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Weeze: Kleine Flughäfen verlieren Passagiere

Weeze : Kleine Flughäfen verlieren Passagiere

Die Bilanz der Airports für 2016 liegt vor. Insgesamt gab es einen Zuwachs bei den Fluggästen um 3,4 Prozent. Verloren haben dagegen die kleineren Anlagen. In Weeze fürchtet man auch negative Auswirkungen der Maut.

Ein Bild mit Licht und Schatten hat die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen (ADV) beim Blick auf die Jahreszahlen für 2016 ausgemacht. Zwar habe es insgesamt ein Wachstum der Passagierzahlen gegeben, aber gleichzeitig würden die deutschen Flughäfen Marktanteile im europäischen Wettbewerb verlieren. Zudem hätten vor allem die kleinen Flughäfen mit einem Rückgang der Passagierzahlen zu kämpfen, so der Verband der Flughäfen in seiner Bilanz, die detailliert auflistet, wie viele Fluggäste von welchen Airports in 2016 gestartet sind.

Die Statistik zeigt, dass Weeze auf rund 1,85 Millionen Passagiere kommt, was einem Rückgang von 2,9 Prozent zum Vorjahr bedeutet. 2015 hatte Weeze noch 1,91 Millionen Fluggäste gezählt. Diese Zahlen hatte Airport-Geschäftsführer Ludger van Bebber bereits im Rahmen der Jahresbilanz vorgestellt. Mit den Daten für alle Flughäfen ist jetzt auch ein Vergleich mit der Konkurrenz möglich. Dabei wird deutlich, dass die kleineren Flughäfen alle mit einem Rückgang der Passagiere zu kämpfen haben.

Münster Osnabrück zählte mit 779.000 Passagieren 4,4 Prozent weniger als im Vorjahr, in Paderborn ist der Rückgang mit 9,3 Prozent auf 697.000 noch dramatischer. Standorte mit einem hohen Anteil von Tourismusverkehr hätten mit Einbrüchen vor allem nach den Terroranschlägen zu kämpfen, erläutert Sabine Herling von der ADV. Auch in Weeze liegt der Rückgang beim einzigen außereuropäischen Ziel Marokko mit 7,9 Prozent deutlich über der Gesamtbilanz von minus 2,9 Prozent.

Für Flughafen-Geschäftsführer Ludger van Bebber liegen die Zahlen im Rahmen. "Die Zeiten der großen Wachstumsraten sind vorbei. Ich gehe davon aus, dass wir langfristig auf dem Niveau von 2016 bleiben werden", sagt er. Problem sei, dass die Low-Coster wie eben auch Ryan Air wegen der Schwäche der etablierten Airlines verstärkt an die größeren Flughäfen gehen. Neue Strecken würden damit dann nicht so schnell nach Weeze vergeben. Die Passagiere würden Weeze vor allem im Winter verloren gehen. "Wir sind sehr stark auf Sonnenziele ausgerichtet", erläutert van Bebber. Das werde schon beim Blick auf den Flugplan deutlich. Im Sommer würden 14 Flüge pro Woche nach Palma de Mallorca angeboten, im Winter seien es gerade einmal zwei. Im Winter sei der Preiskampf um die Fluggäste dann noch größer.

Mit etwas Sorge blickt van Bebber auf das Thema "Maut". Sollte sie tatsächlich kommen, wären die Auswirkungen für den Flughafen noch gar nicht absehbar. "40 Prozent unserer Fluggäste kommen aus den Niederlanden, es ist die Frage, ob diese Passagiere noch kommen, wenn es eine Maut gibt", meint van Bebber. Er sieht da vor allem den psychoogischen Effekt: Niederländer würden automatisch beim Besuch im Nachbarland zweimal überlegen. Eine Maut sei auch so etwas wie ein Hinweis "Wir wollen euch nicht." Der Flughafen wäre wohl auch mautfrei zu erreichen. Dann müssten die Niederländer allerdings über den Weller Grenzübergang kommen. Der Verkehr würde dann durch die Maasduinen und durch Wemb führen. Eben das, was man eigentlich vermeiden will. Für van Bebber steht daher fest: "Die Maut ist eine höchst uneuropäische Entscheidung."

(RP)