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Karl Hagedorn vom Gymnasium Kevelaer war als Lehrer auch in Südafrika

Abschied am Gymnasium in Kevelaer : Letzter Schultag für den Rektor

Karl Hagedorn geht am Freitag zum letzten Mal zur Schule. Der Leiter des Kardinal-von-Galen-Gymnasiums geht in Pension. Hinter sich hat der Reeser eine ungewöhnliche Berufsgeschichte, die ihn auch nach Kapstadt führte.

Warum er Lehrer geworden ist? Karl Hagedorn muss kurz lachen. „Also so genau weiß ich das gar nicht mehr. Das war einfach ein Beruf, den ich mir damals gut vorstellen konnte“, sagt der Rektor des Kardinal-von-Galen-Gymnasiums. Er habe schon immer gerne mit Jugendlichen gearbeitet und sich gedacht: „Da kannst du nicht vereinsamen, das wird nie langweilig.“

Aussagen, die er am Ende seiner Schulzeit so jederzeit wieder unterschreiben würde. Langweilig sei ihm nie geworden, betont er, was sicher auch an einer für einen Lehrer durchaus ungewöhnlichen Berufsgeschichte liegt. Der Einstieg war noch ganz konventionell. Nach dem Referendariat in Münster kam er 1981 an das Gymnasium in Wesel-Mitte. Hier unterrichtete er in der Zeit des Umbruchs. Noch gab es reine Mädchenklassen, aber inzwischen waren auch schon Jungen auf dem früheren Mädchengymnasium aufgenommen worden.

Am ersten Schultag schaute Karl Hagedorn noch etwas skeptisch. Foto: ja/Archiv Hagedorn

1990 wurde es dann ein ungewöhnlicher Berufsweg, denn es zog ihn mit seiner Frau in die Ferne. Die Hagedorns hatten Freunde, die nach Mexiko ausgewandert waren. Dorthin wollte man auch. Als daraus nichts wurde, nahmen Karl Hagedorn und seine Frau das Angebot an, an der Deutschen Schule in Kapstadt zu unterrichten. Sechs Jahre blieb das Ehepaar mit seinen Kindern dort. Die Zeit habe ihn tief geprägt, sagt Hagedorn. Es war gerade die Phase des großen Umbruchs in dem afrikanischen Staat. Nelson Mandela war aus der Haft entlassen worden, langsam nahm Südafrika Abschied vom Apartheidssystem. Heute kaum vorstellbar: In Südafrika gab es damals drei verschiedene Ministerien. Eines für Weiße, eines für Farbige, eines für Schwarze. Auch die Bildung war genau aufgeteilt: Den Weißen stand die Hochschule offen, die Farbigen waren als Handwerker vorgesehen, Schwarzen sollte nur Lesen und Schreiben beigebracht werden.

Fahrt mit Schülern aus Kevelaer nach Paris. Foto: ja/Hagedorn-Archiv

Karl Hagedorn erinnert sich noch daran, welche unglaubliche Tests es damals gab. Um einen Farbigen beispielsweise von einem Schwarzen zu unterscheiden, wurden den Kindern Bleistifte ins Haar gesteckt. Blieb der Bleistift hängen, war man der Überzeugung, dass es sich bei dem Kind um einen Schwarzen handle, weil der dichteres Haar habe. Auch an der Schule habe es heftige Diskussionen gegeben. An der Deutschen Schule hatte die Bundesrepublik nämlich klargestellt, dass die Lehrer nur bleiben und weiter Geld gezahlt wird, wenn Schüler aller Hautfarben unterrichtet werden. So setzte man sich schließlich durch. Als Hagedorn nach sechs Jahren nach Deutschland zurückkehrte, hatte sich auch in Südafrika vieles getan. Inzwischen war Mandela Präsident.

Karl Hagedorn in den 80er Jahren im Unterricht am Gymnasium in Wesel (früher Mädchengymnasium), daneben ein Foto von einer fahrt mit dem Gymnasium Kevelaer nach Paris. Foto: ja/Hagedorn-Archiv

„Es war schon ein besonderes Gefühl, zurück nach Deutschland zu kommen“, sagt Hagedorn. Genossen habe er, wieder mit dem Rad einfach durch die Gegend fahren zu können. In Südafrika hatte die Familie in einem Haus gewohnt, das mit einem hohen Zaun umgeben war. Aus der Zeit in Afrika habe er sich einen Grundsatz mitgenommen: „Wenn irgendwas nicht funktioniert, dann überlege, wie es am Ende doch klappen kann.“ Über die Stationen Gymnasium Wesel und Gymnasium Rees kam er 2001 zunächst als stellvertretender Schulleiter nach Kevelaer. 2010 folgte er auf Rektor Anton Willkomm und leitete seitdem die Schule. Am Freitag steht der letzte Schultag an. In Coronazeiten ohne große Feier. Hagedorn ist durch die Klassen gegangen und hat sich mit Süßigkeiten von den Schülern verabschiedet, für jeden Kollegen hat er ein kleines Päckchen geschnürt.

Ein Bild von der deutschen Schule in Kapstadt, an der Karl Hagedorn mit seiner Frau unterrichtete. Foto: ja/Hagedorn-Archiv

Er schaue gerne zurück, freue sich aber auch auf die kommende Zeit. Vor allem, weil seine Frau in Kalkar an der Grundschule zeitgleich in Pension geht. Da bleibt jetzt viel Zeit für Gemeinsamkeit. Auch da wird Südafrika eine Rolle spielen. „Wir haben noch viele Freunde dort, die Verbindung ist geblieben. Meine Frau und ich werden jetzt sicher öfter reisen und auch mal wieder nach Südafrika fliegen.“

Das Land lässt ihn auch im Ruhestand nicht los.