Das neue Programm von Kabarett unter’m Dach Große Auswahl an Kabarett „und Liebe“ in Kevelaer

Kevelaer · Das Jahresprogramm von „Kabarett unter’m Dach“ wurde in Kevelaer vorgestellt. Das Kulturbüro Niederrhein verpflichtete hochkarätige Künstler für neun unterhaltsame Kulturabende.

 Götz Alsmann und Band mit dem Programm Liebe tritt ebenfalls im Bühnenhaus auf.

Götz Alsmann und Band mit dem Programm Liebe tritt ebenfalls im Bühnenhaus auf.

Foto: Reichartz, Hans-Peter (hpr)

„Einmal Stunker, immer Stunker. Denn Stunker bleibt man bis zum Lebensende“, macht Bruno Schmitz aus Kleve deutlich, dass er mit seinen mehr als 70 Lenzen lange noch nicht an Ruhestand denkt.

Wie angekündigt hat er sich als Aktiver der alternativen Karnevalssitzung im Kölner E-Werk zurückgezogen. Aber das Kulturbüro Niederrhein bleibt wie bisher in seiner Kulturvielfalt für den linken Niederrhein erhalten, sagt Schmitz bei der Pressekonferenz zum aktuellen Programm von „Kabarett unter‘m Dach“ in Kevelaer. Noch am Abend zuvor stand der „Ewige Stunker“ Bruno Schmitz mit dem Ensemble von „Stunk unplugged“ im Savoy-Theater Düsseldorf auf der Bühne.

Das bewährte „Kabarett unter’m Dach“ – nämlich unter der Dachschräge der Öffentlichen Begegnungsstätte in Kevelaer - findet im Jahresprogramm mit neun starken Programmen nur noch zweimal an dieser Stelle statt. Die kleine Bühne unterm Dach mit direktem Kontakt zum Publikum war über mehr als zwei Jahrzehnte häufig für Künstler das Sprungbrett auf die ganz große Show-Bühne. Wegen der fast familiären Atmosphäre kommen prominente Künstler gerne in die Begegnungsstätte zurück.

 Der Sitzungspräsident, Volker Weininger, wird über die Formen des niederrheinischen Karnevals berichten.

Der Sitzungspräsident, Volker Weininger, wird über die Formen des niederrheinischen Karnevals berichten.

Foto: Günter vom Dorp

So wird Jürgen Becker in der Vorpremiere (Freitag, 8. Dezember) für „Deine Disco“ das Publikum daran erinnern, welche Musik - in diesem Fall Schallplatten in der Vergangenheit - Politik machten. Und welche Botschaften hinter der Lyrik stehen. Politik, Platten, Protest und Pointen werden als mitreißende Radioshow auf der Bühne live gemischt.

Stefan Verhasselt ist mit seinem aktuellen Programm in Kevelaer zu Gast.

Stefan Verhasselt ist mit seinem aktuellen Programm in Kevelaer zu Gast.

Foto: Veranstalter

Auch Didi Jünemann gibt sein Solo „Wir Kellerkinder“ unterm Dach (Donnerstag, 18. Januar 2024). Das Ein-Personenstück ist eine Hommage an Wolfgang Neuss. Als Hundertjähriger, der in den Keller stieg, und als Kind wieder nach oben kam, nimmt Jünemann die Besucher mit in ein Stück deutsche Geschichte.

Durchaus als große Bühne darf in Kevelaer das Bühnenhaus betrachtet werden, die Plattform namhafter Künstler, die ihre niederrheinische Fangemeinde erfreuen. Ingrid Kühnes Soloprogramm (Freitag, 22. September) war blitzschnell ausverkauft.

Auch Volker Weininger als „Sitzungspräsident“ erfreut sich großer Beliebheit. Sein Solo (Mittwoch, 25. Oktober) führt in ein fiktives Dorf irgendwo im Rheinland, wo voller Spannung die Proklamation der „KG Raderdolle Spritköpp von 1493“ erwartet wird. Da fließt nicht nur das Bier in Strömen, nach und nach plaudert der „Sitzungspräsident“ in seiner Paraderolle aus dem Nähkästchen. In ganz niederrheinischer Manier: Von Nix ne Ahnung, aber zu allem ne Meinung.

Als Fossil des Kabaretts gilt inzwischen Wilfried Schmickler. Zuletzt noch in den Reihe „Mitternachtsspitzen“ des WDR zu sehen, heißt sein aktuelles Programm „Es hört nicht auf!“ (Freitag, 17. November) Ja, was denn? Fragt sich der Zuschauer. Und er, Schmickler, wettert mehr oder weniger seit drei Jahrzehnten wieder über alles und jedes quer durch die Gesellschaftsschichten. „Ein politischer Kabarettist durch und durch“, beschreibt Bruno Schmitz seinen Kollegen.

Auf „Dirty Talk“, so der Name des Live-Programms mit Lisa Feller, dürfen die Gäste am Freitag, 23. Februar, gespannt sein. Die schlagfertige Comedy-Allzweckwaffe möchte auch ein Wörtchen mitreden bei all diesen Talk-Formaten auf dem Bildschirm. Und sie zeigt sich von ihrer besten Seite: lustig-sympathisch wie immer, aber frech und frisch wie nie.

Quasi in der Nachbarschaft zuhause ist Stefan Verhasselt, der mit „Kabarett 6.0: Mit euch ist es schöner“ (Freitag, 1. März) seinen Wortwitz spielen lässt. Er analysiert Eigenarten und Absurditäten unserer Gesellschaft, hält mitunter den Spiegel vor. Wer über sich selbst lachen kann, ist bei Stefan Verhasselt willkommen. Denn, wie der Niederrheiner unter den Kabarettisten findet: „Mit euch ist es schöner!“

Auch Herbert Knebels Affentheater bringt Schwung ins Bühnenhaus. Ein „Fahr zur Hölle, Baby!“ (Donnerstag, 13. Juni) ruft er allen Kritikern zu. Bruno Schmitz erzählt von seiner ersten Begegnung mit ihm: „Ich kenne ihn seit 1977 auf der Anti-AKW-Bewegung.“ Deshalb dürfen alle gespannt sein auf das lebendige Affentheater in seiner aktuellen Form, denn „so richtig weg von der Bühne waren wir niemals, auch wenn es sich viele gewünscht haben“, feixt das Quartett.

Als musikalische Abrundung des Jahresprogramms kommt Götz Alsmann mit „… bei Nacht“ am Freitag, 19. April nach Kevelaer. Bruno Schmitz konnte den „alten Hase im Jazz“ und vielseitigen Künstler dazu gewinnen, das neue Album vorzustellen. Dieses Mal interpretiert er melancholische wie humorvolle Glanzstücke der Schlagergeschichte von 1910 bis 1965, begleitet von der seiner vierköpfigen Band.

„Kultur gehört zu unserem normalen Alltag dazu, wie Essen und Trinken“, ist die Triebfeder von Bruno Schmitz. So betont er, dass die Eintrittspreise moderat geblieben sind. Sie beginnen im Vorverkauf mit etwa 20 Euro in der Begegnungsstätte und liegen im Schnitt um 30 Euro bei Vorstellungen im Bühnenhaus.