Kevelaer: Aktion hilft Opfern von religiösen Übergriffen

Drei Kreuze aus Kevelaer: "Aktion pro Humanität" hilft Opfern religöser Übergriffe

An Ostern stehen besonders die Gemeinschaft und der Beistand zwischen Menschen im Fokus. Die "Aktion pro Humanität" hat sich aus diesen Gründen zum Ziel gesetzt, vielen Opfern von religiösen Übergriffen zu helfen - mit Erfolg.

Drei Kreuze stehen als Zeichen für Dankbarkeit, Barmherzigkeit und Vergebung, aber auch als ein bewegendes Symbol für das Schicksal der Menschen in Niger. Etwa zwei bis vier Zentimeter dicke Holzstücke, vom Feuer schwarz gefärbt, sind in der Mitte zu einem Kreuz zusammengebracht. Man erkennt trotz der Rußspuren noch deutlich die Struktur des Gegenstandes und kann sich so gut vorstellen, dass dies einmal ein Teil eines Hauses gewesen ist.

Aus dem Holz der verbrannten Trümmer des Nebengebäudes einer zerstörten Kirche in Niger hat Schreiner Peter Tervooren mit seinem Mitarbeiter Lutz Laermann diese Kreuze gestaltet. "Es war gar nicht so leicht, das Holz richtig zu gestalten. Es stand kurz vor dem Verfall", erklärt Peter Tervooren. Auf ein rotes Brett angebracht, dienen die Kreuze als Erinnerung an die Übergriffe. Peter Tervooren erzählt, dass die verbrannten Teile des Gebäudes als Symbol der verfolgten Religion in Niger auch den Menschen hier ein Zeichen setzen soll.

Am 17. Januar 2015 wurden in einem Angriff auf christliche Religionsstätten 70 Kirchen in Niger zerstört. Die Christen sind mit zwei Prozent Anteil an der Bevölkerung eine Minderheit in Niger. "Bei dem Angriff ging es dabei gezielt um die Unterbindung des christlichen Glaubens", stellt Peter Tervooren heraus. Die Kreuze stehen als Zeichen für Versöhnung und Neuanfang, denn die Stiftung hat erreicht, dass bis 2018 nun alle Kirchen wieder aufgebaut wurden und sie als eine Art Heimat für die Menschen bestehen.

Foto: bimo

In der Osterzeit kommen viele Menschen zueinander. Das trägt dazu bei, zwischenmenschliche Werte mehr in den Fokus zu nehmen. Diese Zeit ist ein Akt der Versöhnung und der Hilfsbereitschaft. Genau diese Eigenschaften stehen im Mittelpunkt der Projekte der Initiative "Aktion pro Humanität" (APH), die in Ländern mit Gewalt und Verfolgung mit religiöser Hilfe Veränderungen bewirken. Jetzt, an Ostern setzt APH mit diesen besonderen Kreuzen ein Zeichen für diesen Beistand. Die Kreuze werden als Zeichen der Dankbarkeit für ihre Unterstützung von Erzbischof Laurent Lompo an Pastor Gregor Kauling, Weihbischof Rolf Lohmann und am Katholikentag an das Bistum Münster überreicht.

"Die Holzkreuze sind ein Beweis für das Leiden der Menschheit in Niger und erinnern uns an die Gewalt, die in diesem Land vorherrscht", erklärt Wallfahrtsrektor Gregor Kauling in seiner Ansprache vor der Segnung der Kreuze.

Foto: bimo

Sie seien gleichzeitig auch ein Symbol für das "Ja" Gottes zum Leben. Besonders für die von Trauer erfüllten Menschen in diesen Gebieten seien das Kreuz und das Allerheiligste ein Hoffnungsträger inmitten der Gewalt und des Terrors. "Gottes Wort ist eine Ermutigung: Du sollst Leben", sagt Kauling in seiner kurzen Predigt.

Die Hilfsbereitschaft der "Aktion pro Humanität" in Benin und in Niger zeigt an vielen Stellen sichtbare Erfolge. Neben dem Neubau der Kirchen im Niger wurden auch andere Maßnahmen ergriffen. "Es gibt viele Perspektivlosigkeiten", erklärt Dr. Elke Kleuren-Schryvers, Gründerin und Vorsitzende der "Aktion pro Humanität". Zum Beispiel wurden einige Krankenstationen für die Hilfsbedürftigen errichtet. Doch neben Krankheit und dem Religionshass gebe es noch einiges, gegen das die Stiftung antreten muss. Ein weiteres Problem ist der ständige Hunger. Besonders schwangere Frauen und Babys müssen unter der unausgewogenen Ernährung leiden. Bei den Kindern treten oft Mangelerscheinungen und sogar ernsthafte Störungen der Organe auf. Neben der Nahrungsmittelknappheit sind auch der Klimawandel und der Flächenmangel sehr ernst zunehmende Probleme. Außerdem sei das Bevölkerungswachstum zu groß für die Kapazität des Landes.

Niger habe die größte Geburtenrate der Welt. Anders als in Europa werden Mädchen in dem afrikanischen Land oft schon ab zwölf Jahren verheiratet.

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Die religiöse Hilfe ist eine Rettung aus der Not, in der die Bevölkerung gefangen ist. "Viele Menschen mit Hunger richten ihre Fragen an Gott", sagt Dr. Kleuren-Schryvers. Zusammen mit Erzbischof Laurent Lompo setzt sich die Organisation für die Zukunft der Hungernden in der Sahelzone ein.

Besonders der interreligiöse Dialog zwischen Muslimen und Christen sei essenziell für die Problemlösung. Erzbischof Laurent gehe voran in diesem Gespräch und lasse religiöse Grenzen verschwimmen.

Bis jetzt hat die Organisation viel erreicht. Der Bau von Brunnen, Wasserrückhaltebecken, Mikrokreditprojekten und Hilfe bei der Viehzucht haben die Menschen in Niger eine neue Perspektive gegeben.

Peter Tervooren ist ebenfalls ergriffen, dass sich die Einwohner auch gegenseitig unterstützen und zum Beispiel gescheiterten Flüchtlingen auf dem Weg nach Europa Nahrung und Unterkunft anbieten. "Genau in dem Gebäude, von dem die Teile des Kreuzes stammen, wurde viel Hilfe für Notbedürftige geleistet", sagt er.

25 bis 28 Flüchtlinge pro Woche haben ehrenamtliche Arbeiter aus Niger dort versorgt. Niger ist in Richtung Europa die letzte Station vor der Sahara. Viele Menschen müssen vor dieser großen Hürde der Wüste ihre Reise abbrechen, da sie zu wenig Mittel zur Weiterreise besitzen oder von Problemen aufgehalten werden, die sie hindern, ihr Ziel zu erreichen.

"Sie können so nicht zu ihrer Familie zurück, ohne diese zu enttäuschen. Sie sind in einer schwierigen Situation." Die Bewohner Nigers helfen den Menschen mit vielen Mitteln, diese Schwierigkeiten zu überstehen. Peter Tervooren bewundert diese Arbeit, denn die Helfenden selbst stecken in einer Notlage.

Aktuell seien die Perspektiven der Menschen in Niger leider noch nicht nachhaltig gesichert, doch die Stiftung ist auf dem besten Weg, zusammen mit Erzbischof Laurent, diese Situation weiter zu ändern.

Dr. Elke Kleuren-Schryvers ist stolz, dass die Organisation in dieser Hinsicht viel für die hilfsbedürftigen Menschen getan hat. "Das einzige was stärker ist als der Terror, ist die Liebe. Sie kann den Menschen in ihrer Situation helfen."

(RP)