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Kevelaer: Dirk Janßen vom Schaustellerverband zu Preissteigerung auf der Kirmes

Interview mit Dirk Janßen : „Kirmes ist: einfach mal raus aus der Bude und miteinander quatschen“

Der Vorsitzende des Schaustellerverbandes Kleve-Geldern zu den Erwartungen an die Besucherzahl, Preissteigerungen und die soziale Bedeutung der Kirmes.

Wie ist Ihre Prognose als Schausteller-Chef, wird es eine volle Kirmes, oder sind die Leute eher zaghaft?

Dirk Janßen Es sind ja schon einige Veranstaltungen in NRW gelaufen, etwa die Osterkirmes. Sobald das Wetter mitspielt, rechne ich mit guten Besucherzahlen. Erfahrungsgemäß sind der Donnerstag und der Samstag mit dem großen Umzug immer sehr gut besucht.

Sind die Preise ein Thema?

Janßen Was soll ich drumherum reden, auch bei uns wird alles teurer. Das betrifft unter anderem die Einkaufspreise, da geht es beim Essen hoch. Ohne Öl kein Backfisch, und auch für die Fritten muss die Fritteuse gefüllt werden. Genauso ist es bei den Fahrgeschäften. Oder wenn die mit fünf Transportfahrzeugen kommen, der Tank muss ja voll sein. Wir kriegen die Preissteigerung als Schausteller überall mit.

Gibt es Ihrerseits Empfehlungen an die Kollegen, wie weit man die Preissteigerung an die Besucher prozentual weitergeben kann?

Janßen Wir sind ja nun mal kein Kartell, das sind alles selbstständige Unternehmen auf der Kirmes. Aber beim Aufbau im Gespräch mit den Kollegen wurde klar: Wir wollen ein Volksfest sein. Das bedeutet für alle Besuchergruppen und Einkommensklassen. Irgendwann ein Volksfest anzubieten nur für eine kleine elitäre Gruppe, das ist nicht in unserem Sinne. Deswegen darf die Preissteigerung nie ein Schlag ins Kontor sein.

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Gab es denn mal goldene Zeiten für die Schausteller oder war es immer ein Beruf mit Risiko?

Janßen Gut waren die Jahre in den 70ern und 80ern. In den 50er und 60er Jahren haben alle viel malocht. Dann in den 70ern und 80ern gab es noch nicht so eine Flut an anderen Veranstaltungen. Für die Freizeit gab es das Fußballstadion und die Kirmes. Davon haben wir lange profitiert. Mittlerweile gibt es so viel anderes: Musicals, Festivals, verkaufsoffene Sonntage. Wir sind mit der Kirmes nicht mehr das einzige Fest, sondern eines von vielen. Mit der Einführung des Euro gab es dann die erste Kostenexplosion bei uns. Vor der Pandemie hatte es sich aber wieder eingependelt, dass die Leute wieder zu traditionellen Festen gehen wie die Kirmes.

Nennen Sie mal einen Grund, warum sollte man auf jeden Fall zur Kirmes gehen?

Janßen Die Kirmes bietet die Möglichkeit, mal wieder miteinander zu reden, ganz oldschool, nicht über soziale Netzwerke, sondern live. Sich einfach mal wieder verabreden und raus aus der Bude kommen. Es geht um das Reaktivieren sozialer Kontakte.