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Kevelaer: Kevelaers Heilungen

Kevelaer : Kevelaers Heilungen

Zwei pensionierte Lehrer aus Kevelaer haben ein Buch über Spontanheilungen im Wallfahrtsort Kevelaer geschrieben – „Mirakel“ aus vier Jahrhunderten. Herausgeber wird im kommenden Jahr das Museum sein.

/ goch Was ein „Wunder“ ist, darüber will Heinz van de Linde gar nicht befinden. Der 67-Jährige und sein gleichaltriger Kollege Wilhelm van Aaken sprechen deshalb lieber von „Spontanheilungen“. Über diese Ereignisse aus vier Jahrhunderten berichten die beiden pensionierten Studienräte des Kevelaerer Gymnasiums in einem Buch, das im kommenden Sommer auf den Markt kommen soll. Herausgeben will es der Verein für Heimatschutz und Museumsförderung Kevelaer.

Seit Hendrick Busmann

Seit Hendrick Busmann im Jahr 1642 dreimal die Aufforderung hörte, zu Ehren der Jungfrau Maria ein Kapellchen zu bauen, sind 217 Heilungen dokumentiert worden. „Wir haben in Pfarrarchiven und Zeitungen recherchiert, sind im Internet auf Verweise gestoßen, haben von Kevelaerer Bürgern alte Geschichten gehört“, berichtet van de Linde. Auch im Priesterhaus, im Kevelaerer Museum und in der Königlichen Bibliothek Den Haag wurden die Männer fündig. „Wir haben die Heilungstexte, von denen zumindest diejenigen aus dem 17. und 18. Jahrhundert meist in Niederländisch geschrieben waren, übersetzt, und in vielen Fällen auch erklärende Hinweise etwa über die Herkunft oder bekannte Krankheiten der Geheilten gegeben.“

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Heinz van de Linde ist Protestant und kann, wie er schmunzelnd anmerkt, deshalb vielleicht etwas unbefangener mit „Wundern“ umgehen, als Katholiken das könnten. „Ausschlaggebend für mein Interesse am Thema war die Wallfahrt als Phänomen der Volksfrömmigkeit. Kollege van Aaken, der Religion und Deutsch unterrichtete und inzwischen in Konstanz lebt, arbeitete schon in den 80-er Jahren mit Schülern an der Wallfahrtsgeschichte und erstellte eine Art Handbuch für Jugendliche. Dennoch dauerte es drei Jahre, bis die beiden Pensionäre ihr Buch (beinahe) fertiggestellt hatten.

Spannend ist die Geschichte einer 38-jährigen Frau, die völlig gelähmt war, immer wieder bettelte, mit nach Kevelaer genommen zu werden und bei der zweiten Begegnung mit dem Gnadenbild plötzlich aufstehen und gehen konnte. „Bin geheilt, eure Mutti“ soll sie nach Hause telegrafiert haben (daraus entstand der Titel des Buches). 1978 beteten Mitglieder des KKV Kevelaer (Katholiken in Wirtschaft und Verwaltung) vor der Gnadenkapelle für einen Vereinskameraden, der im Koma lag. Der Mann erwachte und lebte bis 1995.

Eine eher grausame Story: Die kleine Catharina Wysman aus der Gegend von Recklinghausen soll vom Teufel besessen gewesen sein. Nur, wenn die Hexe Anna Schoorfelt, genannt „Plump“, auf dem Scheiterhaufen landete, könnte das Kind geheilt werden, hörte man es wispern. Tatsächlich wurde „Plump“ 1650 verbrannt – und der Teufel gab das Mädchen auf.

(RP)