bestätigt, im benachbarten Eifelkreis Bitburg-Prüm wiesen die Ergebnisse einer DNA-Probe nun sogar den Riss von zwei Kälbern nach.

Umso mehr stellen sich mit dem Nachweis von Wolfsnachwuchs laut RLV drängende Fragen aus Sicht der Tierhalter: „Wird ein ausgewachsenes Rudel anders jagen als ein Einzeltier? Lernen die Wölfe voneinander, Zäune zu überspringen? Folgen auf gerissene Kälber bald auch größere  Tiere?“

Die Sorge sei begründet: So wurden, wie das niedersächsische Umweltministerium Ende Juni bekannt gab, zwei Hannoveraner Pferde im Landkreis Nienburg von Wölfen gerissen. Zeitgleich bestätigte das Oberverwaltungsgericht des Landes im Fall zweier auffälliger Wölfe die Einschätzung des Ministeriums, dass diese weiterhin in mit zumutbaren Herdenschutzmaßnahmen gesicherte Schafsherden eindringen und diese Jagdtechnik möglicherweise auch an andere Wölfe weitergeben würden.

Zum Schock, der Ohnmacht und dem oft auch emotionalen Verlust komme die Angst der Tierhalter vor Panikfluchten der angegriffenen Tiere. „Wer möchte schon gerne einen Zusammenstoß mit einem Rind oder einem Pferd erleben?“, fragt Conzen auch angesichts der hohen Verkehrsdichte in NRW. Nach Auffassung des RLV-Präsidenten ist es nicht mit einem Hinweis auf Herdenschutzmaßnahmen getan, zumal nur die Materialkosten gefördert werden, Folgekosten - etwa für Aufbau und Unterhaltung von Schutzzäunen - bleiben völlig unberücksichtigt. „Herdenschutz ist eine Sache, ein Rüstungswettlauf mit immer höheren Zäunen kann aber nicht die Lösung sein. Zumal wir damit auch die Landschaft für Rehe und andere Wildtiere durchschneiden“, erklärt Conzen. Erfahrungen wie aus Niedersachsen zeigen vielmehr, dass Problemwölfe konsequent entnommen werden müssen.  Perspektivisch gefragt sei eine aktive Regulierung des Wolfsbestandes.

(RP)