Kevelaer: Kevelaers CDU – der Tag nach der Wahl

Kevelaer : Kevelaers CDU – der Tag nach der Wahl

Die Kontrahenten innerhalb der Kevelaerer CDU sollen sich die Hände reichen, finden viele Christdemokraten. Der alte und neue Vorsitzende müsse auf die Abweichler zugehen. Er wolle mit allen sprechen, versichert Thomas Selders.

Ob die mahnenden Worte, die während der CDU-Mitgliederversammlung vielstimmig zu hören waren, fruchten? Die Zukunft ihrer Partei ist den Kevelaerer CDU-Anhängern nicht gleichgültig: Mit 129 wahlberechtigten Gästen war der Saal Scholten an der Twistedener Straße sehr gut besetzt. 71 Männer und Frauen sprachen sich dort für eine Weiterarbeit mit Thomas Selders aus, 52 waren dagegen, sechs enthielten sich der Stimme (zählt man sie zu den Unterstützern, hat Selders mit 61 Prozent gewonnen). Wie geht es jetzt weiter?

Der Wunsch von Dr. Edmund Bercker, die beiden Hauptkontrahenten mögen sich die Hände reichen, wurde erst einmal nicht erfüllt. "Edmund Bercker hat diese Aufforderung an Selders gerichtet", stellte Frank Wackers gestern fest. Ebenso wenig wie in den Monaten zuvor sei der Vorsitzende jedoch jetzt auf den "weggemobbten" einstigen Parteifreund zugegangen. Wackers hatte bekanntlich nach dem gefälschten Fax, das ihn bezichtigte, gar nicht in Kevelaer zu wohnen, auf sein Ratsmandat verzichtet.

Dass Thomas Selders sich als Hauptleidtragenden in der Sache sieht, weil an seiner Familie der Verdacht hängen blieb, mit dem Fax zu tun zu haben, akzeptiert Wackers nicht. Mit Blick nach vorne stellte Wackers gestern fest, Selders müsse sich jetzt sehr anstrengen, um verlorenes Vertrauen wieder herzustellen. 45 Prozent gegen ihn sprächen von einer deutlichen Kritik an seiner Amtsführung. So sieht das auch Jürgen Aben, der dem Herausforderer Michael Machalewski seine Anerkennung zollt. Dass Selders gewonnen habe, akzeptiere er als guter Demokrat natürlich.

Auf den anderen zugehen? Selders drückt sich diplomatisch aus: "Sicher müssen wir jetzt an einem Strang ziehen, und ich will gerne alle mitnehmen." Auf einige der "Gegner" sei er schon am Wahlabend zugegangen — die Reaktionen seien unterschiedlich gewesen. Der alte und neue CDU-Chef versichert, in jede Richtung gesprächsbereit zu sein. Auch zum Kreisvorsitzenden Dr. Bergmann will er Kontakt aufnehmen. Dessen klare Worte in der RP und der Rat, die Partei komplett neu aufzustellen, hätten ihn nicht erfreut.

Der Kreisvorsitzende wolle doch neutral sein? Bei einer Vorstandssitzung am Dienstag, 19. März, soll die künftige Arbeit vorbesprochen werden — nicht zuletzt mit Blick auf die Wahlen. Mit dabei werden folgende neue Vorstandsmitglieder sein: als Stellvertreter Paul Schaffers, Helmut Baues und Walburga Kamps. Schaffers und Kamps waren schon vorab zu kommissarischen Stellvertretern bestimmt worden. Diese "Wahl" hatten CDU-Kreisgeschäftsstelle und Justitiar allerdings für nichtig erklärt. Neuer Schriftführer ist Martin Brandts. Zu Beisitzern wurden Roland Andris, Hans-Wilhelm de Haan und Franziska Humfeld nachgewählt.

Bürgermeister Dr. Axel Stibi, der wie die Landtagsabgeordnete Margret Voßeler der Sitzung beigewohnt hatte, verlangt, dass sich die Partei nach der Wahl "ab sofort wieder gemeinsam der Sacharbeit zuwendet. Um vorhandene Gräben zu über- winden, müssen die verantwortlichen Personen in eben dieser Absicht aufeinander zugehen."

(RP/rl)
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