Knebels Affentheater ist „Simply the best“ in Kevelaer

Kevelaer : Knebels Affentheater ist „Simply the best“

Die Truppe bot im Kevelaerer Konzert und Bühnenhaus mit „Außer Rand und Band“ ein rockiges Musik-Kabarett mit Uwe Lyko als Tina Turner.

„,Außer Rand und Band’ – welche „Zentralpflaume“ hat sich dat nur ausgedacht“, fragte sich Herbert Knebel und hielt sich den Rücken, die lahme Hüfte und die schmerzenden „Quanten“. „Dat warst du selber“, rief ihm Ernst Pichel zu. Und sofort sprangen die vier Musiker wieder an die Gitarren, das Schlagzeug und das Mikrofon.

Die Vier, das ist das „Affentheater“ vom urigen Ruhrpottler Herbert Knebel alias Uwe Lyko, und „Außer Rand und Band“ die aktuelle Tour, mit der die Truppe im Konzert- und Bühnenhaus begeisterte.

Worum es ging? Ums Altwerden und dass nichts bleibt wie es war. Wie wird man damit fertig? Nur mit Humor und ganz viel Musik, wissen Ozzi Ostermann, Ernst Pichel, der „Trainer“ und Herbert Knebel ganz genau.

Nachdem das Publikum Knebels Eingangsfrage „Mögt ihr alle Schlager?“ etwas halbherzig mit „Ja“ beantwortet hatte, stellte dieser fest: „Dann seid ihr hier falsch“, und sofort legten sie rockig los mit den großen Titeln von Pink Floyd, The Who, Bee Gees, Creedence Cleearwater Revival und „hasse nich gehört“. Die Texte hatten sie umgedichtet und auf Humor gedreht. Sie tanzten und sangen die „Wehwehchen“ des Alters weg, und das Publikum ging überallhin mit.

Im Wechsel berichtete Herbert Knebel in beliebter und bekannter Manier von neuen Erlebnissen. Mit seiner Ehefrau „Guste“ war er auf Kreuzfahrt, mit seinen Kumpeln auf Pilz(s)-Tour in der Eifel. Der Wandel der Zeit erweitert auch immer den Erfahrungshorizont des berühmten Rentners aus Essen-Altenessen. Neuheiten wie Roboter-Hilfen im Haushalt hält er ganz klar für überflüssig. „Brauch’ ich dat? Als verheirateter Mann?“

Zwischendurch nahmen alle vier auf den Retro-Sesseln auf der Bühne Platz und warfen sich teils improvisiert teils geprobt die Bälle zu. In der Selbsthilfegruppe ABGO („anonyme Bußgeldopfer“) besprachen sie ihre eigenen Verkehrsregeln. „Wir wollen keine Politessen“ sangen sie zur Meoldie von „We don´t need no education“.

Ozzi Ostermann alias Georg Göbel-Jakobi spielte seine virtuosen Gitarrensoli und sang die Lieder von Roy Orbinson („Seine Musik lebt in mir weiter“). Er ließ die Hüften kreisen, flirtete was das Zeug hält bis die Perücke rutscht. „Früher warst du ein scharfes Geschoss, heute eine Kanonenkugel“, so Herberts Kommentar. Martin Breuer, der sich hinter „Ernst Pichel“ verbirgt, spielte dazu den Bass und setzte die Akzente. Detlef Hinze, der „Trainer“, gab am Schlagzeug den Rhythmus an und bediente mit seinen Bemerkungen auch virtuos die Lachmuskeln der Zuschauer.

Uwe Lyko, aka „Herbert“, nahm an diesem Abend in Kevelaer noch eine Ukulele zur Hand und sang eine romantische Liebeserklärung an seine „Guste“, er wolle mit ihr zum Mond fliegen, denn dort sei ihre Liebe schwerelos und unendlich. Von Anfang an stimmte die Chemie zwischen der Affentheater-Band und dem Kevelaerer Publikum. „Wollt ihr den King?“ rief Ozzi, und die Bühne betrat nicht Elvis, sondern Tina Turner.

Herbert mit goldener Perücke, ebenso goldenem Oberteil und schwarzem Minirock, setzte einen Glanzpunkt des Abends mit „Simply the best“ unter vielen Bravo-Rufen des Publikums, das bis dahin bereits viele Tränen gelacht hatte.

Ein drittes Mal holte der Applaus die vier auf die Bühne zurück, Herbert nun im weißen Morgenmantel, eine liebevolle Hommage an Udo Jürgens, und er sang „Heute hier, morgen da“ von Hannes Waader, nur ganz wenig umgedichtet. „Ich träumte der Saal vor uns wär leer, und wir müssten ganz wat anderes tun“. Das wird so schnell nicht passieren.

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