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Kevelaer: Drei Jahre Gefängnis wegen räuberischen Diebstahls und Körperverletzung

Diebstahl in Kevelaer : Drei Jahre Gefängnis für Einbrecher mit Erinnerungslücken

Ein 29-Jähriger wurde wegen räuberischen Diebstahls und Körperverletzung verurteilt. Er war im April in das Haus einer Familie in Kevelaer eingebrochen.

Wegen besonders schweren räuberischen Diebstahls in Tateinheit mit Körperverletzung ist am Freitag ein 29-jähriger Mann aus Kevelaer verurteilt worden. Das Klever Landgericht verhing eine Freiheitsstrafe von drei Jahren gegen den Angeklagten, der vor seiner Verhaftung in Winnekendonk gelebt hat. Gegenstand des Verfahrens ist ein Einbruch gewesen, den der Mann am 28. April 2019 begangen hat: Er stieg in den Morgenstunden über ein Fenster in eine Familienwohnung an der Amsterdamer Straße ein und entwendete aus dem Zimmer eines damals 14-jährigen Jungen eine Spielekonsole.

Der Junge erwachte allerdings und alarmierte seinen Vater. Auch der 13-jährige Bruder wurde wach, und die drei schwärmten aus, um den Einbrecher ausfindig zu machen. Während der Vater mit einem Fahrrad in die vermutete Fluchtrichtung des Einbrechers fuhr, trafen die Brüder in der Nähe der Wohnung auf den Einbrecher.

Trotz Tritt in den Magen des älteren Jungen und Würgegriff gegen den Jüngeren gelang es den Brüdern, dem knapp 1,90 Meter großen Einbrecher die Konsole wieder wegzunehmen. Auch ein Messer, das der Einbrecher laut älterem Bruder zur Drohung gegen ihn gezückt haben soll, bevor der jüngere Bruder zu Hilfe eilte, konnte das nicht verhindern. Die Polizei nahm den alkoholisierten Angeklagten wenig später in der Nähe der Familienwohnung fest.

Der Angeklagte hatte den Einbruch am Freitag bereits vor den Zeugenaussagen eingeräumt und erklärt, die Tat sei nach einer durchzechten Nacht passiert. „Ich kann mich nur an einzelne Bilder erinnern“, so der 29-Jährige. An das Fenster etwa, und dass es eine Rangelei mit einem Jungen gab. Nicht jedoch daran, wie er in die zweite Etage der Kevelaerer Wohnung gelangt ist und warum überhaupt. „Ich kann Ihnen nicht sagen, warum ich das gemacht habe“, sagte er. Auch an den Kauf von Backwaren, die er bei seiner Verhaftung in der Hand hielt, konnte er sich nicht mehr entsinnen. Ebenso wenig daran, dass er zur Drohung ein Messer gezückt haben soll und dass er sieben Gramm Marihuana bei sich hatte.

Ein Bluttest ergab nach der Festnahme einen Alkoholwert von 1,76 Promille – laut Sachverständigem hat der Angeklagte bei der Tat mindestens zwei Promille gehabt. Die Strafkammer wollte eine verminderte Schuldfähigkeit des Angeklagten nicht ausschließen, was sich strafmildernd auswirkte. Strafschärfend sei zu berücksichtigen, dass es sich um ein „sehr heftiges Delikt zum Nachteil sehr junger Menschen“ gehandelt habe, so der Vorsitzende.

Kritische Frage der Verhandlung: Gab es das Messer? Nein, sagte die Verteidigung – ja, sagte die Staatsanwaltschaft. Auch die Kammer war der Auffassung, dass es die Waffe gab – auch wenn der Angeklagte sich nicht daran erinnert und nur einer der drei Zeugen davon berichtete. „Wir sind sicher, dass es das Messer gegeben hat. Es gibt für uns überhaupt keinen Grund anzunehmen, dass der Junge die Unwahrheit gesagt hat“, so der Richter.