Köln: Nach Sturz vom Partyschiff - Mutter glaubt an ein Verbrechen

Monique aus Kevelaer: Tod der Tochter lässt Mutter nicht ruhen

Monique starb in der Silvesternacht vor drei Jahren beim Sturz aus dem Fenster eines Partyschiffes in Köln. Die Staatsanwaltschaft geht von einem Unglück aus. Die Mutter ist sicher, dass ihre Tochter über Bord gestoßen wurde.

Das Video berührt. Freunde singen für Monique, erinnern an die 32-Jährige, die vor drei Jahren ums Leben kam. "Ich vermiss dich jeden Tag, nun hat dich der Himmel gewonnen", heißt es dort. Ein Text, der unter die Haut geht. Auch Moniques Mutter Hannelore Jennen ist tief bewegt, wenn sie sich den Film ansieht, der bei Youtube im Internet steht. Gleichzeitig wühlen die Bilder die Erinnerungen wieder auf. Das Video ist für sie der Anlass, noch einmal an die Öffentlichkeit zu gehen. Sie will, dass der Fall wieder aufgerollt, der Tod noch einmal untersucht wird.

Der Vorfall hat vor drei Jahren für Schlagzeilen gesorgt. Die 32-jährige Monique aus Kevelaer hatte mit Freunden an Bord eines Partyschiffes in Köln Silvester gefeiert. Im Laufe des Abends fiel sie über Bord und kam dabei ums Leben. Die Staatsanwaltschaft stufte den Fall schließlich als Unglück ein. Hannelore Jennen dagegen geht davon aus, dass ein Bekannter ihrer Tochter für den Tod verantwortlich ist.

Hannelore Jennen hat viele Unterlagen zum Tod ihrer Tochter zusammengetragen. In den Akten gibt es ihrer Ansicht nach eine Reihe von Ansätzen, um den Fall neu zu untersuchen. Foto: Latzel

Den Mann habe sie einige Zeit vor der Silvesternacht kennengelernt, sich mehrmals mit ihm getroffen und dann gefragt, ob er nicht mit zu der Party kommen wolle. 14 Leute gehörten damals zu der Clique, die auf dem Schiff feierte. Der Bekannte habe Monique den ganzen Abend bedrängt, habe sie festgehalten und geklammert, dabei seien sie gar kein Paar gewesen.

Als der Mann schließlich mit einer Freundin in Streit geriet, weil er ihr Sekt über die Bluse geschüttet hatte, habe sich auch Monique eingeschaltet. Der Streit sei eskaliert. Monique habe gesagt: "Wir haben keine Zukunft." Dann sei es laut geworden, würden Freunde berichten, auch von einem Handgemenge ist die Rede. Zeugen hätten gehört, dass Monique "Verpiss dich" zu dem Bekannten gesagt habe. Plötzlich hätten Zeugen gesehen, dass Monique rückwärts aus dem Fenster gestürzt sei.

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Was sich genau abspielte, ist offen. Die Ermittlungsbehörden gehen davon aus, dass Monique ausgerutscht und aus dem Fenster gefallen ist. Aus Sicht der Mutter sei das bei dem kleinen Fenster unmöglich gewesen. Sie geht davon aus, dass der Bekannte ihre Tochter getreten und geschlagen habe. Dann habe er sie aus dem Fenster gestürzt, weil er Angst vor der Rache der Freunde gehabt habe.

Sie hatte damals die Polizei über ihren Verdacht informiert. Es war auch ermittelt worden, das Verfahren wurde aber eingestellt. Hannelore Jennen möchte jetzt, dass der Fall noch einmal geprüft wird. Es gebe einige Ungereimtheiten. Ihre Tochter habe überall blaue Flecken gehabt, die könnten nicht vom Sturz in das Wasser stammen. Auch zwei Zähne fehlen, Nase und Jochbein waren gebrochen. Im Obduktionsbericht ist das belegt. Auch dort ist davon die Rede, dass für die Verletzungen neben einem Sturz auch "ein kräftiger Schlag gegen das Gesicht" in Frage komme. Hannelore Jennen möchte, dass die offenen Fragen geklärt und weitere Zeugen gehört werden. Immer wieder habe sie bei der Staatsanwaltschaft nachgehakt, passiert sei nichts. Jetzt wolle sie noch einmal einen Versuch unternehmen. "Es geht mir nicht um Rache, ich will einfach mit dem Thema abschließen", sagte sie, auch wegen ihrer Enkelin, die immer wieder frage, wie ihre Mutter denn gestorben sei. "Selbst wenn jetzt nichts passiert, habe ich es zumindest versucht", sagt sie.

Das Foto aus den Polizeiakten zeigt die Stelle, an der die junge Frau aus dem Schiff fiel. Foto: Latzel

Bei der Polizei Köln, die damals den Fall untersucht hat, verweist ein Sprecher darauf, dass man keine Angaben in der Sache machen könne. Die Ermittlungen seien an die Staatsanwaltschaft übergeben worden, nur die dürfe Auskünfte geben. Oberstaatsanwalt Ulrich Bremer sagt auf Anfrage unserer Redaktion, dass es derzeit keine Hinweise gebe, um von Amtswegen die Ermittlungen wieder aufzunehmen. Ein Fremdverschulden sei nicht eindeutig festgestellt worden, daher seien die Ermittlungen gegen den Bekannten eingestellt worden. Wenn es neue Ansätze gebe, werde man eine Aufnahme des Verfahrens prüfen. Bislang gebe es solche Hinweise nicht. Eine zeitliche Frist dafür gebe es nicht.

Freunde und Familie hoffen auf jeden Fall, dass die Sache noch nicht beendet ist. "Eines Tages kommt die Wahrheit ans Licht", heißt es am Ende des Videos.

(zel)