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Kevelaer: So schützen Landwirte den Kiebitz

Naturschutz im Achterhoek : „Kiebitzrettung — kein großes Ding“

Landwirte erklären, warum sie dem Vogel Platz auf ihrem Acker einräumen. Sie möchten die Art auch für nachfolgende Generationen bewahren. Ansprechpartner für die Bauern war die Stiftung Rheinische Kulturlandschaft.

Die Männer, die mitten auf einem Feldweg irgendwo im Nirgendwo im Achterhoek stehen, sind sich einig: „Kein großes Ding.“ Dabei haben sie einigen Tieren das Leben gerettet. Die Männer winken immer noch ab und schauen nach vorne. Auf das Feld, auf dem Norbert Aengeneyndt eigentlich Mais oder eine andere Futterpflanze aussäen wollte. Noch sieht es nach Kraut und Rüben aus, gepflügt, aber noch nicht bestellt. Mittlerweile sprosst alles Mögliche hoch. Viel spannender ist aber, was dort ab und zu hochfliegt: Kiebitze. Johannes Krebber spricht von einer ungewöhnlich großen Population. Er machte Aengeneyndt auf die seltenen Besucher, die unter Naturschutz stehen, aufmerksam.

Um Ostern sei er mit seiner Frau auf einer Fahrradtour an dem Feld vorbeigefahren, erinnert sich Aengeneyndt. Was er dort sah, bestätigte, was Krebber ihm gesagt hatte. „Wir haben dort zwölf bis 15 Altvögel gesehen.“ Er komme aus Sonsbeck. Kolonien in der Größe habe er dort bisher nicht gesehen. Als nächsten Schritt habe er sich erkundigt, was machbar ist. Sein Ansprechpartner war die Stiftung Rheinische Kulturlandschaft. Die haben sich bereit erklärt, eine Entschädigung zu zahlen. 440 Euro pro Hektar. Denn als Milchviehhalter sei er darauf angewiesen, seine Futterpflanzen zeitig auszusäen. Seit dem 10. Mai koste es ihn jeden Tag Geld, wenn er nicht endlich etwas für die spätere Ernte tun könne. Vereinbart sei, dass er bis Ende Mai das Feld brachliegen lässt. Solange brauchen die Alttiere, um die Jungvögel aufzuziehen. Für ihn steht jetzt fest, dass er sich „die Sachlage“ anschaut, ob dann wirklich keine Vögel mehr brüten. Erst dann will er loslegen.

  • Das Seeadlerpaar in ihrem Nest.

RP-Archivfoto:
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Bei Ludger Heekeren war es der überraschende Anruf seines Sohnes, der ihn auf die seltenen Besucher aufmerksam machte. Sein Sohn Lars war mit dem Trecker auf dem Feld unterwegs, als er die Kiebitze entdeckte. „Ruf mal Johannes an, der sagt dir, was zu tun ist“, lautete die Antwort von Heekeren an seinen Sohn.

Johannes Krebber freute sich über die gute Nachricht. Um die Nester der Vögel wurde großzügig drumherumgepflügt. Die Fläche bleibt an der Stelle so, wie sie ist. Heekeren zuckt mit den Schultern. Von Heldenstimmung keine Spur. „Man muss spontan sein“, sagt er. Sein Kollege Jakob Maaßen ergänzt, dass die Landwirte von jeher mit der Schöpfung arbeiten, nicht gegen sie, auch wenn Landwirte oft in Verruf stünden, nichts für den Naturschutz zu tun. Auch er habe sich nach den Anregungen von Johannes Krebber über den Kiebitz schlau gemacht und ist erstaunt, dass der Vogel bewusst Flächen nutzt und braucht, auf denen sonst intensive Landwirtschaft betrieben wird. Einig sind sich die Männer, dass sie dem Vogel Platz machen, da, wo es nötig ist. Er genieße das Vogelgezwitscher an ruhigen Sonntagmorgen, sagt Aengeneyndt. Und er will, dass auch die Nachwelt davon noch etwas hat.