Kriminelle lösen Radmuttern in Kevelaer

Kriminalität : Kriminelle lösen Radmuttern

Die Fälle häufen sich. Immer öfter bemerken Autofahrer, dass an ihren Wagen manipuliert wurde. In Kervenheim lösten Unbekannte jetzt sogar sämtliche Schrauben. Die Polizei ermittelt und spricht von einer Serie.

Es ist die Horrorvorstellung jedes Autofahrers: Während der Fahrt beginnen plötzlich die Räder zu eiern, bis sich ein Reifen selbstständig macht, weil Unbekannte die Radmuttern gelöst haben. Im angrenzenden Kreis Wesel haben sich solche Fälle in den vergangenen Wochen gehäuft. Die Beamten sprechen inzwischen von einer Serie und haben das Thema zur Chefsache gemacht.

Und auch im Gelderland häufen sich die Fälle. Im August gab es zwei Vorfälle in Issum, einen in Sevelen und einen in Kevelaer, im Juli waren auch in Weeze Radmuttern gelockert worden. Jetzt gibt es auch einen Fall in Kervenheim, der laut Polizei Wesel durchaus in das Schema passt zumal Kervenheim auch in der Nähe zu Sonsbeck und Alpen liegt, wo sich solche Ereignisse häuften.

In Kervenheim haben Unbekannte die Radmuttern an einem alten VW Bus gelöst. Der Wagen stand zu Werbezwecken während der Kervenheimer Kirmes im Ort. Als der Fahrer am 24. August den Bus wegfuhr, bemerkte ein nachfolgender Wagen, dass ein Reifen eiert. Der Bus stoppt sofort. Bei der Kontrolle stellte man fest, dass an allen vier Rädern die Muttern gelöst waren. Zwei Reifen waren bereits kurz davor, sich vom Wagen zu lösen. das hätte böse Folgen haben können. Besonders perfide: Die bislang unbekannten Täter hatten die Radkappen nach dem Lösen der Muttern wieder befestigt. So war gar nicht zu erkennen, dass die Muttern locker waren.

Jetzt sucht die Polizei nach Zeugen. Im Nachbarkreis hat die Polizei bereits elf Fälle innerhalb eines Jahres registriert. Seit dem Sommer häufen sich die Delikte. Die Dunkelziffer liege sogar sicher noch höher, so Polizeisprecher Daniel Freitag. Schließlich zeige nicht jeder einen solchen Vorfall an. Er wisse, dass es nach Auskunft einer Werkstatt allein dort mehr als zehn Fälle gegeben hat.

Die Beamten nehmen das Thema sehr ernst, die Streifen sind sensibilisiert und verstärkt unterwegs, auch in zivil. „Das Problem ist, dass eine solche Tat extrem gefährliche Folgen haben kann, aber die Ermittlungen sehr schwierig sind“, sagt Freitag. Denn Radmuttern könne jeder schnell lösen und sich dann aus dem Staub machen. Freitag hält es durchaus für denkbar, dass die Fälle aus Gelderland und dem Raum Xanten, Alpen und Sonsbeck zusammenhängen. Ob hier ein Einzeltäter oder eine Gruppe unterwegs sei, darüber könne man nur spekulieren.

Er appelliert an die Bevölkerung, sofort die Polizei zu verständigen, wenn etwas Verdächtiges beobachtet wird. Die Zeugen sollten dann die 110 wählen, weil die Polizei so die Möglichkeit hat, sofort zu sehen, welche Beamten in der Nähe des möglichen Tatortes sind.

Nach der Häufung der Vorfälle rät die Polizei allen Autofahrern, die im Raum Alpen, Sonsbeck und Xanten sowie angrenzenden Orten wohnen, regelmäßig zu kontrollieren, ob die Radmuttern noch fest sitzen. Also sollten auch Kevelaerer und Issumer besser mal nachsehen, ob alles in Ordnung ist.

Am besten solle man Autos in die Garage oder an gut beleuchteten Orten abstellen. Es gebe auch die Möglichkeit, abschließbare Radmuttern anzuschaffen, die dann nicht mehr gelöst werden können.

Die Kreispolizei Kleve weist darauf hin, dass es sich bei den Vorfällen um Straftaten handelt. Das Lösen von Radmuttern ist ein „gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr“. Wie gefährlich das werden kann, erlebte ein Mann aus Xanten. Das linke Vorderrad hatte sich vollständig gelöst und im Radkasten verkeilt. Es kam zum Unfall. Der Mann kam mit dem Schrecken davon, der Schaden am Auto aber war erheblich. Der Schweller war verbogen, Bremsscheibe und Querlenker defekt, der Kotflügel beschädigt, die Felge hinüber.

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