Kunstsalon bei Bettina Hachmann auf Schloss Wissen

Kunst auf Schloss Wissen: „Ich kann nicht ohne diese Kunst leben“

Bettina Hachmann öffnete ihr Atelier auf Schloss Wissen für Gäste und Kollegen. Im Kunstsalon hatten die Besucher Gelegenheit, sich die aktuellen Ausstellungen anzusehen. Denkanstöße gab eine Lesung mit Adriana Kocijan.

Bettina Hachmann öffnet zum dritten Mal ihr Atelier für Gäste und Kollegen. Ihr Konzept des Kunstsalons umfasst die Idee, einen Ort zu schaffen, an dem es Lesungen, kleine Konzerte und Vorträge gibt. Der Kunstsalon, der seinen Ursprung in den 20er Jahren hatte, soll auch in diesem Jahrhundert nichts von seiner Wirkungskraft verlieren. Auf Schloss Wissen wird dazu noch das perfekte Ambiente geboten. Hier im Atelier von Bettina Hachmann soll gefragt, diskutiert, gezweifelt, gesucht und gefunden werden. Die aktuelle Ausstellung bietet ausreichend Anreize dazu. Unter dem Arbeitstitel „Gegensätze“ finden sich Werke von Edelgard Wittkowski und eben Bettina Hachmann. Mit knalligen Farben von Magenta bis Indisch-Gelb wirken die großflächigen Bilder von El Wit, wie sich Edelgard Wittkowski kurz nennt, wie Magneten an denen die Augen automatisch hängen bleiben. Trotz der Dichte der Farben bieten ihre Bilder noch Platz für eigene Inspiration und Interpretation. Durch die Technik der Schüttung, entstehen fragile Elemente, die das Auge fokussieren will. Die Bilder sollen einen Weltengarten abbilden, der das Wachstum widerspiegelt. Dazu zieht El Wit die Farblehre von Goethe hinzu.

Bettina Hachmanns Bilder wirken im Gegensatz dazu zunächst einmal milder und ruhiger. Die meist in Grautönen gehaltenen Bilder wirken auf eine ganz andere Weise. Kontraste und feine Abstufungen laden den Betrachter ein, näher zu treten, um sich dann auch wieder von dem Bildern entfernen zu müssen. Bettina Hachmann versteht es, ihren Bildern immer eine offene Note zu geben. Die meist mit 15 Farbschichten bearbeiteten Bilder zeigen feine Linien, die wie Blitze wirken, die kraftvoll durch das Bild ziehen. Auf anderen Werken finden sich Öffnungen, die in das Innere der Leinwand schauen lassen. Das Öffnen neuer Dimensionen, das Schauen auf das was sich dahinter befindet, ist Bettina Hachmann ein Anliegen. Denn durch ihre Bilder begegnet sie immer wieder Menschen die von ihren Werken berührt sind. Die Emotionen, die dabei entstehen, sind oft die Grundlage für wertvolle Gespräche. Diese finden nicht nur zwischen Gästen statt, sondern auch unter den Künstlerinnen und Künstlern. Denn bei Bettina Hachmann gibt es keinen Konkurrenzgedanken. Die Solidarität und das freundliche und helfende Miteinander schaffen die besondere Atmosphäre im Kunstsalon. Netzwerke schaffen, statt wie eine Spinne ein Fangnetz zu spinnen, das ist die Idee, die hier gelebt wird.

Mit dieser positiven Einstellung ist es Bettina Hachmann auch gelungen, einen begehrten Platz als One-Art-Show-Act auf der Kunstmesse Art-Karlsruhe mit der Galerie Bernd Bentler am 20. Februar zu erhalten. Wie ein Künstler seine Kunst versteht und wie er sie lebt, ist auch immer wieder ein großes Thema. Oft wird die Frage gestellt, ob man denn von der Kunst leben kann. Bettina Hachmann hat darauf nur eine Antwort: „Ich kann nicht ohne diese Kunst leben.“

Am Abend gab es dann noch eine Lesung. Die Schauspielerin Adriana Kocijan hatte eine lustvolle und humorvolle Reise durch die Literatur zum Thema Leben und Sterben ausgearbeitet. Dabei waren Autoren wie Mascha Kaleko („In meinen Träumen läutet es Sturm“), Else Lasker-Schüler („Wir Beide“) oder Gedichte von Rose Ausländer vertreten. Zu Beginn stellte Adriana Kocijan unbequeme, nachdenkliche, bohrende, kindliche oder auch philosophische Fragen zum Thema Tod. Ganz egal ob es nun ein Gedicht oder ein Auszug aus einem Roman war, Adriana Kocijan verstand es, ihre Stimme und ihren Körper dabei perfekt einzusetzen. So prasseln die Worte zum „Totenkuchen“ in bedrückend, detailreicher Form auf einem herab, um im nächsten Moment aus dieser begossenen Haltung von einem fröhlichen: „Es ist ein fröhlich Ding zu sterben“ herausgerissen zu werden.

Wiederkehrende Fragen, setzten sich beim Zuhörer fest und ließen einen nicht mehr los. Denn: „Der Sterbende nimmt die Welt mit! Aber wohin?“ Feine akustische Untermalungen ließen den Zuhörer kurz verschnaufen.

Nach der Lesung suchten viele das Gespräch mit Adriana Kocijan. Wer sich ihre Lesung noch einmal anhören möchte, kann das am Sonntag, 17. Februar, um 19 Uhr im Buena-Vista-Culture-Club in Moers tun.

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